Studie

Arbeitsunterbrechungen schaden der Gesundheit

06. November 2013
Wirtschaftswoche-Redakteur
Wer dauernd unterbrochen und in seiner Konzentration gestört wird, leidet nicht nur psychisch, sondern macht auch schlechtere Arbeit. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät, was man dagegen tun kann.
Multitasking und häufige Arbeitsunterbrechungen haben nicht nur einen negativen Einfluss auf die Arbeitsqualität, sondern belasten zusätzlich die Gesundheit.
Multitasking und häufige Arbeitsunterbrechungen haben nicht nur einen negativen Einfluss auf die Arbeitsqualität, sondern belasten zusätzlich die Gesundheit.
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Im Büro könnte es so schön ruhig sein, wäre man dort doch nur allein. Für die Mehrheit der Beschäftigten gehört die Anwesenheit von Kollegen und der gewollte oder ungewollte Kontakt mit ihnen aber zum Arbeitsalltag. Laut Stressreport 2012 müssen rund 44 Prozent der Befragten häufig ihre Arbeit unterbrechen. Etwa jeder Vierte fühlt sich davon belastet.

Arbeitsunterbrechungen und das gleichzeitige Erledigen mehrerer Aufgaben (Multitasking) belasten die GesundheitGesundheit. Doch nicht nur das. Wie eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zeigt, verschlechtert sich dadurch auch die Qualität der Arbeit. Top-Firmen der Branche Gesundheit

Während bei einfachen, monotonen Tätigkeiten, Unterbrechungen sogar willkommen und motivierend sein können, sind sie besonders belastend bei allen Tätigkeiten, die höchste Konzentration erfordern, wie zum Beispiel das Verfassen von Texten. Lärm im Großraum oder ein plötzlich hereinstürzender Kollege können dann ganze Gedankengebäude einstürzen lassen, die nach Ende der Störung mühsam wieder aufgebaut werden müssen.

Nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch Arbeitgeber sollten also ein Interesse an möglichst störungsfreien Arbeitsplätzen haben, die ruhiges, konzentriertes Arbeiten ermöglichen. Bereits mit kleinen, häufig kostenneutralen Maßnahmen in der Arbeitsgestaltung lässt sich, so die Autoren Anja Baethge und Thomas Rigotti jedoch die Situation verbessern.

Kollegen, Kunden und Vorgesetzte stehen plötzlich mit einem Anliegen in der Tür, rufen an, schreiben eine E-Mail. Dies sind klassische Arbeitsunterbrechungen, die im BAuA-Bericht in Form von tagebuchartigen Aufzeichnungen von Pflegepersonal in Krankenhäusern beschrieben werden. Im den konkreten Fällen gehen die Unterbrechungen also meist von Patienten, Ärzten oder anderen Pflegern aus. Multitasking sei aber vor allem auch in Berufen, in denen intensiv Informationen verarbeitet werden, an der Tagesordnung, betonen Baethge und Rigotti.

Ihre Studie zeigt, dass Multitasking Ältere und Jüngere gleichermaßen beeinträchtigt. Zwar lassen kognitive Fähigkeiten wie das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit, die durch Multitasking besonders gefordert werden, mit dem Alter nach, dafür können Ältere beim Umgang mit Unterbrechungen auf ihre Erfahrung bauen. Multitasking gehe nachweislich mit Leistungseinbußen einher und mit der Zahl der Unterbrechungen steige die Belastung der Beschäftigten. Das Stressempfinden erstrecke sich auch auf die Freizeit.

In einer eigenen Broschüre "Bitte nicht stören!" hat die BAuA Tipps zusammengestellt.

Multitasking und Arbeitsunterbrechungen lassen sich nicht völlig unterbinden. Oft kann durch Maßnahmen der Arbeitsgestaltung die Situation entschärft werden. In einem der untersuchten Krankenhäuser wurde beispielsweise ein Telefondienst eingeführt, so dass die Arbeit der Pflegenden in Stoßzeiten nicht mehr andauernd durch Anrufe unterbrochen wurde. Die Studie empfiehlt solche und ähnliche Maßnahmen der Arbeitsorganisation.

Quelle: Wirtschaftswoche

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