Gesundheitsreport

Anruf nach Feierabend erhöht Depressionsgefahr

25. April 2013
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Noch nie fehlten Arbeitnehmer laut DAK so oft wegen psychischer Leiden wie 2012. Gleichzeitig betonen die Autoren der Studie, Burnout sei kein Massenphänomen.

Die Krankschreibungen von Arbeitnehmern wegen psychischer Leiden haben 2012 einen neuen Höhepunkt erreicht. Wie die Ergebnisse des aktuellen DAK-Gesundheitsreports zeigen, haben sich Fehltage durch Depressionen und andere psychische Krankheiten in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt.

Veränderung der Fehltage pro 100 Versicherte zwischen 2000 und 2012: Arbeitnehmer werden häufiger aufgrund von psychischen Krankheiten krankgeschrieben.
Veränderung der Fehltage pro 100 Versicherte zwischen 2000 und 2012: Arbeitnehmer werden häufiger aufgrund von psychischen Krankheiten krankgeschrieben.
Foto: DAK

Gleichzeitig wiegeln die Studieninitiatoren ab: Nein, wir entwickelten uns nicht zu einem Volk von psychisch Kranken. Studien belegten sogar, dass psychische Störungen seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet sind. Die Begründung auf der Krankschreibung wäre lediglich eine andere: Viele Arbeitnehmer würden heute mit einem psychischen Leiden krankgeschrieben, während sie früher mit Diagnosen wie chronische Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden arbeitsunfähig gewesen wären, heißt es im DAK-Gesundheitsreport. Diese Veränderung begründet sich in einem stärkeren Bewusstsein gegenüber psychischen Erkrankungen.

Forscher: Heute nicht mehr Menschen psychisch krank

"Es gibt keine Hinweise darauf, dass heute mehr Menschen psychische Störungen haben als vor 20 Jahren", zitiert der Report Frank Jacobi, Professor an der Psychologischen Hochschule Berlin. Auch der in den MedienMedien viel beachtete BurnoutBurnout sei kein Massenphänomen: Bis 2012 ist zwar ein steiler Anstieg zu verzeichnen, doch der ist vor allem darin begründet, dass im Jahr 2004 auf kaum einer Krankschreibung von einem Burnout die Rede war. Im vergangenen Jahr hatten die Ärzte bei jedem 500. Mann und jeder 330. Frau ein Burnout auf der Krankschreibung vermerkt, so der DAK-Report. Alles zu Burnout auf CIO.de Top-Firmen der Branche Medien

Burnout wird nicht als eigenständige Krankheit eingestuft, Ärzte notieren einen zusätzlichen Code auf der Krankschreibung. Insgesamt wurden durch den Zusatz Burnout 2012 Fehltage mit einem Volumen von etwa zehn Ausfalltagen pro 100 Erwerbstätige dokumentiert. Zum Vergleich: Die Depression verursachte mit 85 Fehltagen pro 100 Arbeitnehmer mehr als acht Mal so viele Ausfalltage.

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