Champions und Rising Stars

Big-Data-Anbieter im Vergleich

18. Dezember 2014
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Gute Bewertungen für Visualisierung und Dashboards, maue Noten in der Beratung. Die Experton-Studie zeigt Licht und Schatten auf und nennt Geheimtipps des Marktes.
Will nicht hören, dass das Abschneiden bei PISA-Tests mit der in Facebook bekanntgegebenen Schuhgröße zusammenhängt: Experton-Analyst Holm Landrock.
Will nicht hören, dass das Abschneiden bei PISA-Tests mit der in Facebook bekanntgegebenen Schuhgröße zusammenhängt: Experton-Analyst Holm Landrock.
Foto: Privat

Die Schweinsteigers, Lahms und Özils im Big-Data-Universum tragen prominente Namen wie IBMIBM, MicrosoftMicrosoft und SAPSAP. Aber neue Stars drängen nach. Der Marc Stendera unter den Anbietern heißt Exasol, der Davie Selke Data Watch und der Joshua Kimmich Neo Technology. Auch einen Hany Mukhtar gibt es: Ancud. Alles zu IBM auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Markt legt um ein Viertel jährlich zu

Man kann den nach 2013 zum zweiten Mal vorgelegten Big Data Vendor Benchmark der Experton Group in der Tat leicht durch die Brille der hiesigen Fußballwelt betrachten. Auch im jungen Markt gibt es Platzhirsche vom Kaliber der Weltmeister von Rio de Janeiro, denen hinsichtlich Wettbewerbsstärke und Portfolio-Attraktivität schwer am Zeug zu flicken ist. Sie behaupten sich mühelos als Leader in ihren Bereichen.

Gleichzeitig positionieren sich Aufsteiger, die sich wie die U19-Europameister des DFB auf den Weg an die Spitze gemacht haben. Experton trägt dem Rechnung, indem für jedes der insgesamt elf untersuchten Big Data-Felder ein "Rising Star" benannt wurde. Der aufstrebende Stern verbesserte sich entweder in besonderem Maße gegenüber dem Vorjahr oder lässt ein technisch besonders attraktives Angebot erkennen. Der Weg an die Spitze scheint vorgezeichnet.

Zum zweiten Male also legt Experton nach eigenem Anspruch eine "umfassende Analyse des deutschen Anbietermarktes für Big-Data-Lösungen" vor. Bis 2019 wird der Big Data-Markt laut Prognose der Analysten auf ein Volumen von 3,198 Milliarden Euro wachsen - und zwar mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa einem Viertel. Diese Dynamik spiegelt sich im zweiten Benchmark durchaus wider. Im Vorjahr machte Experton nur 138 Unternehmen aus, bei denen "Big DataBig Data" Bestandteil der Produkt- und Service-Strategie oder der Unternehmenskommunikation ist. Dieses Mal waren es bereits knapp 250. Hiervon wurden 121 Anbieter als relevant für den Big Data Vendor Benchmark 2015 in Deutschland identifiziert. Alles zu Big Data auf CIO.de

Aus Anwendersicht bleibt Big Data ein Terrain mit Tücken. "Erkenntnisse, die aus Big-Data-Analysen gewonnen werden, müssen auf Relevanz geprüft und statistische Fallstricke von Data Scientists erkannt werden", erläutert Holm Landrock, Senior Advisor bei der Experton Group und Leiter des Big Data Vendor Benchmark-Projektes. "Sonst hören wir demnächst, dass das Abschneiden bei PISA-Tests mit der in FacebookFacebook bekanntgegebenen Schuhgröße zusammenhängt." Alles zu Facebook auf CIO.de

