BMW 5er Dienstwagen-Test

BMW 535i Touring im Fahrbericht

Einen seiner ersten Artikel schrieb René Schmöl, Jahrgang 1982, mit 16 Jahren für die Tageszeitung Freies Wort. Es war ein Interview mit Hape Kerkeling. Dieser Erfolg motivierte ihn, weiterzumachen. Nach sieben Jahren im Lokaljournalismus und einer Ausbildung zum Verlagskaufmann folgte ein Volontariat bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Die zwei aufregendsten Jahre seines Lebens. Seit 2007 ist Schmöl in unterschiedlichen Positionen für IDG tätig. Momentan als Chef vom Dienst Online. Er kümmert sich um das Portal cio.de.
Der BMW 5er gehört zu den gefragtesten Dienstwagen. Wir haben eine Woche lang einen sehr gut ausgestatteten BMW 535i Touring gefahren und überprüft, welche Sonderausstattung sinnvoll ist und welche nicht.
Der Testwagen: BMW 535i (F11) Touring in der Luxury Line.
Der Testwagen: BMW 535i (F11) Touring in der Luxury Line.
Foto: Rene Schmöl

Das Konzept des BMWBMW 5er wird besonders im Vergleich mit dem BMW 3er deutlich. Der 3er ist nicht etwa ein kleiner 5er, sondern ein Sprinter, ein Sportler - sehr agil in Kurven, der aber auch Windgeräusche und Schlaglöcher ungefilterter als der 5er an die Insassen weitergibt. Im 3er spürt man jede Bodenwelle, jedes noch so kleine Schlagloch. Mit dem 5er gleitet man viel entspannter und vor allem leiser über die Unebenheiten hinweg. Der BMW 5er ist somit geschaffen für die Autobahn, für längere Strecken oder schlechtere Straßen. Der Komfort steht beim 5er ganz klar im Vordergrund. Und auch unser Testwagen - ein 535i Touring - hat diese Eigenschaften. Top-500-Firmenprofil für BMW

Interieur

Den Fokus auf Komfort merkt man auch an den etwas gemütlicheren und luftigeren Sitzen. Die Materialanmutung ist um Klassen besser als im BMW 3er. Im 5er-Interieur muss der Fahrer lange nicht so viel Plastik im Sichtbereich hinnehmen wie im 3er. Die Verarbeitung ist auf hohem Niveau. Sowohl ergonomisch als auch in Sachen Funktionalität gibt es nichts zu meckern.

Reihen-6-Zylinder Benzinmotor

Der aufgeladene Reihensechszylinder schickt 306 PS an die Hinterachse. Trotz hoher Leistung und einem Drehmoment von bis zu 400 Newtonmeter hat der Motor mit dem über 1860 kg (Leergewicht mit Automatik ohne Sonderausstattung) schweren 5er gut zu tun. Während man im Inneren aufgrund einer guten Dämmung sehr wenig vom Motor hört, ist die hohe Laufkultur jederzeit spürbar. Mit dem 535i Touring ist man schneller unterwegs als es sich anfühlt. Das zeigt der Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige.

Der Verbrauch ist für diesen großen Benziner in Ordnung. Auf der alltäglichen 16km langen Strecke ins Büro über die Autobahn und durch den Münchner Stadtverkehr errechnet der Reisebordcomputer 10 Liter pro 100 Kilometer. Auf einer längeren Autobahnetappe ohne viel Verkehr gab der Reisbordcomputer einen Verbrauch von 8,9 Liter pro 100 Kilometer an. Bei viel Verkehr und den damit verbundenen vielen Brems- und Beschleunigungsmanövern kamen aber auch mal 12.3 Liter pro 100 Kilometer zusammen.

Steptronic Sport Getriebe

Die Achtgang-Automatik von ZF gehört aktuell zu den besten Automatik-Getrieben am Markt. Auch in Verbindung mit dem Reihen-6-Zylinder Benzinmotor gibt es nichts zu meckern. Die acht Gänge werden unmerklich eingelegt. Viel besser geht es gar nicht mehr. Die Schaltwippen sind jedoch fast immer überflüssig und passen nicht wirklich zu diesem auf Komfort ausgelegten Fahrzeug. Daher könnte man auch das 250 Euro günstigere "Automatic Getriebe Steptronic" nehmen.

Park Distance Control (PDC)

Der 5er ist zwar länger als ein 3er, aber in Verbindung mit PDC kaum unübersichtlicher. In einer engen Tiefgarage ohne die Piepser rangieren zu müssen, bedeutet jedoch Stress. Nicht nur für das Heck, auch für die Front ist diese Zusatzausstattung beim 5er sinnvoll.

