Trenddossier Business Intelligence

Analytische BI-Systeme stark gefragt

31. August 2009
Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Der BI-Markt scheint der Flaute zu trotzen, die Analysten von Lünendonk rechnen in diesem und den nächsten Jahren mit steigenden Umsätzen. Über die aktuelle Lünendonk-Marktstudie sowie Anwendertrends bei BI-Software in Deutschland sprach Computerwoche mit Mario Zillmann, Berater und Projektleiter BI bei der Lünendonk GmbH.
Zu den wachsenden Segmenten in der Business Intelligence gehören Compliance, Corporate Governance und Risikomanagement, sagt Mario Zillmann von Lünendonk.
Zu den wachsenden Segmenten in der Business Intelligence gehören Compliance, Corporate Governance und Risikomanagement, sagt Mario Zillmann von Lünendonk.


Der Markt für Business-Intelligence-Software ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Im Rahmen Ihrer aktuellen Studie haben Sie die Entwicklungen auf dem deutschen BI-Markt analysiert. Welche Trends und Besonderheiten konnten Sie ermitteln?

Zillmann: Die Umsätze der 29 analysierten BI-Hersteller sind 2008 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 20,5 Prozent gestiegen. Insgesamt setzten diese Anbieter in Deutschland 313,1 Millionen Euro um. Dies ist ein beachtlicher Wert, wenn man die Abschwächung im vierten Quartal 2008 mit einbezieht. Jedes der analysierten Unternehmen konnte seinen Kundenstamm im Schnitt um zehn Prozent erweitern. Wir gehen davon aus, dass eine Sättigung der Nachfrage nach BI-Software ist noch lange nicht erreicht.

Wer sind die Top-Player im BI-Markt?

Zillmann: Wir betrachten nur Anbieter, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes mit Produktion, Vertrieb und Wartung eigener Business-Intelligence-Standard-Software-Produkte erwirtschaften. Unter dieser Voraussetzung hat SAS Institute die Marktführerschaft mit einem Plus von 4,2 Prozent auf 100 Millionen Euro Umsatz ausgebaut und liegt deutlich vor Teradata, die in 2008 etwa 30 Millionen Euro Umsatz in Deutschland erzielten. Die große Lücke zwischen Platz eins und zwei ist auf die Übernahmen von Business Objects sowie Cognos von SAPSAP beziehungsweise IBMIBM zurückzuführen, die nicht mehr als rechtlich eigenständige Unternehmen in unserer Liste geführt werden. Spezialanbieter wie Cubeware, QlikTech oder Informatica haben sich unter den zehn führenden BI-Anbietern in Deutschland etabliert. Zudem gibt es neben den Spezialisten eine Reihe großer IT-Konzerne wie IBM, SAP, Infor, OracleOracle oder MicrosoftMicrosoft, die BI-Umsätze im zweistelligen Millionenbereich erwirtschaften. Diese BI-Umsätze stellen aber weniger als 50 Prozent des Gesamtumsatzes dar. Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Hat die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise Auswirkungen auf die Nachfrage nach BI-Software?

Zillmann: Zumindest keine negativen Auswirkungen. Hinsichtlich ihrer eigenen Umsatzentwicklung im laufenden Geschäftsjahr erwarten die von uns befragten BI-Anbieter ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 15,4 Prozent. Die Anbieter gehen von einem Handlungsdrucks seitens der Kunden aus. Auch Gespräche mit Anwenderunternehmen deuten in diese Richtung. In der aktuellen wirtschaftlichen Situation investieren viele Unternehmen verstärkt in BI-Systeme, weil sie sich davon ein effizientes Management ReportingReporting über die Kostensituation oder über Vertriebs- und Marketingpotenziale versprechen. Alles zu Reporting auf CIO.de

BI-Software gilt vielen als typisches Finanzcontrolling-Instrument. Welche Einsatzszenarien eröffnen sich denn für die anderen Fachbereiche?

Zillmann: Tatsächlich belegen Finanzreporting und KonsolidierungKonsolidierung mit 43 Prozent auch 2008 den Löwenanteil. Allerdings zeichnen sich in anderen Fachbereichen schon steigende Umsätze ab. Zu den zukünftig wachsenden Segmenten zählen ComplianceCompliance und Corporate Governance, Risikomanagement oder das automatische Monitoring von IT-gestützten Geschäftsprozessen. Wir haben in diesem Jahr erstmals die Umsatzanteile einzelner Fachbereiche analysiert und für Controlling/Rechnungswesen einen Umsatzanteil von 24,4 Prozent ermittelt, während der Vertrieb auf 16,9 Prozent kommt, gefolgt von Unternehmenssteuerung mit 14,1 Prozent Umsatzanteil am BI-Markt. Alles zu Compliance auf CIO.de Alles zu Konsolidierung auf CIO.de

Wenn Sie einen Blick in die nahe Zukunft wagen, mit welchen Trends und Herausforderungen beschäftigen dann die BI-Anbieter?

Zillmann: Wir haben festgestellt, dass der Einsatz von BI-Steuerungssoftware im öffentlichen Dienst zugenommen hat. Die führenden zehn BI-Anbieter generierten in diesem Segment bereits 19 Prozent ihres Umsatzes. Ein wichtiger Einsatzbereich im öffentlichen Dienst ist beispielsweise Haushaltsplanung. Diese Branche steht in Bezug auf den Einsatz von BI-Software noch am Anfang. Potenziale bieten beispielsweise Kriminalstatistik oder Mikrozensus.

Stark nachgefragt werden auch analytische BI-Systeme, die sämtliche Einflussfaktoren des Unternehmensumfeldes integriert betrachten und somit das Management in seiner Strategieformulierung und -kontrolle unterstützen. Großes Potenzial versprechen auch Business-Analytics-Lösungen. Allerdings setzten solche Tools die Abkehr von heterogenen IT-Infrastrukturen voraus. Eine einheitliche Datenquelle erleichtert nämlich unternehmensweite Analysen oder Forecast-Szenarien.

In den vergangenen Jahren haben wir im BI-Umfeld viele Übernahmen beobachtet. Wird sich die Marktkonsolidierung Ihrer Meinung nach weiter fortsetzen?

Zillmann: Die letzten Großeinkäufe von SAP und IBM bestätigen die hohe Nachfrage sowie das enorme Potenzial von Reporting-Tools. Allerdings sind nicht mehr viele große und global aufgestellte BI-Unternehmen unabhängig. Anbieter wie SAS Institute, Informatica oder Information Builders wiederum haben sich strategisch klar zur Unabhängigkeit bekannt. Wir rechnen auch zukünftig mit Übernahmen, aber nicht mehr in der eingangs erwähnten Größenordnung. Eher werden in Zukunft kleinere BI-Spezialanbieter als langfristige strategische Partner bei großen Umsetzungsprojekten der großen IT-Unternehmen wie IBM, Microsoft oder SAP beteiligt.

Die Lünendonk-Studie "Der Markt für Business-Intelligence-Standard-Software in Deutschland" mit den Analysen von 29 BI-Herstellern ist bei der Lünendonk GmbH zum Preis von 450,- Euro erhältlich. Weitere Informationen unter www.luenendonk.de.

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