EZB-Rat

Anleihekäufe für über eine Billion Euro durchgerechnet

06. Dezember 2014
Im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist einem Pressebericht zufolge über viel größere Anleihekäufe gesprochen worden als bislang bekannt wurde.

Bei den Beratungen hätten sich einige Befürworter einer sogenannten quantitativen Lockerung für ein Volumen von mehr als einer Billion Euro ausgesprochen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Es ging um mehr als die eine Billion Bilanzausweitung, die bislang öffentlich ist", zitierte die Zeitung einen Eurosystem-Insider.

Die Befürworter des Anleihekaufes hätten zudem darauf gedrängt, schon in der Sitzung am 22. Januar 2015 das Kaufprogramm zu beschließen, hieß es weiter. Dagegen habe es Widerstände im Rat gegeben. Schon zuvor war die Festlegung auf ein Bilanzausweitung im EZB-Rat umstritten, wie EZB-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz am Donnerstag angedeutet hatte.

Die Notenbank könnte beim Kauf von Staatsanleihen besonders riskante Papiere aus Krisenstaaten überproportional kaufen, wie die FAZ weiter berichtet. Ursprünglich hatte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio vorgeschlagen, Staatsanleihen aller Euro-Länder entsprechend der EZB-Kapitalquoten zu kaufen. Dies hätte geheißen, dass am meisten deutsche Anleihen, dann französische und erst an dritter Stelle italienische Anleihen gekauft würden. Im EZB-Rat gebe es nun aber vermehrt Stimmen, die für eine Konzentration auf Papiere mit höheren Risikoaufschlägen plädieren, hieß es.

In der EZB gibt es laut dem FAZ-Bericht schon seit mehr als einem halben Jahr verschiedene Simulationsrechnungen, welchen Effekt ein massenhafter Anleihenkauf über 1000 Milliarden Euro auf die Inflationsrate hätte. Nach Informationen der Zeitung würde die Inflationsrate nach den ersten Simulationen im Frühjahr um 0,2 bis 0,8 Prozentpunkte angehoben. (dpa/rs)

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