Analyse von Boston Consulting

7 Geschäftsmodelle für Big Data

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
General Motors und die National Bank of Australia machen vor, wie sich aus Datenmeer Geld machen lässt. Boston Consulting nennt das dahinter stehende Prinzip "Big Data as a Business" und erkennt sieben Grundmodelle.
Die Grafik, nach welchen Kriterien sich die sieben Grundmodelle laut BCG unterscheiden.
Die Grafik, nach welchen Kriterien sich die sieben Grundmodelle laut BCG unterscheiden.
Foto: Boston Consulting Group

Jeder CIO wird in den vergangenen Jahren viel über Big DataBig Data nachgedacht, diskutiert und gelesen haben. Das Problem bei letzterem ist bekanntlich, dass häufig wenig davon dauerhaft hängenbleibt. Deshalb vorab ein Merk-Anker zu James Platt, Robert Souza, Enrique Checa und Ravi Chabaldas: Die vier Berater der Boston Consulting Group (BCG) kreisen in ihrem aktuellen Beitrag ihre hauseigene Website BCGPerspectives.com um "Big Data as a Business". Eine neue "as a"-Begrifflichkeit also, wie sie in der IT seit SaaSSaaS geläufig sind. Wer's abkürzen will: BaaB, auch wenn das Autorenquartett das Kürzel selbst nicht verwenden. Alles zu Big Data auf CIO.de Alles zu SaaS auf CIO.de

"BaaB" - wie SaaS

Die Abgrenzung von Big Data auf der einen und BaaB auf der anderen Seite ergibt deshalb Sinn, weil es in der BCG-Analyse nicht im Kern um die technologischen Merkmale und Lösungen von Big Data geht, sondern um die - auch für viele CIOs - viel spannenderen Folgefragen. Vor allem jene, wie sich aus der anwachsenden Datenflut Geld fürs eigene Unternehmen machen lässt.

Die Berater liefern dafür diverse Praxisbeispiele, die ob ihrer gefühlten Seltenheit immer noch besonders interessiert aufgenommen werden. Und sie destillieren auf der abstrakten Ebene aus ihren Erfahrungen ein Schema aus sieben idealtypischen Profit-Mustern - Geschäftsmodelle für BaaB, wenn man so will.

"In einer Vielzahl von informationsintensiven Branchen generieren Firmen schon neue Umsatzströme, Business Units und für sich stehende Geschäfte aus den ihnen eigenen Daten", so BCG. "Langfristig sehen wir ein großes Potenzial, dass derartige Datengeschäfte auch in die traditionellsten Branchen sickern."

Prädestinierte Branchen

Nach Beobachtung der vier Consultants spielen sich momentan 80 Prozent der BaaB-Initiativen im Feld der Finanz- und Telekommunikationsdienstleister ab. Über umfangreiches Datenmaterial und damit Potenzial verfügten außerdem die IT-intensiven Branchen VersicherungenVersicherungen und HandelHandel. Künftig seien BaaB-Anstrengungen auch anderswo zu erwarten, etwa von Energie-, Fertigungs-, Gesundheits- und Verbrauchsgüterfirmen Top-Firmen der Branche Handel Top-Firmen der Branche Versicherungen

Beispiel National Bank of Australia

Ein Beispiel für die Geschäftsmodelle, die die Berater im Fokus haben, liefert die National Bank of Australia. Diese gibt laut BCG informative Details aus einer Millionenfülle an elektronischen Transaktionen an ein schon 2008 gegründetes Joint Venture mit dem Datenanalysten Quantium weiter. Über diesen Weg wegen aus der Datenflut gewonnene Informationen an Dritte weiterverkauft. Die Daten werden selbstredend so aufbereitet, dass einzelne Kunden anonym bleiben - wie in allen hier genannten Fällen.

Beispiel Tesco

Ähnlich verfährt nach Angaben der Berater der Lebensmittelhändler Tesco, der gemeinsam mit dem Big Data-Spezialisten Dunnhumby Millionen an Kundentransaktionsdaten auswertet. Die über das Kaufverhalten gewonnenen Erkenntnisse werden an große Hersteller wie Unilever, Nestlé und Heinz verkauft. Die Produzenten lernen daraus beispielsweise, wo genau am meisten Wein oder Schokolade verkauft wird.

Alleine umsetzen oder mit Dienstleister?

Die genannten Beispiele illustrieren bereits eine Grundsatzfrage, die auf diesem Terrain agierende Firmen für sich beantworten müssen. Unternehmen könnten entweder Partnerschaften formieren und vertragliche Beziehungen entwickeln, so BCG. Oder sie beackern das Big Data-Gelände alleine.

"Die Mehrzahl der von uns befragten Unternehmen bevorzugen es, die Kontrolle über die Entwicklung neuer Produkte und Services zu behalten", schreiben die Autoren. "Oft beauftragen sie Dritte damit, die Entwicklung zu beschleunigen, aber umfassende Partnerschaften oder Allianzen sind immer noch ein relativ wenig verbreitetes Arrangement."

Für die Eigenregie sprächen die mögliche Skalenvorteile, die komplette Kontrolle der Strategie und das größere Ertragspotenzial. Partnerschaften erlaubten demgegenüber die Teilung der Risiken und die Nutzung fremder Skills, Werte und Daten zur Schaffung neuer Marktchancen und für schnelleren Marktzugang.

Unabhängig vom letztlich gewählten Ansatz sollten sich die Anwender laut BCG vergegenwärtigen, dass sich in einem komplett neuen digitalen Umfeld bewegten. Grundsätzlich gebe es zwei unterschiedliche Ausgangspositionen für den Schritt ins Abenteuerland BaaB: die einen verfügen über eine ausreichende Masse an Daten, die sie kapitalisieren können; die anderen haben zwar auch werthaltiges Datenmaterial - aber nicht genügend, um alleine reüssieren zu können.