Nachholbedarf bei Projektberatung

In einigen Bereichen - darunter StorageStorage und Appliances - habe der Markt eine gewisse Reife erlangt, berichten die Analysten. Diese Reife habe aber noch nicht alle Teile des Marktes für Big-Data-Lösungen und -Dienstleistungen erfasst. "Nachholbedarf besteht im allgemeinen Projektberatungsgeschäft", so Experton. Viele kompetente Unternehmen im Bereich der Projektberatung hätten erst 2013 und 2014 das Thema Big Data als relevant identifiziert. Entsprechend hoch sei die Herausforderungen an diese Dienstleister hinsichtlich eines spezifischen Angebots und individueller Lösungen für eine Ergänzung der Hardware- und Software-Anbieter. Alles zu Storage auf CIO.de

Der Experton-Benchmark ist in 11 Bereiche gegliedert. Die Grafik illustriert, wie diese Felder systematisch einzuordnen sind.
Der Experton-Benchmark ist in 11 Bereiche gegliedert. Die Grafik illustriert, wie diese Felder systematisch einzuordnen sind.
Foto: Experton Group

Diese Bandbreite äußert sich auch im Studienergebnis, das sich nicht auf eine einzelne Rangliste reduzieren lässt. Bewertet wurden die Anbieter mit einem Scoring von 0 bis 100 in 50 Merkmalen für die Portfolio-Attraktivität und 50 Merkmalen für die Wettbewerbsstärke. Anhand der Punktzahle ordnete Experton sie in insgesamt elf Quadranten in die Kategorien Leader, Market Challenger, Product Challenger und Follower ein. Untersucht wurden folgende Felder:

1. Big Data Consulting & Solutions

2. Big Data Consulting

3. Big Data IT-Operations

4. Big Data Datenbanken

5. Big Data Appliances

6. Big Data Storage

7. Big Data Aggregation

8. Big Data Analytics

9. Big Data Syndizierung/Visualisierung/Dashboards

10. Big Data Protection (Schutz großer Datenvolumina)

11. Big Data Security Analytics (Sicherheit durch Big Data)

Als eine Art Königsdisziplin darf man vermutlich Big Data Analytics betrachten. 32 Anbieter bewertete Experton allein in diesem umkämpften Big Data-Segment. Mit Blue Yonder, Empolis, HPHP, IBM, Microsoft, MicroStrategy, Oracle, ParStream, Qlik, SAP, SAS, Software AG, Splunk und Teradata wurden gleich 14 Anbieter als Leader eingestuft. Alles zu HP auf CIO.de

IBM bietet breitestes Angebot

IBM genießt dabei eine herausgehobene Stellung. "IBM hat das derzeit breiteste Angebot an Analytics-Lösungen im Markt", heißt es in der Studie. Dies sei auf die zahlreichen Akquisitionen von Softwarehäusern aus dem Umfeld Business IntelligenceBusiness Intelligence (BI) und Business Analytics (BA) in den vergangenen Jahren zurückzuführen. Der Anbieter verfügt laut Studie auch über die stärkste Beratungsorganisation und punktet vor allem mit dem fortgeschrittenen technischen Niveau der Lösungen. "Bausteine, die von anderen Anbietern separat vermarktet werden, sind bei IBM oft integraler Lösungsbestandteil", so Experton. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

So sieht der Quadrant in der Kategorie Analytics aus.
So sieht der Quadrant in der Kategorie Analytics aus.
Foto: Experton Group

Rising Star unter den Analytics-Lösung ist Exasol. "Die Analytics-Engine des Nürnberger Anbieters erfreut sich beispielsweise einer sehr guten Unterstützung durch Partnerunternehmen", berichten die Analysten. "Das Unternehmen ist für seine technologisch interessante Lösung ausgezeichnet worden."

