Praktisch oder gefährlich?

Apps: Die Vor- und Nachteile von Geo-Diensten

18. Juli 2013
Um sich der Internet-Welt mitzuteilen, bedarf es nicht mal mehr Tweets. Kurz einchecken reicht - schon ist öffentlich, in welchem Restaurant man sitzt. Praktisches Netzwerk oder Datenschutz-Desaster?

Check-In, das Wort hat im Duden zwei Bedeutungen: "Abfertigung des Fluggastes" oder "Anmeldung des Gastes im Hotel". Damit ist das Wörterbuch aber nicht auf dem neuesten Stand der Internetsprache. Über ihr Smartphone "checken" viele Menschen heute auch beim Italiener um die Ecke "ein", in der neuen Cocktailbar, im Baumarkt oder am Bahnhof.

Möglich machen das Geo-Dienste wie Foursquare. Über das Soziale Netzwerk geben Mitglieder bekannt, wo sie sind - sie checken ein, wie es Foursquare nennt. Außerdem kommentieren und fotografieren sie Orte und stellen ihre Tipps und Warnungen anderen Nutzern zur Verfügung. Mehr als 30 Millionen Mitglieder hat Foursquare nach eigenen Angaben, mehrere Millionen mal am Tag melden sie, wo sie sind. Auch FacebookFacebook hat so eine Funktion, seit Herbst 2011 können Nutzer ihren Standort per Check-In bekanntgeben. Alles zu Facebook auf CIO.de

Während die Öffentlichkeit sich sorgt, dass Geheimdienste heimlich Daten abgreifen, geben dort Menschen freiwillig und in Echtzeit preis, wie sie ihr Leben führen. Denn einchecken kann man über spezielle Apps auch in die gerade entdeckte Biersorte oder die aktuelle Folge der "Simpsons". "Untappd" heißt eine App für Bierliebhaber, "iSwig" für Cocktail-Fans. Ob man die neueste Folge der Fernsehserie "Game of Thrones" schon gesehen hat, verkündet man zum Beispiel über "Miso" oder "GetGlue". Apps wie "SoundTracking" machen öffentlich, was aus den heimischen Boxen tönt.

Um ihre Nutzer zum Mitteilen anzuregen, setzen die Apps auf den Spieltrieb. Viele belohnen fleißige Einchecker mit virtuellen Abzeichen. Nach 50 Check-Ins ist man bei Foursquare "Superstar", wer ein paar Mal im Fitnessstudio war, kann sich "Gym Rat" (etwa: Fitnessfreak) nennen. Wer am häufigsten an einem Ort eingecheckt, wird auf Foursquare dessen virtueller "Bürgermeister". Wer will nicht Online-Chef seiner Stammkneipe sein?

Datenschützern ist nicht wohl bei dieser Idee. "Ich warne sehr davor, weil ich gar nicht weiß, wer diese Informationen sieht", sagt Thomas Spaeing vom Berufsverband der Datenschutzbeauftragten. Der Verband unterstützt Datenschutzbeauftragte in Unternehmen und Behörden bei ihrer Arbeit. Nutzer sollten bedenken, dass die Daten verarbeitet und für Werbung genutzt werden, warnt der IT-Sicherheitsexperte: "Wenn ich einen Burger esse, interessiere ich mich dann vielleicht auch für blutdrucksenkende Tabletten?" Tatsächlich berichtete das Fachmagazin "AdAge", dass Foursquare damit beginne, Werbung zu schalten. Wer in einer Bar eincheckt, dem kann etwa ein Getränkehersteller ein Getränk empfehlen.

Doch Nutzer wie Blogger Daniel Rehn sehen einen großen Vorteil: Die Apps funktionieren wie Bewertungsportale. Tipps anderer Foursquare-Nutzer hätten ihm wunderbare Erfahrungen gebracht und ihn vor fiesen Fehlgriffen bewahrt, schreibt Rehn. Die meisten Reiseführer steckt das Netzwerk seiner Meinung nach in die Tasche. Miso, Untappd und Co. funktionieren nach dem selben Prinzip: Ich erzähle dir, was ich mache und wie es war - wie unter Freunden, nur in einem größeren Netzwerk.

Im Netz permanent über die Schulter schauen lässt sich auch der Journalist und Blogger Mario Sixtus. Auf WoistSixtus.com kann jeder sehen, wo er sich aufhält. Das Projekt sei "eine Art Antwort auf all die Hysterie und auf die Panik, die in Deutschland beim Auftauchen einer neuen Technologie regelmäßig durch MedienMedien und Bürokaffeeküchen wogen", erklärt er. Er könne die Ortung zwar deaktivieren, aber bisher seien seine Erfahrungen durchweg positiv. Beispielsweise meldeten sich spontan Bekannte für ein Treffen, wenn sie sehen, dass Sixtus in ihrer Nähe unterwegs ist. (dpa/rs) Top-Firmen der Branche Medien

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