Mainframe & Macht

Anti-Trust-Untersuchungen gegen IBM

22. Dezember 2009
Von Hartmut  Wiehr
IBM sieht sich gegenwärtig in der EU und in den USA mit mehreren Klagen konfrontiert. Kleine Konkurrenten wie die Firma Neon fühlen sich mit ihrem Produkt "zPrime" im Wettbewerb behindert. Die Anwendervereinigung GSE hält die Technik für ausgereift. Aber fast alle Mitglieder scheuen die Nutzung, um nicht mit IBM aneinanderzugeraten.
Michael Weiß, Regional Manager der Anwendervereinigung GSE: "Viele Unternehmen haben zPrime gründlich technisch geprüft und stehen einem Einsatz positiv gegenüber."
Michael Weiß, Regional Manager der Anwendervereinigung GSE: "Viele Unternehmen haben zPrime gründlich technisch geprüft und stehen einem Einsatz positiv gegenüber."

IBM kennt sich aus mit Wettbewerbsklagen. Prominente Beispiele der vergangenen Jahre heißen PSI, T3 oder CCIA. Das Start-up Platform Solutions (PSI) hatte Big Blue noch Anfang 2007 "Monopolmissbrauch" und "unlauteren Wettbewerb" vorgeworfen, bevor IBMIBM die Firma Mitte 2008 kaufte. Im Januar 2009 reichte dann die US-Firma T3, ein Reseller von PSI-Systemen, bei der EU eine Anti-Trust-Klage gegen IBM ein. Eine Klage gleichen Inhalts hat das US-Department of Justice (DOJ) zwar im Oktober in den USA zurückgewiesen. Dafür befasst sich das DOJ aber seit September näher mit einer Anti-Trust-Klage der Computer and Communications Industry Association (CCIA) gegen IBM. Mitglieder der CCIA sind unter anderem AMD, eBay, Fujitsu, GoogleGoogle, MicrosoftMicrosoft, OracleOracle, Red Hat und Yahoo. Microsoft hat in T3 investiert, wie schon vorher in PSI. Alles zu Google auf CIO.de Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Oracle auf CIO.de

Noch in den 80er-Jahren hatte IBM etwa 80 Prozent des Server-Markts dominiert. Der Anteil ist inzwischen auf ungefähr 30 Prozent gesunken, wobei die Mainframes, die besonders in großen Unternehmen und in öffentlichen Institutionen eingesetzt werden, nach wie vor ein so verlockendes Geschäft sind, dass sich viele Konkurrenten gerne ein paar Scheiben davon abschneiden würden. Kein Wunder, dass man bei IBM ein wenig nervös ist.

Neuester Anlass: Das US-Unternehmen Neon hat mit "zPrime" ein Tool entwickelt, das zwischen unterschiedlichen Workloads und CPUs im Mainframe umschalten kann. Eine solche Möglichkeit für den Offload von Prozessorlast hat IBM selbst vorgesehen, um Workloads je nach Applikation und Anforderung automatisch von den General-Purpose-CPUs zu den Specialty Engines zIIP (z Integrated Information Processor) und zAAP (z Application Assist Processor) zu verschieben.

Mit den zIIP-Engines werden rechenintensive Work-loads wie zum Beispiel für Datenbanken erledigt, während zAAP mehr für Applikationen mit Java-Code bereitsteht. Für Specialty Engines wie zIIP und zAAP hatte IBM deutlich günstigere Preise festgelegt, um auch solche Anwendungen auf den Mainframe zu holen, die sonst eher in der Unix- oder x86-Welt zu Hause sind. Wer mit Neons zPrime automatisch mehr Rechenoperationen auf die beiden Specialty Engines rüberziehen kann, spart Millionen Euro pro Jahr.

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