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Consulting muss sich ändern

Big Data ersetzt Beratungsunternehmen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Nicht mehr Manager oder Consultants entscheiden, sondern Analyse-Tools. Berater sind als Coach mit emotionaler Intelligenz gefragt. Diese These stellt LAB Executive Search auf.
Marcel Ramin Derakhchan von LAB hält ein "hohes Maß an emotionaler Intelligenz" bei Consultants mittlerweile für unerlässlich.
Marcel Ramin Derakhchan von LAB hält ein "hohes Maß an emotionaler Intelligenz" bei Consultants mittlerweile für unerlässlich.
Foto: LAB Executive Search

"Das klassische Karrieremodell in den Beratungen ist am Ende seines Lebenszyklus angelangt." So fasst Marcel Ramin Derakhchan von LAB Executive Search seine Studie "Big DataBig Data und Co - Fluch oder Segen für die Berater?" zusammen. Rund 270 Consultants aus Management- und IT-Beratungen haben daran teilgenommen. Alles zu Big Data auf CIO.de

Die Frage nach Fluch oder Segen wollen die Studienteilnehmer positiv sehen. 91 Prozent sprechen von der "Chance", die sie sehen, nicht einmal jeder Zehnte sieht ein "Risiko". Doch Derakhchan berichtet davon, was er "zwischen den Zeilen" vernimmt. Er beobachtet "große Kraftanstrengungen" rund um Big Data. Berater müssten sich verändern.

Analytics-Tools machen Berater überflüssig

Diese Veränderungen beziehen sich sowohl auf Hard SkillsSkills wie auf Soft Skills. Die Studienteilnehmer, die offen von Risiken sprechen, nennen etwa die fehlende IT-Expertise von Beratern. Wer hier nicht aufhole, werde "wettbewerbsunfähig". Business-Entscheidungen würden zunehmend auf Basis automatisierter Datenanalysen gefällt. Alles zu Skills auf CIO.de

Schnelle automatisierte Datenanalysen setzen Consultants unter Zeitdruck. Mancher denkt sogar, Handlungsempfehlungen durch Data-Analytics-Software mache Berater teilweise überflüssig. Dazu einer der Studienteilnehmer: "Es gilt, die Balance zu finden zwischen 'Korrelation schlägt Kausalität' und gesundem Menschenverstand."

Gute Aussichten für Quereinsteiger als Berater

Eine weitere Befürchtung: Für Beratungsunternehmen wird es schwerer, qualifizierten Nachwuchs zu bekommen. Wer aber keine "Thought Leadership in Analytics" aufweise, falle zurück. Deshalb haben erfahrene Quereinsteiger derzeit gute Aussichten.

Das heißt umgekehrt: Berater, die Big Data beherrschen, gewinnen bei der strategischen Bewertung der Datenanalyse-Ergebnisse an Bedeutung und können noch komplexere Dienstleistungen als bisher anbieten. Das erwarten jedenfalls die, die in der jetzigen Entwicklung Chancen sehen. Jeder dritte Befragte erklärt, Berater hätten mit ihrem Erfahrungsschatz dann doch mehr zu bieten als automatisierte Datenanalysen.

Wichtiger werdende Aufgaben für Berater

Ein weiteres Ergebnis der Studie bezieht sich auf die künftige Rolle der Consultants. Mehr als sieben von zehn Befragten (72 Prozent) sagen: "Die Rolle des Beraters als Coach auf Entscheiderebene wird zunehmend wichtiger." 50 Prozent sehen sich zusätzlich in der Funktion eines Navigators gefragt.

Mehr als vier von zehn (43 Prozent) drücken das Ganze so aus, dass der Berater als "Vertrauens- und Bezugsperson in Veränderungsprozessen" wichtiger wird. Ein Studienteilnehmer gab zu Protokoll, er beobachte in vielen Unternehmen, dass Führungskräfte immer entscheidungsunfähiger würden.

These: Nur die Großen überleben

Ein weiterer Studienteilnehmer glaubt, dass kleine Beraterfirmen und Nischenanbieter aus dem Markt gedrängt werden. Denn Consultants müssten die gesamte Tiefe des Beratungsspektrums abdecken können, von strategischer Positionierung und Transformation bis hoch zu komplexen Datenanalysen. "Das können nur Beratungen mit einer ausreichenden Größe bewältigen", sagt der Studienteilnehmer.

Derakhchan kommentiert: "Neben Methodenwissen und C-Level-Tauglichkeit ist ausgeprägtes Branchen-Know-how sowie ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz notwendig."

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Themen: Big Data und Skills

Kommentare zum Artikel

microfin

Derzeit wird gerade heftig diskutiert, dass Ärzte ihren Patienten zunehmend Selbstdiagnosen ausreden müssen, die sie sich selbst ergooglet haben. Die Situation von Beratern ist ähnlich: Die Analyse können Unternehmen zunehmend selbst machen. Für die Bewertung hingegen wird ihnen auch künftig die Erfahrung fehlen. Das sagt ja auch die Studie: Viele Manager wollen eher einen Coach als einen Analysten. Und noch einen Trend sehen wir: Beratungsdienstleistungen als fertige Produkte – etwa Musterverträge oder Service- Level Agreements, die wir immer da anbieten, wo sich ein Beratungsprojekt nicht lohnt.
Fazit: Berater und ihre Leistungen müssen sich wandeln. Aber ihr Wissen und ihre Erfahrung ist auf absehbare Zeit nicht ersetzbar.
Branimir Brodnik, microfin Unternehmensberatung GmbH

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