ANWENDUNGEN UND NUTZEN VON „OLEDS“

Biegsame Bildschirme

01. April 2002
Von Torsten Meise
Displays aus Plastik versprechen eine bessere Sicht der digitalen Dinge. Die ersten deutschen Unternehmen steigen in die Produktion ein.

AN DISPLAYS AUS PLASTIK, so genannten OLEDs (Organic Light Emitting Diodes), arbeiten weltweit mehr als 100 Firmen. Bereits in drei Jahren könnten damit Umsätze zwischen 1,6 (Stanford Research) und 5,2 Milliarden Euro (Display- Search) erzielt werden. Dünn, farbig und preiswert sollen sie sein. Durch extrem kleine Bildpunkte seien hohe Auflösungen möglich. Die Reaktionszeit – wichtig vor allem für Videoanwendungen – sei um den Faktor 100 schneller als bei Flachbildschirmen.

Und: OLED-Displays lassen sich auf biegsamen Unterlagen herstellen, da sie aus ultradünnen Folien be stehen. Darin befinden sich Kunststoffpartikel, die unter Spannung zu leuchten beginnen. Diese Flexibilität beflügelt die Fantasie der Designer. Bildschirme, die sich in eine Hülle von der Größe eines Kugelschreibers einrollen lassen, sind nur eine von vielen neuen Ideen. Displays auf Taschen, Jacken oder Hemden – so man sie denn dort haben möchte – würden in greifbare Nähe rücken.

Oder doch alles nur Zukunftsmusik? „Keineswegs. Die Serienproduktion steht vor Tür“, weiß Eric Maiser vom Deutschen Flachdisplay-Forum in Frankfurt. Er kennt die Roadmap der Unternehmen aus den USA, aus Japan, Korea und Taiwan genau: Ende des Jahres seien die ersten monochromen Displays marktreif. Im Jahresabstand folgten dann Farbe, flexible Unterlagen und zuletzt, im Jahr 2005, große Flächen für PC-Monitore. Soeben hat Maiser die deutschen Unternehmen dieser Zukunftsbranche unter einen Hut gebracht. Unter dem Arbeitstitel Dora (Deutsche OLED Referenz Anlage) soll noch in diesem Jahr eine deutsche Pilotfabrik entstehen. Ziel: Massenproduktion made in Germany – ab 2003.

Billigbildschirme zum Wegwerfen

Obwohl mit einem Pioneer-Autoradio und einem Handy von Motorola bereits zwei OLED-Produkte auf dem Markt sind, kämpfen die Hersteller derzeit noch mit technischen Hürden. Vor allem die unterschiedliche Helligkeit einzelner Farben gilt als großes Hindernis. Die bislang bemängelte Lebensdauer der Leuchtmoleküle scheint hingegen kein Thema mehr. Für den Verbraucher eher zweitrangig ist auch der Kampf, den sich zwei unterschiedliche OLEDTechnologien im Hintergrund liefern. Sowohl die Small- Molecules-Technik von Eastman Kodak und Universal Display als auch die Polymer-Variante von Uniax und Co. bieten technisch den neuesten Stand. Deutliche Vorteile haben die Polymer-OLEDs hingegen in der Herstellung: Sie wird man künftig ohne viel Aufwand drucken können. Das ist extrem kostengünstig und ebnet vielleicht sogar den Weg zum Wegwerfbildschirm.

Machbare Utopie: der aufgerollte Monitor, der in einem Stift Platz findet
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