Wer bekommt T-Mobile US?

Bei Deutscher Telekom richten sich alle Blicke auf die USA

05. August 2014
Wenn die Deutsche Telekom ihre Zahlen zum zweiten Quartal vorlegt, dann dürfte die Analysten weniger das Abschneiden in den vergangenen drei Monaten interessieren - sondern der Blick nach vorn.

Zwar schwelen die Gerüchte um einen Verkauf der US-Mobilfunktochter T-Mobile US schon länger. Doch nach einem Angebot der französischen Iliad drängt auch für den japanischen Softbank-Konzern allmählich die Zeit, seine Karten auf den Tisch zu legen. Die Zahlen, die die Telekom an diesem Donnerstag (7. August) präsentieren will, bergen nach Ansicht von Experten hingegen keine großen Überraschungen.Nach Schätzungen der zehn von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Dienstag befragten Analysten haben die Erlöse im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um ein halbes Prozent auf 15,23 Milliarden Euro zugelegt.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte um fast ein Prozent auf 4,38 Milliarden Euro gesunken sein. Dabei verlief das Geschäft in Deutschland nach Ansicht von Berenberg-Analyst Paul Marsch robust. Im europäischen Ausland gab es dagegen Gegenwind.

Acht vom Unternehmen befragte Experten schätzen im Schnitt, dass unter dem Strich nach 530 Millionen Euro vor einem Jahr nun knapp 570 Millionen Euro Gewinn übrig bleiben. Der Großteil der Schätzungen berücksichtigt die bekannten Zahlen von T-Mobile US allerdings nicht. Seine Prognose dürfte der Vorstand bestätigen.

Aufsehen erregte vor dem Wochenende ein Angebot des französischen Internetkonzerns Iliad für T-Mobile US. Der Konzern will für einen Anteil von 56,5 Prozent 15 Milliarden US-Dollar hinblättern. Damit funkt Iliad dem japanischen Softbank-Chef Masayoshi Son in die seit längerem kolportierten Übernahmepläne. Danach soll T-Mobile US mit der Nummer drei auf dem US-Mobilfunkmarkt Sprint verschmelzen, die von Sons Konzern kontrolliert wird.

Analysten gehen davon aus, dass die Telekom Iliads Angebot als zu niedrig abweisen wird - auch wenn die nicht ohne Charme ist. Schließlich favorisieren die US-Wettbewerbshüter vier Anbieter auf dem US-Markt, was bei einem Erfolg Iliads zunächst Bestand hätte. Iliad beruft sich auf ähnliche Geschäftsmodelle: Das Unternehmen hatte den Markt in Frankreich mit Niedrigpreisen umgepflügt. Allerdings, so rechnet Analyst Antoine Praydarol von der Investmentbank Exane BNP Paribas vor, würden dann Synergien zwischen Sprint und T-Mobile von geschätzt bis zu 35 Milliarden Dollar ausbleiben. Iliad rechnet mit Ersparnissen von 10 Milliarden.

Aber nicht nur wegen der Übernahmefantasie steht T-Mobile US im Fokus. Der viertgrößte US-Mobilfunker um den umtriebigen Chef John Legere macht mittlerweile große Sprünge. In den drei Monaten bis Juni buchten sich 1,5 Millionen Kunden neu ins Netz ein, davon mit 908 000 überraschend viele lukrative Vertragskunden. Und das Unternehmen verdiente netto mit 391 Millionen Dollar auch wieder Geld. (dpa/mhr)

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