Strategien


Gartner IoT-Prognosen

5 Trends bei Internet of Things bis 2020

01. Februar 2016
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Das Internet of Things verlangt vom IT-Entscheider nicht nur mehr Zusammenarbeit mit dem Business, sondern auch mit Ingenieuren, Betriebsleitern und IT-Architekten.
Im Jahr 2020 wird Gartner zufolge mehr als die Hälfte großer Geschäftsprozesse in irgendeiner Weise mit dem IoT vernetzt sein.
Im Jahr 2020 wird Gartner zufolge mehr als die Hälfte großer Geschäftsprozesse in irgendeiner Weise mit dem IoT vernetzt sein.
Foto: didiona - shutterstock.com

Der US-Marktforscher Gartner will das Internet of Things (IoT) nicht als Selbstzweck verstanden wissen, sondern als Mittel zum Geschäftszweck. In der Studie "Predicts 2016: Unexpected implications arising from the internet of things" erklären die Marktforscher, wie das IoT die Arbeit von CIOs und anderen Entscheidern prägen wird.

Zunächst nennt Gartner ein paar Zahlen: Im Jahr 2020 wird mehr als die Hälfte großer Geschäftsprozesse in irgendeiner Weise mit dem IoT vernetzt sein. Die Analysten rechnen mit 25 Milliarden vernetzter Dinge - Maschinen, Geräte, Fahrzeuge. In diese Zahl sind Smartphones, Tablets und Computer nicht mit eingerechnet.

CIOs sollten sich laut dieser Studie auf Probleme einstellen. Konkret: Drei von vier IoT-Projekten werden im Jahr 2018 doppelt so lange brauchen wie geplant, sagt Gartner.

Fünf Punkte betrachten die Marktforscher genauer. Im Einzelnen:

1. Veränderung des Alltagslebens durch das IoT und Auswirkungen auf Unternehmen

Sensoren werden ständig Daten über das Alltagsleben liefern und beispielsweise helfen, in Gebäuden Energie zu sparen oder die medizinische Versorgung zu verbessern. Beispiel Versicherungen: KfZ-Versicherer werden künftig Informationen zu Straßenverhältnissen, Wetter, Verkehrslage und Fahrverhalten bereit haben.

CIOs müssen eng mit Ingenieuren und Betriebsleitern zusammenarbeiten, weil digitale und haptische Welt zusammenwachsen. IT-Architekten legen ihren Fokus auf die dafür nötigen Tools, also IoT-Plattformen, Event-Stream-Processing-Plattformen und Time-Series-Database-Managementsysteme.

2. Tücken der noch unreifen Technologie

Der Begriff Internet der Dinge ist eingeführt und weckt Begehrlichkeiten, vom Wirtschaftsunternehmen, das mehr Gewinn realisieren will, bis zur Behörde, die Zeit und Geld sparen will. IT-Entscheider werden unter Druck geraten, so Gartner.

Sie haben mit drei Problemen zu kämpfen:

  • Zum Ersten stecken die bisher verfügbaren Technologien noch in den Kinderschuhen. Von übergreifenden Standards und Systemen kann noch keine Rede sein.

  • Zum Zweiten sind die nötigen Skills Mangelware - nicht nur in den IT-Teams der Anwender, sondern auch auf Vendorenseite.

  • Zum Dritten sind die Ziele von IoT-Projekten oft unklar, beobachtet Gartner. Glaubt man den Analysten, sehen sich viele Business-Entscheider schlicht unter Druck, auf Aktivitäten der Konkurrenz zu reagieren.

Die Analysten empfehlen, mit kleineren, wenig riskanten Projekten zu starten und dadurch Expertise aufzubauen. Das Budget dafür sollte unbedingt auch die Punkte Security und Change berücksichtigen. Change heißt in diesem Falle: Die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns oder zumindest von Verzögerungen beim Projekt ist hoch. CIOs und andere Chefs müssen sich vor ihre Leute stellen. Deren Karriere darf nicht unter einem möglichen Scheitern leiden, sonst verlassen sie das Unternehmen.

3. Datenschutz und Datensicherheit

Gartner erwartet bis 2020 einen Schwarzmarkt von fünf Milliarden Euro für gefälschte Sensoren sowie Videodaten, die Kriminelle nutzen. Eben weil das IoT den gesamten Alltag durchzieht, sind Informationen verfügbar über Aspekte wie Geolocation, Temperatur, Luftdruck, Lichtverhältnisse, Anwesenheit oder Abwesenheit von Menschen, Identität der Anwesenden, Veränderungen in der Umgebung und weiteres.

Das alles gibt Datenintegrität und Datenschutz noch einmal wachsende Bedeutung. Für CIOs heißt das, dass sie ihr Unternehmen zum Beispiel darin beraten müssen, welche Daten relevant sind. IT-Security muss oberste Priorität genießen. IT-Chefs sollten sich genau ansehen, wie die Verkäufer entsprechender Lösungen Sicherheit und Datenschutz definieren, welche technologischen und kulturellen Sicherheitsgrade sie liefern. Die Endkunden des Unternehmens müssen vertrauen können, und das geht nur mit Transparenz.

4. Steigende Kosten für Cybersecurity

Die Sicherheitskosten im Zusammenhang mit IoT-Elementen steigen von weniger als einem Prozent des gesamten Security-Budgets im Jahr 2015 auf 20 Prozent im Jahr 2020.

Anbieter entwickeln bereits Roadmaps und Architekturen für das Internet of Things. Darunter befinden sich hochspezialisierte Start-Ups ebenso wie bekannte Größen. Die Auswahl des richtigen Vendoren ist derzeit noch nicht einfach. CIOs sollten jedenfalls auf dessen Branchenkompetenz achten, so Gartner.

5. Die Rolle des CIO im IT-/OT-Alignment

Für das Jahr 2020 trauen die Analysten vier von fünf CIOs in Maschinen- und Anlagebau zu, die Integration der Welten zu stemmen. Gartner unterscheidet hier zwischen Operational Technologie (OT) wie Maschinen, Motoren oder Förderbändern auf der einen Seite und Informationstechnologie auf der anderen Seite. Internet der Dinge heißt, diese Welten zusammenzubringen, obwohl die Mentalitäten beider Seiten unterschiedlich sind.

Hier ist seitens des IT-Entscheiders Kommunikationsfähigkeit gefragt, so die Marktforscher. Nach IT/Business Alignment müssen CIOs nun IT/OT-Alignment angehen. Wichtig ist dabei, dass gemeinsame Projekte als Vorhaben von unternehmensweiter Relevanz gelten, nicht als IT-Projekte. So sollten sie auch von Anfang an kommuniziert werden. Gartner rät, Mitarbeiter aus IT und OT untereinander "auszutauschen", um die Arbeit wirklich gemeinsam anzugehen.

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