Lernen 2.0

Bit für Bit in die Wissensgesellschaft der Zukunft

04. Februar 2014
Erst eroberte das E-Learning die betriebliche Weiterbildung, dann die Hochschulen. Jetzt sind die Schulen dran. Auf der Fachmesse Learntec wird das Klassenzimmer schon mal für überholt erklärt.

Pauken war früher. Heute werden leicht verdauliche Lernhäppchen serviert. Triste Klassenzimmer und volle Hörsäle weichen dem mobilen Internet. Solche Bilder entwirft die Karlsruher Fachmesse Learntec schon länger. Jetzt rücken sie näher an die Realität. "Wir werden zu jeder Zeit und an jedem Ort Zugriff auf Wissen haben", sagt der Informatiker Peter Henning. "Das wird breiter und vernetzter, es fängt an der Schule an und das hört bei den Senioren auf."

Lehrer haben es auf der Messe nicht leicht. Mal wird ihnen Überforderung bescheinigt, mal wird gleich die Zukunft des Berufs in Frage gestellt. "Die Lehrerausbildung in Deutschland funktioniert nicht immer in der Qualität, die wir benötigen", beklagt der Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, Andreas Schlüter. Und Ulrich Sawade von MicrosoftMicrosoft ist sich sicher: "Die alte Schule hat ausgedient." Lehrer würden künftig nicht mehr die zentrale Bezugsperson für die Schüler im Unterricht sein. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Schule soll stattdessen vernetzt und an vielen Orten stattfinden. Die Schlagworte heißen situationsbezogenes Lernen und "Gamification", also spielerische Wissensvermittlung. Die Potsdamer Firma Serious Games Solutions entwickelt dies bislang vor allem für die betriebliche Weiterbildung. Zu ihren Kunden gehören Siemens und Mercedes.

Situationsbezogenes Lernen befreit den Unterricht vom Klassenzimmer. Bei der Erkundung der eigenen Stadt können Schüler beispielsweise Informationen über die Vergangenheit eines Gebäudes herausfinden, wenn sie das Haus mit der Smartphone-Kamera in den Blick nehmen. Das funktioniert mit Hilfe der Technik "Augmented Reality" (erweiterte Realität), die zusätzliche Informationen über digitale Bilder legt.

Online-Pattformen wie meinunterricht.de bieten eine web-basierte Lösung für Lehrkräfte, die dort von Verlagen bereitgestelltes Material für den Unterricht mit einem Arbeitsblatt-Editor an ihre Bedürfnisse anpassen können. Mit einer App lassen sich die Schulnoten der Schüler verwalten. Die Berliner Firma K.lab educmedia überlegt, eine solche Unterrichtsplattform im Netz auch für Schüler zu entwickeln.

Der Karlsruher Informatiker Henning kümmert sich um die wissenschaftliche Leitung der Learntec. Er plädiert für den freien Zugang zum Wissen im Netz, unterstützt auch die Idee von "Open Access" in der Wissenschaft - sofern dabei die Finanzierung von Forschung geklärt ist. Henning spricht von "Massively Open Online Courses", offenen Ausbildungskursen für alle im Internet. Das erinnert an das "Massively Multiplayer Online Role-Playing Game" (MMORPG), Rollenspielwelten wie "World of Warcraft", in denen sich zahllose Spieler im Internet zusammenfinden.

Wenn Lerninhalte frei verfügbar werden, womit verdienen die Firmen der Branche - auf der Learntec präsentieren sich 226 Aussteller - dann ihr Geld? Hier zeichnet sich die Tendenz ab, dass es weniger die Inhalte sind, mit denen Geschäfte gemacht werden, als vielmehr die die Entwicklung von Plattformen und Tutorensystemen, die den lernenden Menschen päadagogisch begleiten und sinnvoll zu dem gewünschten Wissen führen.

Dabei wird Wissensvermittlung nicht nur spielerischer, sondern auch kleinteiliger. So können etwa Überbrückungszeiten wie das Warten auf den Zug fürs Lernen genutzt werden. "Die Zukunft liegt bei überschaubaren Learning Nuggets, Lerneinheiten, die von vielen ins Netz gestellt werden und frei zur Verfügung stehen", sagt der Professor. "Das ist eine Umwälzung, deren Konsequenzen wir noch gar nicht begreifen." (dpa/rs)

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