Editorial

Auch CIOs müssen noch aufsteigen

05. September 2005
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Wenn ein Headhunter sie fragt, welche Position Sie am Ende Ihrer Karriere innehaben möchten, antworten Sie nie "CIO". Der Headhunter könnte Ihnen das in dreierlei Hinsicht negativ auslegen:

Wenn ein Headhunter sie fragt, welche Position Sie am Ende Ihrer KarriereKarriere innehaben möchten, antworten Sie nie "CIO". Der Headhunter könnte Ihnen das in dreierlei Hinsicht negativ auslegen: Alles zu Karriere auf CIO.de

1. Sie offenbaren, dass Sie eine Position an sich als Ziel anstreben. Das höchste Amt in der IT bis zur Rente ausfüllen zu wollen, klingt nur dann logisch, wenn Sie es mit inhaltlichen Zielen rechtfertigen. Alles andere wäre "Karriere um der Karriere willen", wie es Katja Hollaender-Herr, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles, nennt (Seite 61 - CIO - Career is not over).

2. Sie akzeptieren einen Status quo. Wer CIO ist und bleiben will, mag damit Beständigkeit und Verbindlichkeit ausdrücken wollen. Ausgelegt wird es ihm als Mangel an Visionen. Das Fatale dieser Interpretation ist leider, dass niemand sich mehr zum ehrenwerten Ziel bekennt, in dem, was er gerade tut, besser zu werden.

3. Sie zeigen keinen Ehrgeiz, ein Subsystem zu verlassen, das nie das dominante sein wird. So würde das wahrscheinlich nie ein Headhunter sagen, aber der Soziologe Niklas Luhmann hat es sehr treffend so ausgedrückt. In seiner Systemtheorie konkurrieren verschiedene Subsysteme (zum Beispiel Berufsgruppen) miteinander um Macht. Sie entwickeln dabei eigenständige SprachCodes, die andere Gruppen nicht verstehen können und auch nicht sollen. So entsteht Herrschaftswissen und manchmal auch Dominanz. Informationstechniker sind ziemlich gut darin, ihren eigenen, unverständlichen Code zu pflegen, vgl. "ECM" auf Seite 48 (Keine Ordnung in Sicht) oder "BPO" auf Seite 52 (Das große Geschäft lässt auf sich warten). Betriebswirte sind jedoch noch besser: Wer nicht weiß, was "Shareholder Value" oder "Hedge-Fonds" bedeuten, hat auf das falsche Subsystem gesetzt. Gegen den dominanten Code der reinen Betriebswirte wird sich in den Unternehmen niemand durchsetzen - auch kein CIO.

Das mag man traurig finden, weil dabei inhaltliche Argumente auf der Strecke bleiben. Es hat jedoch keinen Sinn, gegen die normative Kraft des Faktischen anzukämpfen. Wenn Sie das nächste Mal ein Headhunter fragt, was Sie werden wollen, sagen Sie besser "CFO" oder "Vorstand fürs Operative". Das hat mehr Zugkraft (siehe Seite 14 - Speichern mit Automatik).

Viel Spaß beim Lesen

Horst Ellermann Chefredakteur
Horst Ellermann Chefredakteur

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Thema: Karriere

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