Kritik am Ansatz von Gartner

Bimodale IT - Fluch oder Segen?

Dr. Oliver Laitenberger leitet bei der Managementberatung Horn & Company das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Technologie.
Laut Gartner verspricht Bimodale IT die einzige nachhaltige Lösung für Unternehmen in einer disruptiven digitalen Welt zu sein. Doch die reale Welt ist multi-modal. Deswegen bedarf es einer Kombination von besten Lösungen, um die Komplexität zu beherrschen.

Es gibt viele gute Beispiele von Unternehmen, deren IT sowohl Stabilität und Zuverlässigkeit als auch Agilität und Geschwindigkeit abliefert - ohne in einen bimodalen IT-Ansatz verstrickt zu sein oder zu werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der von Gartner gestartete Hype um eine IT mit zwei Geschwindigkeiten ein Fluch oder ein Segen für Unternehmen darstellt und welche Voraussetzungen die Verantwortlichen hierfür erfüllen müssen.

Was ist "Bimodale IT"?

Im Jahr 2014 enthüllte Gartner ihr "bimodales" IT-Modell vor der IT-Industrie. Es war neu, es war einfach und es war leicht zu kommunizieren. Es umfasste sowohl ein Fließband, um zuverlässig und stabil in die Jahre gekommene (Legacy-)Geschäftsanwendungen bereitzustellen als auch ein agiles Produktionsmodell, um neue, schlanke App-Anwendungen auf mobilen Geräten mit hoher Geschwindigkeit zu liefern. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung versprach das Modell einen echten Fortschritt bezüglich der Umsetzung.

  • Bimodale IT ist die Praxis der Verwaltung von zwei getrennten und dennoch zusammenhängenden Formen der IT. Die eine fokussiert auf die Stabilität und die andere auf Agilität.

  • Form 1 ist traditionell und sequenziell. Sie betont die Zuverlässigkeit und Sicherheit sowohl in Entwicklung als auch im Betrieb. Modus 2 ist experimentell und nichtlinear. Sie betont Flexibilität und Geschwindigkeit.

Laut Gartner verspricht Bimodale IT die einzige nachhaltige Lösung für Unternehmen in einer zunehmend disruptiven digitalen Welt zu sein.

"Bimodale IT": Alter Wein in neuen Schläuchen?

In der Software Entwicklung hat US-Softwareingenieur Barry Boehm bereits in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends versucht, die Geschwindigkeit über iterativ-inkrementelle Vorgehen zu beschleunigen. Spätestens seit dem agilen Manifest und den Agilisten hat dies auch Einzug in viele Unternehmen gefunden. Zugegebenerweise noch nicht in allen.