Vorstellungsgespräch

Bewerbung: Schaumschläger sind oft im Vorteil

Madeleine Leitner ist Diplom-Psychologin mit fundierter Berufserfahrung als Psychotherapeutin und in der Wirtschaft. Schon Mitte der 90er Jahre lernte sie die Ansätze einiger der weltweit führenden Karriereberater kennen. Anschließend wurde sie zum Pionier für Karrierethemen in Deutschland. Seit vielen Jahren betreut sie Klienten aus dem gesamten Bundesgebiet und aus dem Ausland bei der Klärung und Realisierung ihrer beruflichen Ziele.
Wer sich im Vorstellungsgespräch nur auf seine fachliche Qualifikation verlässt und tief stapelt, hat oft schon verloren.

Bei Vorstellungsgesprächen und in der Arbeitswelt sind oft diejenigen, die selbstbewusst auftreten und Selbstdarstellung betreiben im Vorteil - obwohl nicht immer auch viel Wissen dahinter steckt. Woran das liegt, erklärt die Diplompsychologin Madeleine Leitner. Sie arbeitet mit einem Modell von vier Stadien der Kompetenz:

1.Stufe: Die unbewusste Inkompetenz

Hier wissen die Menschen noch nicht einmal, was sie nicht wissen. Wer zum Beispiel noch nie Besteck gesehen hat, weiß gar nicht, dass er nicht mit Besteck essen kann. Im Gegensatz dazu treten diese "unwissenden" Personen aber besonders selbstbewusst auf, weil sie mangels Wissen natürlich von Selbstzweifeln unbelastet sind.

2. Stufe: Die bewusste Inkompetenz

Hier bemerken Menschen erstmals, dass sie etwas nicht können. Man sieht in dem genannten Beispiel andere Personen, die mit irgendetwas Seltsamem essen: "Das kann ich nicht". Das Selbstbewusstsein ist zwar dahin, aber immerhin weiß man, was man nicht weiß. Damit ist man aber schon deutlich weiter.

3. Stufe: Die bewusste Kompetenz

Jetzt übt man bewusst neue Verhaltensweisen ein, muss sich aber sehr darauf konzentrieren. Wie schwer ist es zum Beispiel für Anfänger, beim Autofahren Bremse, Gas und Kupplung zu koordinieren.

4. Stufe: Die unbewusste Kompetenz

Das, was Menschen am besten können, tun sie ganz automatisch, ohne überlegen zu müssen. Das ist symptomatisch für die besten Fähigkeiten von Menschen. Hier liegen auch ihre Naturtalente. Weil es so leicht ist, erscheint es den Betreffenden allerdings ganz selbstverständlich. Sie gehen daher davon aus, dass das jeder kann.

Hieraus lassen sich einige interessante Phänomene ableiten:

Kompetente Menschen verfügen über viel Wissen. Je besser sich jemand auskennt, desto stärker ist ihm bewusst, was er nicht weiß. Kompetente Menschen relativieren daher ihre Aussagen und treten daher nicht gerade selbstbewusst auf. Zweifel werden mit Inkompetenz verwechselt. Wer würde die Weltformel erkennen, wenn uns Albert Einstein mit fragendem Blick, unsicherer Stimme und verknoteten Beinen davon erzählte?

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