Experten bremsen Euphorie

3D-Druck kommt langsam aus der Nische

13. Januar 2014
Das Thema 3D-Druck sorgte im vergangenen Jahr für Schlagzeilen. Doch die Technologie rumpelt noch und ist außerdem recht teurer. Experten schwanken zwischen euphorischen Vorhersagen und Skepsis.

Noch vor wenigen Jahren war 3D-Druck3D-Druck ein Werkzeug weniger Enthusiasten. Unternehmen fertigten damit Modelle ihrer Produkte an, den Normalnutzern dagegen waren 3D-Drucker praktisch unbekannt. Inzwischen sehen immer mehr Experten die Technologie auf dem Weg in den Alltag. So malt sich unter anderem Ebay-Manager Steve Yankovich aus, wie Verbraucher künftig Artikel als Datensatz zum Selberdrucken geliefert bekommen könnten. "3D-Druck wird in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen", ist er überzeugt. Wie lange es bis zum Durchbruch im Massenmarkt dauern werde, sei allerdings offen. Alles zu 3D-Druck auf CIO.de

Ins Geschäft kommt jetzt schon Bewegung. Ein Vorreiter ist Drucker-Hersteller Makerbot, der auf relativ günstige Modelle für Verbraucher setzt. Konkurrent Stratasys kaufte die Firma im vergangenen Jahr für mehrere hundert Millionen Dollar. Es gibt überall auf der Welt immer mehr Läden, die Artikel auf Bestellung drucken. Das Start-up Zeus will eine Art 3D-Faxgerät auf den Markt bringen. Und 2013 wurde auch die erste Pistole aus ausgedruckten Teilen zusammen gebaut (sie war allerdings nach wenigen Schuss nicht mehr zu gebrauchen). Auf Messen und bei Hacker-Treffen ziehen die kastengroßen Maschinen neugierige Blicke auf sich.

Den Marktforschern von Gartner zufolge wurden im vergangenen Jahr etwa 56 500 der 3D-Drucker verkauft. Drei Viertel davon gingen an Verbraucher, obwohl die Geräte meist immer noch mehr als 1000 Euro kosten. Dazu kommt das Plastik, aus dem in hauchdünnen Schichten die fertigen Artikel entstehen. Ein Kilo davon kostet mehrere dutzend Euro. Der Hobbywelle zum Trotz werde im Geschäft mit Unternehmen deutlich mehr Geld gemacht, weil Profi-Modelle viel teurer seien.

Gartner rechnet mit einem rasanten Wachstum des Marktes. Für dieses Jahr erwarten die Marktforscher bereits über 98 000 verkaufte 3D-Drucker und bis 2016 mehr als 430 000 Geräte. Sie gehen davon aus, dass die Preise für Technik und den Plastik-Rohstoff deutlich sinken werden.

Einer, der vor allzuviel Euphorie warnt, ist ausgerechnet Carl Bass. Er ist Chef der Firma Autodesk, einem führenden Hersteller von Software für 3D-Entwürfe. "3D-Druck ist heute immer noch keine ausgereifte Technologie - wie etwa der Personal Computer in seiner Anfangszeit", betont er.

Zudem gebe es eine mathematische Grundregel, die das Verfahren immer bremsen werde: "Wenn man einen Artikel doppelt so groß machen will, braucht man acht Mal so viel Material und es dauert auch länger." Auch wenn das Material mit der Zeit günstiger werde oder das Tempo erhöht wird, weil beispielsweise mehrere Druckerköpfe gleichzeitig eingesetzt werden: Den Möglichkeiten des 3D-Drucks seien grundsätzliche Grenzen gesetzt.

Dennoch setzt Autodesk neben dem Kerngeschäft für professionelle Anwender verstärkt auf einfache und kostenlose Programme für Verbraucher. Darunter ist eine App, die 3D-Modelle mit Hilfe einer Kamera erstellen kann. "In der Zukunft wird es so einfach wie nie zuvor sein, Gegenstände zu kopieren", betont Bass. Damit werde auch unweigerlich das Urheberrecht überdacht werden müssen. "Ich habe keine Lösung dafür - ich weiß nur, dass man sich diesen Fragen nicht entziehen werden wird", sagt Bass. (dpa/rs)

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