Billigstrom gegen Vorkasse

Aufstieg und Fall von Teldafax

18. Februar 2014
Der Fall Teldafax zeigt die Schattenseiten der Marktöffnung bei Strom und Gas in Deutschland.

Das Unternehmen aus Troisdorf bei Bonn preschte als Billiganbieter in ein Geschäft vor, das zuvor noch von den großen Versorgern und lokalen Stadtwerken beherrscht worden war. Begonnen hatte Teldafax Ende der 90er Jahre in der Telekommunikationsbranche - nach einer ersten Pleite wagte sich der Preisbrecher dann 2007 mit neuen Investoren in den Energiemarkt.

Die Niedrigtarife lockten insgesamt mehr als 700.000 Kunden an, das Unternehmen bezeichnete sich bald als den "größten unabhängigen Energiedienstleister" Deutschlands. Auch als Trikotsponsor des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen gab sich Teldafax einen seriösen Anstrich. Das Problem: Die günstigen Konditionen, die über weite Strecken unter den Einkaufspreisen lagen, waren vor allem möglich, weil Teldafax von seinen Kunden Vorkasse verlangte. Verbraucherschützer witterten eine Art Schneeballsystem, bei dem die schiere Masse an Neukunden einen sonst verlustreichen Geschäftsbetrieb aufrechterhalte.

Im Juni 2011 meldete der Stromdiscounter schließlich erneut Zahlungsunfähigkeit an. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll Teldafax aber schon 2009 überschuldet gewesen sein. Die Pleite der Troisdorfer zeigt einige Parallelen zum Fall des Berliner Billigstrom-Anbieters Flexstrom. Auch hier wurde günstige Energie aus dem Großeinkauf gegen oft Monate im Voraus überwiesene Beträge an die Verbraucher geliefert. Im April 2013 rutsche Flexstrom in die Insolvenz. Nach Angaben des Unternehmens aus dem September sind mit 835.000 Gläubigern noch mehr Menschen betroffen als bei Teldafax. (dpa/rs)

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