Kaum Zeit zu entscheiden

Blick in Terminkalender von Vorständen

14. Februar 2011
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Eine Doktorarbeit wertet die Terminkalender von Konzernvorständen aus. Die Führungskräfte sind kaum im eigenen Büro, viel unterwegs und arbeiten im Schnitt mehr als 65 Stunden pro Woche.
Welche Tätigkeiten zum Tagesgeschäft eines Vorstands gehören.
Welche Tätigkeiten zum Tagesgeschäft eines Vorstands gehören.
Foto: puje - Fotolia.com

Wie sieht der Tagesablauf eines Vorstandsmitglieds aus? Emilio Matthaei gibt mit seiner Doktorarbeit eine Antwort auf diese Frage. Für seine Dissertation an der Handelshochschule Leipzig hat er sich Terminkalender von Vorstandsmitgliedern der höchsten Hierarchie-Ebenen internationaler Firmen mit durchschnittlich weit über 100.000 Mitarbeitern angesehen.

Matthaei, der heute als Banker für Goldman Sachs in London arbeitet, wollte herausfinden, welche Tätigkeiten zum Tagesgeschäft eines Vorstands gehören. Außerdem interessierte er sich dafür, wo Konzernvorstände arbeiten und mit wem.

Um an diese Informationen zu gelangen, hat Matthaei von zahlreichen Vorständen jeweils vier Wochen ihres elektronischen Kalenders ausgewertet und anschließend mit den Vorstandsmitgliedern und ihren Referaten über die Kalenderinhalte diskutiert. Für die Ergebnisse seiner Arbeit wertete er schließlich zwölf Terminkalender aus.

Keine Reaktion auf E-Mails

Welche Vorstandskalender er unter die Lupe genommen hat, verrät er nicht. Der FAZ erläuterte der 29-Jährige jedoch, wie er sich Zugriff zu den Vorstandskalendern verschaffte. Eine E-Mail oder einen Brief zu schicken, führte selten zu einer Antwort. Deshalb fuhr Matthaei zu Konferenzen und sprach die Kandidaten direkt an: "Auf dem Weg in oder aus dem Saal habe ich sie angesprochen", sagte er der FAZ. Mehr als die Hälfte der Angesprochenen ließen ihn in ihre Kalender sehen.