Retail IT


Vom E-Commerce-Riesen zum Cloud-Primus

Amazon: Die heimliche Supermacht

Wolfgang Herrmann ist Chefredakteur der CW-Schwesterpublikation TecChannel. Er war zuvor stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Data Center, Virtualisierung, Open Source und Cloud Computing. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete unter anderem für den Vogel Verlag, den PC Magazin Verlag und die Suse Linux AG.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich Amazon.com zum wichtigsten Public-Cloud-Provider entwickelt. Mit immer neuen Diensten dringt der Anbieter in das Terrain klassischer ITK-Größen ein.
Das Amazon-Logo.
Das Amazon-Logo.

Einkaufen mit einem einzigen Mausklick. So kennen die meisten Web-Nutzer den weltgrößten Online-Einzelhändler AmazonAmazon.com. Das Angebot reicht von Büchern, Musik und Software über Elektronikgeräte aller Art bis hin zu Bekleidung und Lebensmitteln. Mit rund 56.000 Mitarbeitern setzte das einstige Startup-Unternehmen aus Seattle im vergangenen Jahr mehr als 48 Milliarden Dollar um. Alles zu Amazon auf CIO.de

Weit weniger bekannt ist die Rolle Amazons als IT-Dienstleister. Abseits der klassischen IT-Branche hat sich die erst 2006 gegründete Sparte Amazon Web Services (AWS) zum wichtigsten Anbieter von Public-Cloud-Diensten gemausert. "Amazon ist hier unangefochtener Marktführer und hat gegenüber den Konkurrenten einen Vorsprung von mehreren Jahren", urteilt Carlo Velten vom Marktforschungs- und Beratungshaus Experton Group. Kein anderer Player investiere in vergleichbarem Ausmaß in die Public Cloud. Zu den ersten Nutzern der Amazon-Cloud gehörten E-Commerce-Shops und Startups ohne eigene IT-Ressourcen. Heute stehen Unternehmen aller Größenklassen aus unterschiedlichsten Branchen auf der Kundenliste.

"Alles begann mit dem Storage-Dienst S3, den wir unseren Handelskunden anboten", berichtet Matt Wood, Technology Evangelist Amazon Web Services für die Region Emea. Seitdem hat AWS das Portfolio an Cloud-Services massiv ausgebaut. Neben klassischen Infrastrukturdiensten, vulgo ServerServer und Speicher zur Miete, gehören dazu etwa relationale und NoSQL-Datenbanken in der Cloud (RDS, DynamoDB), die Middleware Simple Queue Service (SQS) oder Elastic Beanstalk für das Deployment von Java- und PHP-Anwendungen. Alles zu Server auf CIO.de

Insgesamt 28 verschiedene Cloud-Services hat AWS mittlerweile im Angebot. Besonders jüngere Angebote wie der Simple Workflow Service (SWF) für die Entwicklung komplexer Geschäftsanwendungen in der Amazon-Cloud oder auch der im April vorgestellte AWS Marketplace lassen einen klaren Trend erkennen: AWS bewegt sich vom reinen IaaS-Anbieter (Infrastructure as a Service) zu einem PaaS-Provider (Platform as a Service), der längst nicht mehr nur Internet-Startups, sondern auch die IT-Abteilungen großer Unternehmen im Visier hat.

Wie groß ist die Amazon-Cloud?

Wie viele andere Cloud-Provider macht Amazon ein großes Geheimnis um seine Rechenzentren. So gibt es heftige Spekulationen um die Anzahl der Server, die das Unternehmen unter anderem in den USA, Europa, Brasilien, Singapur und Tokio betreibt. Der Accenture-Analyst Huan Liu etwa geht von 445.000 Servern aus, eine Zahl, die andere Branchenbeobachter für zu hoch halten. Allein das Data-Center-Cluster im US-Bundesstaat Virginia beherberge rund 322.000 Rechner, schätzt Liu.

Welche Bedeutung die Amazon-Cloud schon jetzt im weltweiten Internet-Verkehr hat, verdeutlicht eine Traffic-Analyse des amerikanischen Startups Deepfield Networks für die Region Nordamerika. Demnach besucht rund ein Drittel aller Internet-Nutzer jeden Tag eine Website, die auf Amazons Infrastruktur aufsetzt. Craig Labovitz, ein bekannter Internet-Analyst und Mitgründer von Deepfield, beschreibt Amazon als "massive utility", über die rund ein Prozent des gesamten Internet-Traffics in Nordamerika laufe.