Rückfahrkamera

Zusätzlich zu den Parksensoren hinten ist diese Zusatzausstattung zum Beispiel beim Ein- und Ausparken sinnvoll. Auf dem Display sieht man in einer guten Auflösung, was sich hinter dem Fahrzeug befindet. Eingeblendete Parkhilfslinien und Hindernismarkierungen zeigen, wo die Reise im Rückwärtsgang hingeht.

Rückfahrkamera in Aktion
Rückfahrkamera in Aktion
Foto: Rene Schmöl

Adaptiver LED-Scheinwerfer

Das in den Leuchtringen realisierte Abblend- und Fernlicht ist komplett in LED-Technik ausgeführt und mit adaptiver Kurven- und Abbiegelicht-Funktion sowie mit dem Fernlichtassistenten ausgestattet. Auch eine Akzentleuchte, das Tagfahrlicht, der Blinker sowie das Abbiegelicht arbeiten mit der LED-Technik. Der Unterschied zum Xenon-Licht ließ sich besonders bei einer Fahrt durch dichten Nebel erkennen. Während der Nebel das Xenon-Licht viel eher "schluckt", dringt das hellere LED-Licht weiter durch den Nebel hindurch. Verkehrsschilder oder Hindernisse lassen sich damit eher erkennen.

Fernlichtassistent

Der Fernlichtassistent passt den Einsatz des Fernlichts ständig auf die Fahrsituationen an. Auf unserer Testfahrt erkannte das System andere Verkehrsteilnehmer wie Autos und LKWs sehr gut und blendete diese gezielt aus der Fernlichtverteilung aus. Der Vorteil: Man kann viel länger mit Fernlicht fahren. Durch die bessere Sicht kommt auch der ein oder andere "Blindflug" gar nicht mehr vor. Und so sorgt der Fernlichtassistent nicht nur für mehr Licht, sondern auch für ein größeres Sicherheitsgefühl. Fazit: Sehr empfehlenswert.

Fahrwerk

Das Serienfahrwerk ist kein Extra. Dennoch ist es gerade bei diesem DienstwagenDienstwagen erwähnenswert. Es ist komfortabel abgestimmt und bietet auch bei größerer Zuladung Reserven. Fahrbahn-Unebenheiten gibt der 535i nur wenig an die Passagiere weiter. Die für diesen 535i im Serienumfang enthaltene Hinterachsluftfederung mit Niveauregulierung trägt ihren Teil dazu bei. Dennoch ist das Fahrwerk hart genug, um die eine oder andere Kurve dynamisch zu durchfahren. Alles zu Dienstwagen auf CIO.de

Lenkung

Kein Extra aber ein Ärgernis ist die Servotronic - eine elektromechnische Lenkung. Sie vermittelt dem Fahrer ein synthetisches und von der Straße entkoppeltes Gefühl. Die Lenkung ist das größte Manko an diesem 5er. Den direkten Kontakt zur Fahrbahn, wie man ihn von früheren Fahrzeugen mit einer herkömmlichen Servolenkung ohne elektrische Lenkkraftunterstützung kennt, gibt es nicht mehr.

Spurwechselwarnung

Die Spurwechselwarnung informiert den Fahrer bei Geschwindigkeiten ab 20 km/h über mögliche Kollisionen bei einem Spurwechsel. Ein gelb blinkendes Dreieck im Gehäuse des Außenspiegels sowie Vibrationen im Lenkrad warnen den Fahrer gemeinsam vor einer Kollision. Aufpreis: 620 Euro. Den Schulterblick ersetzt das System nicht.

Soft-Close-Automatik für Türen

Die Türen schließen ab einem Spalt von etwa 6 mm sanft. Ein Elektromotor übernimmt diese Aufgabe. Das geschieht leise und ist angenehm. Ob man dieses Extra wirklich braucht, hängt sehr stark vom individuellen Geschmack ab.

Lenkradheizung in Verbindung mit dem Sport-Lederlenkrad

Wer das Lenkrad sicher in der Viertel-vor-drei-Stellung hält, bekommt von der Wärme am Lenkrad nicht viel ab. Die Wärme tritt an den anderen Stellen am Lenkrad aus und verführt so zu einer unsicheren Lenkradhaltung.

Keramikapplikation für Bedienelemente

Besonders angetan waren wir von den Keramikapplikationen. Teile des Gangwahlschalters, die Einfassung des iDrive Controllers sowie die Audio- und Klimabedienregler tragen eine Keramikapplikation. Die Anmutung dieser Teile ist sehr angenehm. Im Gegensatz zu vielen anderen Sonderausstattungen spürt man diese Teile bei jeder Fahrt.

