E-Government in der EU

Aus Bürgern und Unternehmen werden Kunden

23. August 2006
Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Die meisten EU-Länder haben in den vergangenen beiden Jahren ihre E-Government-Angebote deutlich ausgebaut. Der Online-Datenaustausch zwischen Behörden und Wirtschaft sowie zwischen Behörden und Bürgern hat sich dadurch deutlich verbessert. Das am weitesten entwickelte europäische Land beim E-Government ist Österreich, gefolgt von Malta und Estland. In Deutschland hingegen stagniert der Ausbau von Online-Angeboten der Behörden. Das geht aus einer europaweiten Umfrage der IT- und Management-Beratung Capgemini hervor.
Ziel der E-Government-Angebote ist, Verwaltungstätigkeiten vollständig online abzuwickeln.
Ziel der E-Government-Angebote ist, Verwaltungstätigkeiten vollständig online abzuwickeln.

Die Verbreitung von Online-Dienstleistungsangeboten bei Behörden im Internet in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sowie Island, Norwegen und der Schweiz hat gegenüber 2004 um zehn Prozentpunkte zugelegt. Damit sind im Durchschnitt 75 Prozent des maximal möglichen Online-Umsetzungsgrades erreicht. Laut Capgemini ist so erstmals die Stufe der so genannten Zwei-Wege-Interaktion erreicht, die den Datenaustausch zwischen Behörden und Wirtschaft sowie zwischen Behörden und Bürgern ermöglicht.

Knapp die Hälfte aller Online-Angebote von Behörden können inzwischen sogar vollständig über das Internet abgewickelt werden. Das bedeutet gegenüber 2004 ein plus von acht Prozentpunkten. Während in den alten EU-Mitgliedstaaten die Online-Fähigkeit um rund sechs Prozent zulegte, stieg diese in den zehn neuen EU Mitgliedsstaaten rasant um 16 Prozentpunkte.

Österreich vorn, Deutschland fällt ab

Bei den untersuchten E-Government-Angeboten ist das am weitesten entwickelte europäische Land Österreich, gefolgt von Malta und Estland. Österreich verdankt laut Capgemini seine führende Position dem konsequenten Ausbau der E-Government-Services auf der Grundlage einer klaren Strategie und Vision. So werden Emissionsberichte an die EU-Behörden über ein Online-Portal des Bundesumweltamtes vollständig elektronisch abgewickelt. Eine Bürgerkarte mit elektronischer Signatur und digitalem Zertifikat vereinfacht Verwaltungsvorgänge. Innerhalb der nächsten beiden Jahre will beispielsweise die österreichische Bundesbeschaffungs-Gesellschaft auch ein zentrales Procurement-Portal einführen.

Deutschland legte zwar bei der Umsetzung von E-Government-Projekten ebenfalls zu, ist aber gegenüber 2004 im Ländervergleich um einen Platz zurückgefallen (Platz 19). Trotz viel versprechender Ansätze tritt Deutschland in Sachen E-Government mittlerweile auf der Stelle. Die deutsche Politik sehe E-Government offenbar vorwiegend als Kostenfaktor, nicht aber als Wirtschaftsfaktor und treibt das Thema kaum voran, so die unverblümte Kritik von Capgemini. Bestes Beispiel ist die Initiative "Deutschland Online", welche die nationalen Initiativen zwischen Bund, Ländern und Kommunen bündeln soll. Es fehlen den Beratern zufolge sowohl finanzielle als auch personelle Ressourcen, um diese Aufgaben durchzuführen.

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