US-Firma will europäische Mittelständler erreichen

Avaya schluckt Tenovis

05. Oktober 2004
Von Thomas Zeller
Die US-Firma Avaya übernimmt den deutschen Kommunikationsdienstleister Tenovis. Der Kaufpreis wird mit 370 Millionen US-Dollar angegeben. Zusätzlich übernimmt Avaya noch Schulden in Höhe von 265 Millionen Euro.

Avaya erwartet durch die Übernahme eine deutliche Steigerung seiner internationalen Umsätze. Künftig sollen rund 40 Prozent der Einnahmen außerhalb der USA erzielt werden, bisher waren es etwa 25 Prozent. Durch die vollständige Integration von Tenovis soll der Umsatz von Avaya um etwa eine Milliarde Dollar steigen. Dabei will die US-Firma vor allem ihr Gewicht bei kleinen und mittelständischen Betrieben erhöhen.

Tenovis kann auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. 1899 wurde das Unternehmen in Frankfurt als Vermieter von Telefonanlagen gegründet. Später ging daraus die Firma Telefonbau und Normalzeit (TN) hervor. Nach der der Umbenennung in Telenorma übernahm der Bosch-Konzern die Firma als 100-prozentige Tochtergesellschaft. Im Jahr 2000 kaufte die US-Investmentfirma Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) das Unternehmen und betrieb es seither unter dem Namen Tenovis. Wiederholte Anläufe zu Börsengängen scheiterten am Umfeld.

Tenovis-Zentrale bleibt vorerst in Frankfurt.
Tenovis-Zentrale bleibt vorerst in Frankfurt.

Die Firmenzentrale von Tenovis befindet sich noch in Frankfurt/Main. Zurzeit beschäftigt der Telekommunikationsdienstleister 5500 Angestellte und setzte im vergangenen Jahr rund 890 Millionen Euro um.

Avaya wurde vor vier Jahren von dem US-Telekomausrüster Lucent abgespalten. Analysten sahen das Unternehmen während der Branchenkrise immer wieder in der Nähe einer Überschuldung. Doch mittlerweile habe die Gesellschaft ein Comeback geschafft. Durch die starke Nachfrage der Wirtschaft nach Infrastruktur für Internettelefonie war der Umsatz in den vergangenen zwölf Monaten auf etwa vier Milliarden Dollar gestiegen. Gleichzeitig kletterte der Marktanteil des Unternehmens bei Ausrüstungen für die IP-Telefonie auf 24 Prozent.

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