Enterprise Application Integration

Anbieter richten sich neu aus

04. April 2005
Schulze ist freier Autor der Website CIO.de und dem CIO-Magazin.
Nach den Hype-Jahren wurde EAI (Enterprise Application Integration) als Wunderwaffe gegen IT-Komplexität angepriesen. SAP, Oracle, Microsoft und IBM machen zunehmend das Rennen gegenüber den klassischen EAI-Anbietern. Diese müssen sich auf Nischenmärkte spezialisieren.

Bei "Spaghetti-Architekturen" mit 100 Applikationen sind bis zu 5000 direkte Verbindungen möglich, wie die Unternehmensberatung McKinsey berechnete. Denn die Integration bestehender Systeme hieß meistens, Eins-zu-eins-Verbindungen aufzubauen und damit extrem komplexe Geflechte zu erzeugen. Deshalb entwickelte sich die Informationstechnologie in den vergangenen Jahren durch die wachsende Anzahl an Anwendungen, Datenbanken und anderen Systemen zu einer kaum beherrschbaren Sammlung von Verbindungen. Der Wirrwarr funktionierte zwar, CIOs mussten ihn aber aufwändig warten und waren wenig flexibel, wenn sie mit neuen Anwendungen schnell auf neue Unternehmensanforderungen reagieren sollten. Vor rund drei Jahren unternahmen Anbieter unter dem Schlagwort "EAI" den Versuch, die Komplexität der Integration zu vereinfachen.

Mit dem Aufkommen der Web-Services und der Beschreibungssprache XML (Extensible Markup Language) stand eine technische Lösung für das Problem bereit. Ein offener, allgemein anerkannter Standard für ein neutrales Datenformat rückte in das Zentrum der IT. Das Szenario ist sehr einfach: Alle zu integrierenden Systeme tauschen die Informationen über eine zentrale Komponente aus. In dieser Middleware werden die unterschiedlichen eingehenden Datenformate nach XML übersetzt und vor der Weitergabe an ein empfangendes System in dessen Datenformat übertragen. Dazwischen können verschiedene Logikschritte, wie zum Beispiel die Plausibilitätsprüfung, liegen.

Dieser Ansatz war nicht nur in der Theorie bestechend, sondern fand auch große Akzeptanz am Markt. Zahlreiche große Unternehmen führten Integrationsplattformen nach diesem Vorbild ein, neue Spezialanbieter wie Tibco oder Webmethods konnten sich innerhalb kurzer Zeit einen großen Namen machen. Laut Richard Nußdorfer, Geschäftsführer der auf EAI spezialisierten CSA Consulting, haben inzwischen rund 70 bis 80 Prozent aller Großunternehmen Integrationslösungen im Einsatz.

Den deutschen EAI-Markt bestimmen im Wesentlichen die traditionellen Infrastrukturanbieter. Laut der Gartner Group dominierte im Jahr 2003 IBMIBM mit über 30 Prozent Marktanteil das Geschehen. Auf Platz zwei rangierte Bea Systems mit knapp sieben Prozent, gefolgt von Fujitsu-Siemens mit 6,4 Prozent. OracleOracle und SAPSAP, die zunehmend von der Anwendungsseite in das Integrationsgeschäft drängen, lagen 2003 unterhalb der Fünf-Prozent-Marke. Die jungen Integrationsspezialisten tauchen in den Top Ten fast nicht auf. Nur Tibco schaffte 2003 den Sprung in die Gartner-Liste. Seebeyond oder Webmethods spielen demnach trotz ihrer innovativen Technologien und ihrer international breiten Kundenbasis keine bedeutende Rolle. Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Oracle auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

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