Nur ein Viertel der Firmen hat Prozesse voll automatisiert

Auto-Industrie schmiedet an optimaler Supply Chain

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Die Globalisierung macht das Management der Supply Chain (SC), deren Glieder sich über die ganze Welt verstreuen, zu einer entscheidenden Aufgabe für die Unternehmens-IT. Einige Firmen der Fahrzeug- sowie der Luftfahrt-Industrie verbuchen damit erstaunliche Erfolge. Insgesamt verfügt aber nur ein Viertel der Firmen aus der Branche über voll automatisierte SC-Prozesse, wie eine Aberdeen-Studie zeigt.
SCM betrifft die verschiedensten Stationen der Lieferkette.
SCM betrifft die verschiedensten Stationen der Lieferkette.

Aus den Abläufen in der Supply Chain lassen sich mit modernen Software-Lösungen Effizienz und Planungs-Sicherheit heraus holen. Das gilt nicht nur für die Hersteller von Autos und Raketen, sondern auch für deren Lieferanten. Der Finanz-Direktor eines kleinen Zulieferers erinnert sich mit Grauen an die Zeiten, als er bange auf Zahlungs-Eingänge hoffte und seine Mitarbeiter andauernd auf der Jagd nach ausstehenden Summen waren: "Jetzt werden wir in zehn Tagen bezahlt - oder früher." SC-Finanz-Lösungen machen es möglich: Lieferanten bekommen verlässlich ihr Geld, die Industrie-Unternehmen freuen sich über automatisierte Zahlungen und längere Fristen.

Bislang schöpft die Branche die Möglichkeiten aber nur teilweise aus. Es gibt noch viel zu tun - und die Firmen packen es an: 79 Prozent der Unternehmen erklären, ihre SCM-Prozesse verbessern zu wollen. 85 Prozent planen, in diesem Jahr mehr Geld in diese Technologie zu stecken. Und 73 Prozent der Firmen mit Einkünften von über einer Milliarde US-Dollar investieren dieses Jahr mehr als 250.000 Dollar in SC-Projekte.

Der Druck des Marktes zwingt sie allerdings auch dazu. Dass Konzerne Teile ihrer Liefer-Kette in Niedrig-Lohn-Länder wie China, Indien und Osteuropa ausgelagert haben und bei allen Kostenersparnissen die Qualität sichern müssen, ist dabei nur ein Teil der Herausforderung. Immer kürzer fällt der Rhythmus aus, in dem unter diesen Bedingungen Produkte entwickelt werden müssen.

Das hat laut Aberdeen sowohl mit dem scharfen Wettbewerb unter Weltmarken zu tun als auch mit Veränderungen im Kundengeschmack. Dass Verbrauchern ein niedrigerer Kraftstoff-Verbrauch immer wichtiger wird oder Kunden spezielle Vorstellungen von der Boeing 787 haben, sind nur zwei Beispiele.