Von Tapes bis Decoupled Storage

Aktuelle Trends bei Speichertechnologien

27. April 2015
Ulf Schade ist Solution Manager im Bereich Dynamic Datacenter und Data Management bei Computacenter. In dieser Position verantwortet er die technologische Ausrichtung, Architektur, Lösungs- sowie Beratungsentwicklung des Unternehmens in diesem Bereich und agiert als Technologieexperte.
Es kommt beim Storage zu einer massiven Verschiebung der Investitionen. Was bisher an die Speicherhersteller ging, wandert nun zunehmend in operative Ausgaben bei den Serviceprovidern. Was erwartet Unternehmen bereits 2015?

Trotz aller Innovationen: Die eine oder andere Storage-Technologie hält sich unerwartet hartnäckig. So wurden etwa Tapes schon seit Jahrzehnten totgesagt, erleben aber gerade wieder eine Renaissance. Andererseits prognostizieren Marktanalysten wie IDC und Gartner, dass bis 2018 bis zu 70 Prozent aller kleinen und mittelständischen Unternehmen IT-Services nur noch als Software as a Service nutzen. Dann müssen sie überhaupt keine Speicherkapazitäten mehr anschaffen und betreiben.

Fest steht: Für die zentrale Infrastruktur im RechenzentrumRechenzentrum großer Unternehmen sind solche Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen. Schließlich planen die Verantwortlichen hier im Zeitraum von mehreren Jahren. Bringen neue Storage-Technologien jedoch umgehend einen hohen Mehrwert oder lösen aktuelle Herausforderungen, setzen sie sich vergleichsweise schnell durch. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Sollten die Prognosen der Markanalysten zutreffen, verliert die klassische Storage-Industrie in den nächsten drei bis vier Jahren ein Marktpotenzial von rund 15 Milliarden US-Dollar. Denn die großen Serviceanbieter werden die notwendigen Speichermedien und Systeme nicht mehr bei den klassischen Speicherherstellern kaufen, sondern nach dem Vorbild von AmazonAmazon und Co. von Auftragsfertigern produzieren lassen. Alles zu Amazon auf CIO.de

Cloud oder Tape?

Große Unternehmen werden dagegen ihre Daten wohl auch in Zukunft selbst verwalten. Dies liegt zum einen an den Herausforderungen bei Performance und Latenzen bei Datenbewegungen in Cloud-Angeboten und zum anderen an den hohen Kosten im Petabyte-Bereich. Deutlich zeigt sich dabei vor allem eine Entwicklung: die Trennung von Performance und Kapazität. So verwenden Unternehmen hybride Systeme mit zwei unterschiedlichen Speicherebenen (Tiers): eine Ebene mit hoher Geschwindigkeit und eine mit großer Kapazität. Ein dritter Tier mit Speicherservices aus der Cloud lässt sich heute im Bereich Disaster Recovery bereits in der Praxis einsetzen. Doch vor allem im Online-Bereich sollten Kunden die Angebote hybrider Speicherinfrastrukturen kritisch prüfen und klären, ob sich die Daten immer sinnvoll zwischen all den Storage-Bereichen verschieben lassen.

Die altbekannten Tapes wiederum besitzen nach wie vor das beste Preis-/Leistungs-Verhältnis in Bezug auf die Kapazität. Der Nachteil liegt heute noch im Zugriff auf die Daten: Bei dem linearen Medium müssen Bänder langwierig vor- und zurückgespult werden. Mittelfristig wird das Medium aber gerade wegen der ökonomischen Aspekte als Ablageort für selten genutzte Daten - sogenannte "kalte Daten" - eine größere Rolle spielen. Auf der anderen Seite nehmen die Anforderungen von immer mehr Applikationen an den Datendurchsatz und die Vorhersagbarkeit von Latenz zu. Hier liefern die heute noch weit verbreiteten Festplattensysteme nicht die richtigen Antworten.

Flash sorgt für hohe Geschwindigkeit

Aufgrund ihrer hohen IOPS-Raten und kurzen Latenzzeiten bieten sich Flash-Technologien für den schnellen Datenzugriff bei Online-Speichern an. Sie eignen sich zum Beispiel optimal für eine zeitkritische Informationsverarbeitung in VDI-Umgebungen oder Datenbanken. Bislang werden viele Unternehmen von den vergleichsweise hohen Kosten abgeschreckt. Doch dieser Nachteil verschwindet zunehmend, da sich die Preise den SAS-Laufwerken annähern.

Es gibt jedoch sehr unterschiedliche Flash-Storage-Systeme: als SSD-Festplatte, RAM-Disk, Flash-Karte oder All Flash Array (AFA). Es hängt sehr stark von den gewünschten Funktionen sowie der vorhandenen Infrastruktur ab, welche dieser Technologien für ein Unternehmen optimal geeignet ist. Bestandteil vieler Enterprise-Storage-Systeme sind insbesondere Funktionen zur Datenreduktion wie Kompression und Deduplikation. Aber auch bei AFA-Appliances sind das Zusammenspiel mit traditionellen Speicherlösungen sowie die volle Bandbreite der Datendienste wie Replikation, Snapshots oder die Integration von Anwendungen wichtig.

Ein solches AFA-System ist zum Beispiel FlashRay von NetApp. Dieses wird mit dem neuen Betriebssystem MARS ausgeliefert. Es reduziert die Lese- und Schreibaktivitäten auf ein Minimum aufgrund des längenvariablen Block-Layouts bei der Verarbeitung im System. Dadurch steigert sich die effektive Kapazität und es wird ein höherer Durchsatz bei gleichbleibender Latenz im Millisekunden-Bereich möglich. Auf der anderen Seite wird die Version 1.0 des ab April verfügbaren Systems wohl noch auf einige Enterprise-Ready-Dataservices verzichten müssen.

Auch bei anderen Herstellern gibt es in der Produktkategorie der AFAs häufig das Konzept eines eigenen, speziell entwickelten Betriebssystems, um eine optimale Leistung der Systeme zu gewährleisten. Hybride Storage-Systeme mit Anteilen von SSD, Flash und Festplatte basieren häufig auf den etablierten Speicherinfrastrukturen. Sie ermöglichen einen individuell anpassbaren Kompromiss zwischen Performance und der Vollständigkeit von Datendiensten, die spezialisierte AFA-Systeme heute noch nicht immer vollständig vergleichbar bieten können.

Flash vereinfacht das Management

Von Flash erwarten viele Unternehmen, dass sich die Bereitstellung von Speicherkapazität vereinfacht. Die Flash-Technologie selbst ermöglicht dies jedoch nicht. Damit werden die eigentlichen Speicherprozesse sogar noch komplexer als in den traditionellen Disk-Arrays. Die Managementfunktionen sind jedoch vor allem in den spezialisierten Betriebssystemen weitgehend standardisiert und automatisiert. Die Bedienoberfläche bietet damit weniger Einstellungsmöglichkeiten und eine deutlich intuitivere Nutzung.

Unternehmen profitieren dadurch von wesentlichen Vorteilen: Das Management wird effizienter, manuelle Fehler lassen sich durch Automatisierung besser vermeiden und sie benötigen nicht mehr rund um die Uhr hochspezialisierte Storage-Fachkräfte. Im täglichen Betrieb entlasten sie die IT-Kollegen von Routineaufgaben und eröffnen ihnen Freiräume, um sich verstärkt um die Umsetzung von Businessprojekten zu kümmern.