Ehemalige Siemens-Sparte

Atos kauft Unify: Die Vor- und Nachteile aus Analysten-Sicht

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Was steckt hinter dem Atos-Unify-Deal? Wo liegen die Vorteile für alle Beteiligten und wie steht es um die Zukunftschancen von Siemens ehemaliger Kommunikationssparte unter dem Atos-Dach? Wir haben führende Analysten um ihre Einschätzung gebeten.
Foto: Unify

Die Mitteilung, dass die Gores Group und SiemensSiemens mit AtosAtos einen Käufer für ihr Joint-Venture Unify gefunden haben, traf die UCC- und IT-Services-Szene wie ein Paukenschlag. Wie berichtet, plant Atos, den Spezialisten für Unified Communications für 340 Millionen Euro in bar zu akquirieren. Zusätzlich übernimmt der französische IT-Dienstleister 200 Millionen Euro an Pensionsverpflichtungen und 50 Millionen Euro Schulden von Unify. Top-500-Firmenprofil für Atos Top-500-Firmenprofil für Siemens

Zeitgleich verkündete Atos, man habe die im Juli 2011 mit Siemens unterzeichnete IT-Vereinbarung über sieben Jahre verlängert und das vereinbarte Volumen um 3,23 Milliarden Euro auf 8,73 Milliarden Euro, erhöht. Zusätzlich zu Projekten in den Bereichen Managed Services, Application Management und Systems Integration kam nun die Digitalisierung der Geschäftsbereiche von Siemens, einschließlich der Bereiche Cloud Computing, Industrial Data Analytics und Cybersicherheit als Leistung dazu. Darüber hinaus wollen Atos und Siemens weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit prüfen, um die Digitalisierungsstrategie voranzutreiben und damit die Grundlagen für Industrie 4.0 zu legen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Siemens an dem aus seiner Kommunikationssparte hervorgegangenen Unternehmen, bis 2013 noch Siemens Enterprise Communications (SEN) genannt, 49 Prozent der Anteile besitzt, die restlichen 51 Prozent hält die US-Investment-Gesellschaft Gores Group.

Mehr politisch als strategisch getrieben?

PAC-Analyst Andreas Stiehler
PAC-Analyst Andreas Stiehler
Foto: PAC

Wenn man diese beiden Punkte zusammenbringt, ist der Gedanke nicht weit hergeholt, dass die Unify-Übernahme primär vom Interesse an der strategischen Partnerschaft mit Siemens angetrieben wurde" erklärten die PAC-Analysten Dr. Andreas Stiehler und Nicole Dufft in einem Blog-Beitrag. Es sei schließlich kein Geheimnis, dass die Perspektive von Unify im schrumpfenden Markt für Unified Communications & Collaboration (UCC) - nun ja - unsicher ist.

Obwohl die Unify-Lösungen generell als hochwertig wahrgenommen würden, seien Microsoft und Cisco starke Wettbewerber mit besseren Perspektiven, den UCC- oder Digital-Workplace-Markt mittelfristig zu dominieren. Und während Unify mit Circuit einen vielversprechenden Cloud-Dienst entwickelt habe, sei es unklar, ob die Lösung schnell genug Fahrt aufnehmen kann, um das Schrumpfen im Kerngeschäft aufzufangen.

Was für Atos herausspringt

Aus Sicht von Atos scheinen Ausgaben in Höhe von 0,55 Milliarden Euro ganz vertretbar, wenn man damit einen Deal in Höhe von 8,75 Milliarden Dollar sichern könne, so PAC-Analyst Stiehler. Zumal Unify ein paar interessante Assets biete: Zunächst sei Unify nicht nur ein Hersteller, sondern betreibe auch ein riesiges Servicegeschäft rund um UCC, das besonders in Deutschland stark ist. Falls es Atos gelinge, das Servicegeschäft - ähnlich wie bei SBS/SIS - zu restrukturieren und zu integrieren, gebe es eine gute Chance, seine Position im deutschen Markt für IT-Infrastrukturservices rund um das Thema Digital Workplace deutlich zu verbessern.

Kann Unify mit dem Produkt Circuit das Projekt Zero E-Mail von Atos erweitern?
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Foto: Atos