Die Analyse des Analytics-Bereichs liest sich in der Studie durchaus kritisch. "Exploratives Arbeiten rückt nur langsam nach vorn", bemängelt Experton. Die Anwender wünschten sich eine breitere Anwenderschicht im Unternehmen. "Vielfach müssen die heute erhältlichen Big Data-Lösungen dann an separate Medien-Lösungen wie zum Beispiel Unternehmens-Wikis angeschlossen werden, was selbstverständlich mit einem Entwicklungsaufwand verbunden ist." Ebenfalls kaum weiterentwickelt habe sich die Verknüpfung von Big Data und Industrie 4.0Industrie 4.0: "Die Berechnungs- und Analyseergebnisse werden praktisch nicht zur Beeinflussung von Maschinen und Anlagen genutzt." Alles zu Industrie 4.0 auf CIO.de

Datensicherheit, DatenschutzDatenschutz und Datenverfügbarkeit spielen in der Big-Data-Definition von Experton eine maßgebliche Rolle. Im Feld Big Data Protection machten die Analysten 15 relevante Lösungen aus. Als Leader wurden IBM, HP, Symantec sowie Rohde & Schwarz SIT eingestuft. Rising Star ist hier Uniscon. Alles zu Datenschutz auf CIO.de

Viererpack dominiert Protection-Segment

"Noch steckt der Markt für Big Data Protection aber in einer Anfangsphase, so dass umfassende Lösungen zur Beantwortung aller genannten Fragen bislang noch auf sich warten lassen", kommentiert Oliver Schonschek, Research Fellow bei der Experton Group.

Das Segment Big Data Consulting beinhaltet in der Studie Anbieter ohne spezifisches Big Data-Beratungsangebot beziehungsweise ohne eigene Solutions. Nur vier von 30 Unternehmen konnten sich als Leader behaupten: ATOS, Informatica, SAS und Software AG. Als Challenger profilieren sich itelligence, Fujitsu und Arvato. Aus der Masse der Follower ragt Ancud als Rising Star heraus.

Viele Häuser widmeten dem Big-Data-Beratungsgeschäft noch zu wenig Aufmerksamkeit und versäumten damit möglicherweise Umsatzpotenzial, moniert Experton. "Die Einführung von Big-Data-Technologien kann durch spezielle Beratungstools methodisch unterstützt werden", erläutert Andreas Gadatsch, Senior Advisor bei der Experton Group. "Templates für typische Einsatzszenarien helfen dem Kunden, seine Ausgangssituation mit möglichen Zielsituationen abzugleichen."

Breite Spitze bei Datenbanken

Im Segment Big Databases & Big Data Management kamen Big-Data-fähige relationale SQL-Datenbanken, NoSQL-Lösungen, spaltenorientierte Datenbanken, Datenmanagement-Lösungen mit einer Big-Data-Perspektive sowie auf Map/Reduce beziehungsweise Apache Hadoop basierenden Lösungen in die Auswahl.

Ein Offering rund um eine Graphen-Datenbank brachte Neo Technology hier die Anerkennung als Rising Star ein. Ansonsten positionierten sich zehn von 21 Anbietern als Leader: IBM, SAP, Microsoft, OracleOracle, Teradata, Parstream, HP, Informatica, Splunk und MongoDB. Alles zu Oracle auf CIO.de

Data Watch ist der Rising Star im Segment Big Data Syndizierung/Visualisierung/Dashboards. Neun von 15 bewerteten Lösungen sind im Experton-Urteil Leader: Empolis, Tableau, Qliktech, Microsoft, Splunk, Blue Yonder, pmOne, Tibco und Actuate.

"Viele Anbieter in dieser Kategorie konnten als gut bis sehr gut eingestuft werden", lobt Experton. Begründet sei das in der überwiegend guten Historie, die die Anbieter im Bereich der Visualisierung, des Reportings und der Dashboard-Lösungen vorweisen können. "Die meisten Anbieter haben dazu ihre Frontend-Lösungen für BI- und BA-Lösungen weiterentwickelt", heißt es weiter in der Studie. "Damit ist eine gute Basis für das Erkunden von Daten, auch über Teilmengen sehr großer Datenbestände, vorhanden."

Die Ergebnisse des Benchmarks aus dem Vorjahr sind hier nachzulesen.