Von Tchibo, Starbucks und Swarovski

8 Ratschläge für Innovationen

18. Januar 2010
Von Johann  Füller
Viele Menschen lieben es, Probleme zu lösen, Ideen zu schaffen und sich dabei mit anderen zu messen. Das Internet hat diese Möglichkeit erheblich vereinfacht. Wie Tchibo, Starbucks und Swarovski die Kreativität ihrer Kunden entfachen.
Johann Füller ist Vorstand der Hyve AG, Habilitand am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck und Gastwissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA.
Johann Füller ist Vorstand der Hyve AG, Habilitand am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck und Gastwissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA.

Ideen- und Designwettbewerbe schießen im Internet wie Pilze aus dem Boden. Immer mehr Unternehmen, Hilfsorganisationen und Regierungen versuchen, von der Kreativität der Internetnutzer zu profitieren. Sie wollen Impulse erhalten für neue Dienstleistungen und Produkte, bessere Geschäftsmodelle, einzigartige Erlebnisse, einen effizienten Staat oder Wege aus der Wirtschaftskrise.

Täglich gehen neue Wettbewerbe online, die kreative Eliten und enthusiastische Konsumenten zur Teilnahme einladen. So sucht die Kaffeekette Starbucks nach Ideen für einen besseren Kaffeegenuss. Intel hält Ausschau nach Anregungen für den nächsten Computerchip. Auf Chance.org kann der engagierte Bürger dazu beitragen, die Welt gerechter werden zu lassen. Selbst SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat sich gerade das Logo für den Bundestagswahlkampf 2009 gestalten lassen. Auf Crowdspring, einer Plattform für Ideenwettbewerbe, laufen derzeit über 130 Ausschreibungen parallel, insgesamt waren es seit dem Start der Internetseite im April 2008 mehr als 4650; über 30.000 Kreative haben sich der Gemeinschaft angeschlossen.

Seit Kurzem nutzen auch Werbeagenturen Ideenwettbewerbe, um die Bekanntheit einer Marke zu steigern oder die Beziehung zu Kunden zu festigen. So hat die Redaktion der "Bild"-Zeitung ihre Leser aufgefordert, Anzeigen und Werbespots für das Boulevardblatt zu entwerfen. Bei solchen Aktionen geht es häufig mehr um Zugriffe auf die Internetseite und eine virale Verbreitung des Produkts als um die kreative Leistung der Teilnehmer. Solche Kampagnen erinnern an Preisausschreibungen und nicht an ernst gemeinte Ideen- und Designwettbewerbe.

Drohen also diese Wettbewerbe aufgrund ihrer inflationären Vermehrung und ihres Missbrauchs für Werbezwecke einen frühen Tod zu sterben, bevor sie ihr kreatives Potenzial unter Beweis stellen konnten? Der Verdacht scheint nahezuliegen, denn bei vielen Ausschreibungen bleibt die Teilnehmerquote unter den Erwartungen, und die Kreativität der Beiträge ist eher mäßig.

Foto: Harvard Businessmanager

Gefunden im Harvard Business Manager