Großteil des Datenmülls stammt aus den USA

Billige Breitbandanschlüsse ziehen Spammer an

16. August 2004
Von Detlef Scholz
Gut 85 Prozent aller weltweit versandten Spam-Mails stammen von einer Handvoll Spammer in den USA. Dabei nutzen nur 28 Prozent der E-Müll-Produzenten eine amerikanische IP-Adresse. Das geht aus einer Studie von Cypher-Trust hervor.

Auf Platz zwei des Spam-Versands liegt Südkorea mit etwas über drei Prozent. Chinas (mit Hongkong) Beitrag zum E-Müll-Berg geben die Autoren der Studie mit gut 2,5 Prozent an. Dahinter rangiert Kanada mit knapp 2,3 Prozent. Deutsche Spammer erscheinen in der Liste unter "ferner liefen" mit über 0,1 Prozent.

Fast 86 Prozent der weltweit versandten Spams stammen aus den USA.
Fast 86 Prozent der weltweit versandten Spams stammen aus den USA.

Die neuen Zahlen von Cypher-Trust widersprechen anderen Studien. Beispielsweise schätzte Commtouch vor kurzem den US-amerikanischen Anteil am Spam-Aufkommen noch auf 56 Prozent. Die Macher der aktuellen Studie heben hervor, dass in ihrer Untersuchung keine so genannten "Honeypots" (Honig-Töpfe) zum Einsatz kamen. Wie der Name suggeriert, ziehen Honey-Pots Spam geradezu an. Dadurch werde aber das Ergebnis verfälscht, so Cypher-Trust. "Honeypots" sind u.a. professionell eingesetzte Software-Tools, um unerwünschte E-Mail-Sendungen abzufangen.

Das Unternehmen geht aufgrund seiner Zahlen davon aus, dass es weniger als 10.000 IP-Adressen mit sehr hohem Spamversand gibt. Die Anzahl der dahinter stehenden Spammer schätzen die Autoren auf 200.

Missbrauch von Servern

Den Grund für die Wahl der USA als Stammland der Spammer sehen die Studienbetreiber in der massenhaften Verfügbarkeit billiger Breitbandverbindungen dort. Das erklärt auch den geringen Prozentsatz der Spam-Versender außerhalb Amerikas. Denn dort sind Breitbandverbindungen für den Massenversand des Datenmülls schlicht zu teuer.

Bulk-Spam von außerhalb der USA entspringt fast immer so genannten Zombie-Computern. Das sind von Hackern besetzte Server mit Breitbandanschluss, die für den massenhaften Spam-Versand missbraucht werden. Wegen der preisgünstigen Breitbandverbindungen in den USA sind Zombies dort kein großes Problem. Zudem hat es in letzter Streit Anstrengungen amerikanischer Provider gegeben, Zombies abzuklemmen. Beispielsweise habe der Internet-Provider Comcast Spam-Server kürzlich blockiert und so die Zahl der versendeten Spam-Mails um ein Drittel reduziert. Diese Zahl konnte Cypher-Trust bestätigen.

Zur Startseite