Trotz iPad-Schwäche

Apple glaubt an die Zukunft der Tablets

23. Juli 2014
Der Absatz-Knick bei Apples iPad löst grundsätzliche Fragen aus: Wurden die Tablet-Computer zu früh mit Vorschuss-Lorbeeren bedacht? Ist es nur ein Apple-Problem? Oder geht es lediglich um eine Pause, bevor das Wachstum wieder einsetzt?

Die jüngste Talfahrt beim iPad-Absatz ist ungewöhnlich steil. Die Rekordzahl von über 26 Millionen TabletsTablets verkaufte AppleApple zum Start der neuen Gerätegeneration im Weihnachtsquartal 2013. Wenige Monate später war es im vergangenen Vierteljahr nur noch die Hälfte. Apple-Chef Tim Cook gibt sich betont gelassen. "Das ist nichts, weswegen wir uns Sorgen machen", winkte Cook im "Wall Street Journal" ab. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Tablets auf CIO.de

Der Absatzknick beim Marktführer gießt jedoch Öl in die Debatten, ob die Tablet-Computer vier Jahre nach dem Start der ersten iPad-Generation nicht vielleicht schon ihren Höhepunkt überschritten hätten. Schließlich verlangsamte sich das Wachstum des Marktes auch insgesamt. Das iPadiPad ist zwar nach wie vor Spitzenreiter und Schwergewicht, aber der Marktanteil schrumpfte nach Berechnungen der Analysefirma IDC von der anfänglichen Dominanz auf rund 30 Prozent. Alles zu iPad auf CIO.de

Die Sache ist auch komplizierter als die Entwicklung im Smartphone-Markt, wo das Wachstum mit dem Vorstoß der Schwellenländer ins mobile Internet vor allem aus dem Verkauf günstiger Geräte kommt. Im vergangenen Quartal habe der iPad-Absatz besonders im Mittleren Osten sowie China und Indien zugelegt, sagte Cook vor Analysten. Also ausgerechnet in der Hochburg der Billig-Tablets.

IDC senkte die Absatzprognose für den gesamten Markt in diesem Jahr jüngst von über 260 auf gut 245 Millionen Geräte. Das wäre im Jahresvergleich ein Plus von rund 12 Prozent - während der Absatz 2013 noch um über die Hälfte Wuchs.

Über die Gründe für die Abkühlung sind sich die Analysten uneins. IDC-Analyst Tom Mainelli verweist unter anderem auf die Popularität der sogenannten "Phablets" - SmartphonesSmartphones mit großen Bildschirmen ab 5,5 Zoll Diagonale (knapp 14 cm). Sie ließen Kunden den Bedarf an einem zusätzlichen Tablet-Computer hinterfragen. Seine Kollegin Annette Zimmermann vom zweiten großen IT-Marktforscher Gartner sagt dagegen, man sehe diesen Trend eher lokal begrenzt in Asien, aber nicht weltweit. Einig sind sich die Experten darüber, dass Tablets länger als erwartet genutzt werden, bevor ein neues Gerät gekauft wird. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Die Apple-Zahlen decken sich mit diesem Trend. Jeder zweite Käufer im vergangenen Quartal sei ein iPad-Neuling gewesen, sagte Cook vor Analysten. Das heißt auch, dass gerade einmal 6,5 Millionen iPad-Nutzer auf ein neues Apple-Tablet umstiegen. Dabei wurden in den vergangenen vier Jahren insgesamt 225 Millionen iPads verkauft.

Immerhin halten auch die Marktforscher an ihrer Prognose fest, dass im kommenden Jahr mehr Tablets als klassische PCs verkauft werden. Auch Cook stemmt sich gegen den Abgesang: "Wir sind überzeugt, dass die Kategorie erst am Anfang steht", betont er. "Ich glaube aufrichtig, dass die Chancen riesig sind."

Apple nimmt jetzt verstärkt den Unternehmensmarkt für künftiges Wachstum ins Visier. Die vor kurzem geschlossene Allianz mit IBMIBM soll dafür sorgen, dass mehr iPads in Unternehmen eingesetzt werden. Er selbst nutze ein iPad für 80 Prozent seiner Arbeit, erzählte der Apple-Chef dabei. Auf breiter Front setzten sich die Tablets bisher eher bei Nischen-Aufgaben durch, etwa wenn sie die Papier-Ordner von Piloten bei Fluggesellschaften ersetzen. IBM mit seinem riesigen IT-Beratungsgeschäft soll mit angepassten Anwendungen dabei helfen, die iPads branchenübergreifend stärker im Firmen-Alltag zu verankern. (dpa/rs) Alles zu IBM auf CIO.de