Karriere ohne Stress

12 Tipps, wie Sie Arbeit simulieren

21. Oktober 2015
Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Seit 2014 betreibt er die Informationsplattform www.wohinmitmutter.de.

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
Viel arbeiten? Muss nicht sein. So tun als ob genügt völlig, so das Ergebnis einer Studie der Boston University. Wir sagen, wie es geht.

Diese Frage haben Sie sich bestimmt auch schon gestellt: Wie schafft es der Kollege - nennen wir ihn mal Müller - nur, jeden Tag gefühlte 14 Stunden busy zu sein, immer Vollgas, immer Projekte, kein Gequatsche in der Teeküche, sondern im Laufschritt übern Flur zum nächsten Meeting.

Die Energie hätten Sie auch gern? Weil sie dann beim Chef endlich auch so einen Stein im Brett haben wie Müller? Kein Problem. Vor allem weil sie dazu gar nicht so viel Energie brauchen. Beziehungsweise andere, als Sie vielleicht glauben.

Denn Müller ist - unter uns gesagt - gar kein High Performer, sondern lediglich ein guter Schauspieler. Und das genügt völlig, um Erfolg zu haben, harte Arbeit dagegen ist tendenziell entbehrlich.

Immer Zeit für ein Schwätzchen? Das ist gar nicht gut fürs Image, weil es den Eindruck vermittelt, Sie hätten nicht genug zu tun.
Immer Zeit für ein Schwätzchen? Das ist gar nicht gut fürs Image, weil es den Eindruck vermittelt, Sie hätten nicht genug zu tun.
Foto: Yuriy Rudyy - shutterstock.com

Das ist die verblüffende Erkenntnis einer Untersuchung von Erin Reid, Juniorprofessorin an der Questrom School of Business der Universität von Boston. Für ihre Studie befragte sie 115 Mitarbeiter einer (ungenannten) globalen Unternehmensberatung, die für hohe Arbeitsbelastung und viele Überstunden bekannt war. Viele der Berater arbeiteten bis zu 80 Stunden.

Wer beliebt sein will, muss nur gut schauspielern

Beziehungsweise sie taten so, weil es der Unternehmenskultur entsprach. Denn längst nicht jeder, so das erste zentrale Ergebnis der Untersuchung, der ständig busy tut, ist es auch. 31 Prozent der von Reid Befragten männlichen Berater gaben sich beschäftigt, ohne es zu sein. Bei den Beraterinnen waren dies lediglich 11 Prozent.

Zweite Erkenntnis: Wer geschickt so tut als ob, ist beim Chef genauso beliebt wie der tatsächlich hart Arbeitende.

Probleme mit Vorgesetzten hatten nach eigener Einschätzung dagegen diejenigen, die sich lautstark gegen zu viele Stunden und sonstige Vollvereinnahmung wehrten.

Dritte Erkenntnis aus der Untersuchung: Männer wie Frauen und auch sonst so ziemlich alle (zumindest in Beratungsfirmen) tun sich schwer damit, die Work-Life-Balance hinzukriegen. Weil das jahrelange Gequatsche von Geld-ist-nicht-alles und Arbeit-ist-nicht-alles zu den allermeisten Chefs noch gar nicht durchgedrungen ist. Stattdessen regieren Druck und Präsenzfetischismus.

Glaubt man einer aktuellen US-Untersuchung, dann sind Frauen im Büro die schlechteren Schauspielerinnen.
Glaubt man einer aktuellen US-Untersuchung, dann sind Frauen im Büro die schlechteren Schauspielerinnen.
Foto: Stock-Asso - shutterstock.com

Faulheit ist erlernbar: 12 Tipps

In Ihrer Firma auch? Höchste Zeit, zu lernen, wie sie StressStress vortäuschen und Arbeit vermeiden können. Alles zu Stress auf CIO.de

  • Ihre Projekt sind grundsätzlich riesig, schwierig und die Kunden anstrengend. Das sollten alle wissen. Deshalb schadet es nicht, nach einem Telefonat in der Sache auf den Kunden zu schimpfen, die Augen zu rollen oder vernehmbar zu stöhnen.

  • Beim Montagsmeeting kann die Liste des von Ihnen Abgearbeiteten nicht lang genug sein. Zählen Sie absolut alles auf, auch Sachen, die nur zehn Minuten gedauert haben.

