Strategien


Leader der Leader werden

10 Ratschläge von Gartner für CIOs

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Das Business erwartet vom CIO, eine Rolle als "Leader der Leader" einzunehmen. Das behauptet jedenfalls der US-Marktforscher Gartner. Zehn Tipps dafür.
Mit den Tipps von Gartner sollten die Dinge wie am Schnürchen laufen.
Mit den Tipps von Gartner sollten die Dinge wie am Schnürchen laufen.
Foto: Ai825 - shutterstock.com

Von "Career is over" kann keine Rede mehr sein. So sieht es jedenfalls der US-Marktforscher Gartner in seinem Papier "CIO New Year's resolutions 2016". Tenor des Papiers: Das Business erwartet vom CIO, eine RolleRolle als "Leader unter Leadern" einzunehmen. Zu Recht, finden die Analysten. Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Ratschläge, wie das umzusetzen ist, bringt Gartner gleich mit. Dabei beziehen sich die geforderten Führungsqualitäten vor allem auf den Change durch die Digitalisierung. Gartner rät:

1. Engere Zusammenarbeit mit dem Board

CIOs müssen ihre technologische Kompetenz noch stärker ins Unternehmen einbringen. Das sollten sie ganz persönlich tun. Gartner rät, Board-Mitglieder einzeln oder zu zweit zum Frühstück einzuladen. Der IT-Entscheider soll dabei weniger die eigene Position vertreten, als vielmehr mit seinen Gesprächspartnern in Austausch treten und seinen Rat anbieten. Ziel für 2016: Mindestens ein solches Gespräch pro Quartal.

2. Ein einflussreiches Netzwerk aufbauen

Laut Gartner können CIOs ihren Einfluss vergrößern, indem sie eigens dafür ein Netzwerk im Unternehmen aufbauen. Konkret: sie sollten fähige und kommunikationsstarke Mitarbeiter in eine Art Führungszelle holen, sich eng mit ihnen verzahnen und sie zu eigenen Botschaftern machen. Wie in einem Schneeballsystem sollen diese dann im Kontakt mit den Fachbereichsleitern den Change verbreiten.

3. Zwei Metriken des CEO in die eigene Arbeit übernehmen

Der CEO wird dem CIO umso mehr vertrauen, je näher ihm dessen Vorgehensweise ist. CIOs sollten sich also zwei wichtige Metriken des CEO zu ihrem eigenen Maßstab machen. Je nach Branche kann das die Durchlaufgeschwindigkeit sein, die Verkürzung der Time-to-Market oder anderes. Hinweise darauf findet der IT-Entscheider beispielsweise im Brief an die Shareholder im Geschäftsbericht des Unternehmens.

4. Zusammenarbeit mit dem Chief Marketing Officer (CMO) vertiefen

Wie Gartner feststellt, kaufen Marketing-Entscheider gerne hinter dem Rücken des CIO Lösungen beispielsweise rund um Social Media ein. Die Marktforscher interpretieren das weniger als Kontrollverlust des CIO, sondern mehr als Zeichen, wie stark das Marketing auf IT angewiesen ist. CIOs sollten also den engen Schulterschluss mit dem CMO suchen. Als Motto gibt Gartner aus "vom Service zur Symbiose".

5. IT entrümpeln

Die Analysten raten zu einer kritischen Umschau: welche Anwendungen werden kaum noch genutzt? Welche Systeme sind nicht mehr nötig? Wie passen Hardware und Software zur Unternehmensstrategie, ist das auf dem neuesten Stand? Tipp von Gartner: Pro Quartal mindestens ein System abschalten.

6. Erstellen einer Techquistion-Liste

Als neues Kunstwort aus Technik und Akquisition führt Gartner den Begriff Techquisitions ein. Es ist CIO-Aufgabe, nach geeigneten kleinen Spezialisten zu gucken, die die Skills haben, die das eigene Unternehmen braucht.

7. Crowdsourcing einführen

Per Social Media lassen sich die Ideen, Rückmeldungen und Vorschläge von Marktteilnehmern jeder Art nutzen, ob Kunde, Blogger oder Geschäftspartner. CIOs sollten konkrete Vorschläge für fünf Gebiete vorbereiten, in denen ihr Unternehmen von Crowdsourcing profitieren kann.

8. Über die Unternehmensgrenzen hinweg arbeiten

Data Science, User-centric Design oder interkulturelles Marketing - in solchen Fällen können viele etablierte Unternehmen Nachhilfe gebrauchen, beobachtet Gartner. CIOs sollten diese von außen hereinholen. Gibt es Führungsseitig Bedenken, argumentiert man damit, diese Skills mittelfristig selbst aufbauen zu wollen. Der CIO sollte auch andere Entscheider fragen, ob sie für ihren Bereich ähnlichen Bedarf sehen. Er muss die Verantwortung etwa in Sachen Datenschutz übernehmen.

9. Vom "Wie" zum "Warum" bewegen

Beim Aufbau der IT kann es nicht mehr darum gehen, wie Hardware, Software und Manpower genutzt werden, sondern warum. Das bezieht sich nicht nur darauf, warum etwas für welches Unternehmensziel wichtig ist, sondern auch auf das Verhalten der IT-Mitarbeiter, sagt Gartner. Warum treffen sich diese mit Kollegen, mit Mitarbeitern anderer Fachbereiche - solche Punkte muss der CIO beobachten.

10. Digitale Leitsprüche vorgeben

Einer der Meister beim Vorgeben von Leitsprüchen war vermutlich Steve Jobs mit seinem "Think different". Gartner rät zu Aussagen wie "find the quick do" oder "User needs, not government needs". CIOs sollten drei bis fünf solcher Leitsprüche ausgeben und sie an Whiteboards schreiben, auf Kaffeetassen drucken oder zum Bildschirmhintergrund machen.

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Kommentare zum Artikel

Yusuf Sar

An dem Artikel erkennt man ganz klar, dass Gartner das Thema Digitalisierung nicht nur nicht verstanden hat sondern mit den Ratschlägen richtig Schaden anrichten kann. Die oberflächliche Betrachtung der persönlichen Positionierung als CIO ist aus dem Zeitalter vor der Digitalisierung und der Grund, warum viele Unternehmen nicht den Sprung ins nächste Jahrhundert überleben. Nur die ernsthafte Beschäftigung mit den Geschäftsmodellen und der Focus-Change zum Kunden hin bringt eine Veränderung. Die Shareholderperspektive hilft leider genau den den Shareholdern nichts, weil das Unternehmen mit dieser Sicht nicht überleben kann. Nur durch neue Ausrichtungen wird es auch Aktiengesellschaften gelingen Profitabel zu werden oder zu bleiben. Der gesamte Artikel beschäftigt sich mit internen Positionierungen und verfehlt somit das gesamte Thema. Zu schulzeiten würde man sagen Themaverfehlung "nicht genügend" durchgefallen!

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