Schlagabtausch zwischen Eigentümern

Bei Media-Saturn fliegen die Fetzen

29. April 2014
Die Eigentümer von Europas größter Elektronikhandelskette liefern sich einen erbitterten Machtkampf. Dabei bräuchte Media-Saturn angesichts der harten Online-Konkurrenz nichts wichtiger als eine klare Führung.

Bei Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn hängt der Haussegen schief. Die beiden Eigentümer – der Handelsriese Metro und der Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals – überziehen sich immer vehementer mit Vorwürfen und Beschuldigungen. Dabei bräuchten Media Markt und Saturn derzeit eigentlich eindeutige Vorgaben von oben, schon wegen der harten Online-Konkurrenz.

Denn die Geschäfte bei Media Markt und Saturn laufen längst nicht mehr so gut wie früher. Der Siegeszug der Online-Händler hat das bisherige Geschäftsmodell der Handelsketten infrage gestellt. Lautstarke Werbung wie einst das berühmte "Geiz ist geil" reicht in Zeiten des Internets nicht mehr aus – denn inzwischen kann jeder Kunde mit einem Mausklick die Preise vergleichen.

Zwar versuchen Media Markt und Saturn nach langem Zögern inzwischen, mit eigenen Online-Angeboten verlorenen Boden wieder gut zu machen. Das aber erweist sich als mühsam und vor allem als teuer. Die Gewinne der Sparte schrumpften allein im wichtigen Weihnachtsquartal um rund 13 Prozent.

Gegenseitige Standpunkte

Kellerhals, der durch Media Markt zum Milliardär wurde, gibt die Schuld an der unbefriedigenden Geschäftslage der Metro. Der Handelsriese verwalte die Elektronikmarktketten nur noch. Von unternehmerischer FührungFührung könne keine Rede sein, schimpfte Kellerhals über den Geschäftspartner. Es fehle an Experimentierfreude und Mut zur InnovationInnovation. Alles zu Führung auf CIO.de Alles zu Innovation auf CIO.de

Natürlich sieht die Metro die Sachlage ganz anders. Kellerhals sei es gewesen, der lange Zeit "die Ausrichtung von Media-Saturn auf eine sich verändernde Welt behindert und verzögert" habe. Er habe sich gegen den rechtzeitigen Start in den Online-Handel gesperrt, heißt es bei der Metro.

Hingegen hätten der Vorstand der Metro und die Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding wichtige Entscheidungen zur Zukunftsfähigkeit von Media Markt und Saturn durchgesetzt – und zwar gegen den erheblichen Widerstand von Kellerhals, erklärt ein Konzernsprecher. Und fügt hinzu: "Wir halten die Eskapaden von Herrn Kellerhals für ungewöhnlich und schädlich für Media-Saturn."

Lange Vorgeschichte

Der Machtkampf bei Media-Saturn dauert nun schon seit drei Jahren an. Damals – 2011 – versuchte der ehemalige Metro-Chef Eckhard Cordes quasi im Handstreich das Vetorecht, über das Kellerhals in der Gesellschafterversammlung verfügt, zu schwächen. Er richtete einen Beirat für wichtige operative Weichenstellungen ein, in dem die Metro das Sagen hatte. Doch der Versuch, für klare Machtverhältnisse zu sorgen, führte zum Dauerkonflikt. Kellerhals wehrt sich seitdem erbittert gegen den Machtverlust.

Für die Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist der Schlagabtausch ein Graus. "Diese Streitereien zwischen den Gesellschaftern sind überhaupt nicht zielführend. Sie bringen das Geschäft von Media-Saturn nicht nach vorne." Der Schlagabtausch produziere nur negative Schlagzeilen. "Man sollte zügig eine Lösung finden, wie auch immer, damit man sich wieder um das Geschäft kümmern kann", drängt sie.

Denn die Herausforderungen für die Elektronikkette sind gewaltig, wie der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg betont. "Das Schlüsselproblem von Media Markt und Saturn ist, dass sie sich über Jahrzehnte als Preisbrecher positioniert haben und diese Rolle im Online-Geschäft nicht durchhalten können". Für dieses Problem sehe er keine naheliegende Lösung, meint der Experte. Und auch das Online-Geschäft habe Media-Saturn wegen seines späten Starts noch nicht wirklich im Griff. "Das Internet verzeiht es nicht, wenn sie zu spät kommen", meint Roeb. Eigentlich hat Media-Saturn also keine Zeit für interne Querelen. (dpa/tö)

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