  • Bewegen Sie sich viel im Gebäude und wirken Sie dabei stets gehetzt. Wer schlendert, hat zu viel Zeit. Außerdem sollten sie immer irgendwelche Unterlagen dabei haben, selbst wenn sie zur Toilette gehen. Benutzen sie das Örtchen in einer anderen Etage, dann fällt es nicht auf.

  • Schreiben Sie beim Telefonieren grundsätzlich mit, selbst wenn zufällig ihre Mutter dran ist. Wirkt wichtig und organisiert.

Delegieren Sie Unangenehmes weiter

  • Bringen Sie sich ein bis zweimal pro Woche belegte Brote mit und essen Sie diese am Schreibtisch. Wenn Kollegen Sie dann um halb eins Fragen, ob sie mitkommen in die Kantine, sagen sie "morgen wieder", oder "geht heute leider nicht".

  • Wenn sie ein Büro für sich alleine haben, sollten Sie regelmäßig demonstrativ die Türe schließen. Das wirkt konzentriert. Öffnet ein Kollege die Tür, lassen Sie circa fünf Sekunden verstreichen, bevor sie vom Bildschirm wegdrehen und ihn anschauen.

  • Müssen Sie regelmäßig zu Kunden? Suchen Sie sich welche in der Nähe, dann bleibt genug Luft, um unbemerkt zwischendurch mal eine Stunde extra mit der Familie zu verbringen.

  • Arbeiten Sie im Home-Office? Dann sollten Sie frühmorgens und spätnachmittags viel telefonieren und erreichbar sein. Was sie dazwischen tun, fällt oft nicht auf. Einem der in oben erwähnter Studie Befragten war es auf diese Weise gelungen, unbemerkt eine Woche lang mit seiner Familie Ski zu fahren.

Wer präsentiert, hat wenig Arbeit und viel Lob

  • Sie wollen wenig Arbeit und viel Anerkennung: Dann bieten Sie ihrer Arbeitsgruppe als erstes an, die Präsentation zu halten.
    Sie wollen wenig Arbeit und viel Anerkennung: Dann bieten Sie ihrer Arbeitsgruppe als erstes an, die Präsentation zu halten.
    Foto: g-stockstudio - shutterstock.com

    Delegieren Sie systematisch. Die meisten Menschen sind für eine Arbeit zu begeistern, wenn man Ihnen sagt, nur Sie seien in der Lage, diese erfolgreich zu erledigen. Versucht Ihr Chef den billigen Trick bei Ihnen, gehen Sie ihm widerspruchslos auf den Leim - und delegieren die Aufgabe anschließend weiter.

  • Betonen Sie ihre Teamfähigkeit. Zum Beispiel indem sie in der neuen Arbeitsgruppe als erstes verkünden, Sie wären gerne bereit, hinterher die Präsentation vor der Abteilung zu halten. So vermeiden sie inhaltliche, womöglich zeitraubende Arbeit - schließlich haben sie ja schon eine Aufgabe. Trotzdem streichen Sie auf diese Art das meiste Lob ein.

  • Sitzen Sie Unangenehmes aus. Wer immer busy busy ist, muss priorisieren. Da kann die langweilige Auswertung, die der Chef unbedingt haben will, schon mal nach hinten rutschen auf der Liste.

  • Verlieren Sie nie große Worte darüber, warum sie schon um 17 Uhr gehen. Sondern brechen Sie ruckartig auf, irgendwelche Unterlagen in der Hand, so, als hätten Sie fast einen Termin verschwitzt. Mit drei, vier schnellen Schritten sind Sie an der Bürotür, sagen "ich muss", oder "bis morgen", und das wars.

Führungskräfte mögen Schauspieler

So einfach lässt sich ihr Chef nicht täuschen, glauben Sie? Sich drücken und trotzdem gelobt werden wollen, dass merkt der doch sofort?

Stimmt. Macht aber nichts. Denn Führungskräfte mögen Schauspieler. Als Erin Reid, die Juniorprofessorin aus Boston, die Ergebnisse ihrer Untersuchung den Chefs der von ihr befragten Berater präsentierte, war deren Reaktion höchst bemerkenswert. Anstatt vielleicht die Erwartung einer ständigen Verfügbarkeit der Mitarbeiter zu senken und sie damit weniger zum Schauspielern zu verführen, sagten die Oberberater, Angestellte, die chronische Überlastung vortäuschten, seien ihnen lieber als solche, die sich über zu viel Stress beklagten.

Mehr noch: Die Chefs der Beratungsfirma fragten Erin Reid allen Ernstes, wie sich Frauen beibringen ließe, genauso häufig zu simulieren wie Männer.

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