Zukunftsforscher Horx

7 Übungen für Optimismus ohne Illusionen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die einen schwören auf Nostradamus, die anderen auf den Maya-Kalender. Matthias Horx hingegen will die Deutschen zu illusionslosem Optimismus anleiten. Die Tipps des Zukunftsforschers helfen auch Pessimisten in der IT.

Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx vergleicht die Schlagzeilen von Bild bis Spiegel mit Statistiken. Seine These: Im Kopf ist der Homo sapiens auch heute noch der Höhlenmensch, der nur auf - seinerzeit berechtigte - Warnmechanismen anspringt. Die Angst vorm Säbelzahntiger prägt die Wahrnehmung der Menschen bis heute. Positive Nachrichten haben kaum eine Chance, es in die MedienMedien zu schaffen. Leser reagieren auf sie eher irritiert, zumindest jedoch gelangweilt. Horx spricht von einem Alarmismus, einer kollektiven Übersteigerung von Ängsten, die sich zu Hysterien auswachsen können. In dieser Stimmung will der "apokalyptische Spießer" - ein angepasster, veränderungsunwilliger Charakter, der persönliche Verantwortung ablehnt - nur noch seine Ruhe. Soll doch der Rest der Welt vor die Hunde gehen, die Menschen sind eh schlecht. Top-Firmen der Branche Medien

Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx.
Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx.
Foto: Klaus Vyhnalek

Ginge es nach Horx, sollten sich Menschen und Medien weniger mit Fantasien beschäftigen und mehr mit Fakten. Tut man das, fänden sich jede Menge Belege für eine positive Zukunft - weltweit. Beispiel Armut: Die Reichsten würden immer reicher und die Armen immer ärmer, so eine Wehklage. 2008 gab es 3,8 Milliarden Arme und 800 Millionen Hungernde. 2035, so die Prognose von Horx, wird es 2,9 Milliarden Arme und 400 Millionen Hungernde geben - viele der heute Armen steigen in eine neue, globale Mittelschicht auf. Beispiel Umwelt: Waldsterben lautete eines der großen Schlagworte der 1980er-Jahre. Wie Zahlen der United Nations Economic Commission for Europe (Unece) aus dem vorigen Jahr zeigen, steigt aber der Bewaldungsgrad in Europa. Die Welt wird nicht schlechter, sondern besser, so Horx. Da fragen sich dann nur noch Skeptiker-Snobs, ob die Darstellung des alerten Aktivisten denn auch an die (Baum-)Wurzeln gehe und etwa die anhaltende Übersäuerung des Bodens berücksichtigt.

Basic Belief: Die Welt ist schlecht

Der Forscher will zu einem Zukunftsoptimismus anleiten. Dafür helfe es manchmal schon, Zahlen gegen den Strich zu bürsten. Beispiel Bildung: Laut einer Studie des Allensbach Instituts und der Vodafone Stiftung gehen 29 Prozent der Arbeiterkinder aufs Gymnasium. Unter den Akademikerkindern sind es 70 Prozent. "Das heißt: 29 Prozent der Arbeiterkinder steigen auf, 30 Prozent der Akademikerkinder steigen ab", kommentiert Horx. Manchmal reicht es auch schon, die Zeitungen ganz genau zu lesen. "Mittlerweile ist jedes sechste Kind in Deutschland zu dick! Mitte der 90er-Jahre war es nur jedes dritte!", plärrte im Herbst 2007 die Bild.

Dem Forscher ist klar, welche Mauern er mit seiner Sichtweise einrennt. Auf einem Vortrag im IDG-Verlag sagte er seinem Publikum ganz offen: "Sie werden sich nichts von dem merken können, was ich ihnen hier erzähle. Ihr Kopf weiß einfach nicht, was er mit positiven Nachrichten anfangen soll." Zumal die Mentalität der Deutschen bis heute von christlichen Stereotypen geprägt ist. Diese propagieren das Bild einer einst paradiesisch friedvollen Natur, in der Lämmchen neben Löwe lag - bis das Böse kam, und zwar in Gestalt einer apfelkauenden Menschenfrau. Horx bezeichnet es denn auch als "das größte mental-politische Projekt der Zukunft", die Welt "zu ent-katastrophieren". Dabei redet er keinem irrationalen Tschakka-Jubel das Wort, sondern einem "illusionslosen Optimismus". Dieser beinhalte gut ein Viertel Pessimismus, grinst Horx. Aber eben keinen Wehklage-Pessimismus, sondern einen gesunden Skeptizismus. Den brauche man für eine realistische Sicht der Dinge.

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