Multifunktionales Instrumentendisplay

In diesem Display werden Fahrzeug-Informationen wie zum Beispiel Drehzahl und Geschwindigkeit unterschiedlich visuell inszeniert - abhängig vom gewählten Fahrmodus. Wenn jedoch das Head-Up Display verbaut ist, schaut man so gut wie gar nicht mehr in das Kombiinstrument. Aufpreis: 390 Euro.

Head-Up Display

Das vollfarbige Head-Up Display ist ein Extra, das vor allem in Verbindung mit dem Navigationssystem sinnvoll ist. Über eine Projektionseinheit, die unter der Instrumententafel sitzt, werden Informationen auf die Frontscheibe projiziert. Diese Informationen umfassen je nach Fahrzeugausstattung unter anderem Fahrzeug-Geschwindigkeit, erlaubte Höchstgeschwindigkeit oder Navigationshinweise. Der Vorteil: Der Fahrer kann seinen Blick auf der Straße lassen und erhält trotzdem Informationen. Das Head-Up Display ist sowohl tagsüber als auch nachts oder bei hoher Sonnenstrahlung gut ablesbar.

Navigationssystem Professional

Das BMW Navigationssystem Professional ist ein einfach zu bedienendes Festplattennavigationssystem. Das iDrive-Bedienkonzept ist logisch und durchdacht. Der 10,2 Zoll große Farbbildschirm mit Splitscreen-Funktion ist groß genug und bietet so eine gute Ablesbarkeit und Übersicht. Das Navigationssystem bietet Reisekarten in dreidimensionaler Optik, mit Satellitenbildern als Kartenhintergrund oder ausgewählte Sehenswürdigkeiten in fotorealistischer Darstellung.

Das Navigationssystem bedient man intuitiv über den iDrive Touch Controller oder per Spracheingabe. Der iDrive Touch Controller ermöglicht eine Handschriftenerkennung zum Eingeben von Zahlen und Buchstaben. Das funktioniert problemlos, aber nicht unbedingt schneller.

Das Navigationssystem beinhaltet das Radio BMW Professional mit DVD-Laufwerk (Audio/Video, MP3-fähig) sowie 20 GB Speicherkapazität für die persönliche Musiksammlung. Besonders in Verbindung mit Real Time Traffic Information ist das Navigationssystem Professional empfehlenswert.

Real Time Traffic Information (RTTI)

Die erste Fahrt in unserem Testwagen endete nach 600 Metern in einem Stau. Genau die richtige Situation, RTTI auszuprobieren. Auf der Karte im Navi war der Stau erkennbar. Also Ziel eingegeben und schon ging es los. Die Route über eine Landstraße war sinnvoll und führte zuverlässig am Stau vorbei. Drei weitere Versuche, einen Stau zu umfahren, waren ebenfalls erfolgreich. Fazit: Empfehlenswert.

Connected Drive Services

Diese Sonderausstattung bietet Dienste und Apps, die den Fahrer während der Fahrt mit Informationen und Entertainment-Angeboten versorgt. Dabei ist das mobile Internetportal BMW Online (inkl. Zugriff auf E-Mails, Wetterinformationen, Nachrichten, Adressauskunftsdienste). Zudem können alle anderen Services und Apps von BMW Connected Drive, wie zum Beispiel der Concierge Service, Internet oder Real Time Traffic Information, optional hinzugebucht werden. Der Vorteil ist die Flexibilität. Die DiensteDienste lassen sich nicht nur einzeln buchen, auch die Zeitspanne ist konfigurierbar. Alles zu Connected Car auf CIO.de

Internet

Will man im Web surfen, wäre es einfacher das Tablet oder das Smartphone aus der Tasche zu holen. Dennoch: Funktionieren tut es. Aber von Website zu Website zu surfen oder gar Artikel im Display zu lesen, will man so nicht wirklich. Diese 100 Euro Aufpreis kann man sparen.

Online Entertainment

Online Entertainment zum Aufpreis von 390 Euro bietet den Zugriff auf über 25 Millionen Musiktitel und auf das gesamte Album eines aktuell im FM-Radio gespielten Titels. Dazu gibt es eine einjährige Musikflatrate für das jeweilige Fahrzeug. Die Musikflatrate kann bei verschiedenen Anbietern eingelöst und auch auf anderen Endgeräten genutzt werden. So lassen sich unbegrenzt Musiktitel herunterladen und auf der fahrzeugeigenen Festplatte speichern. Das klappt alles mühelos. Der Preis ist für diesen Service angemessen.

DAB-Tuner

Insgesamt 100 digitale Programme lassen sich in Deutschland empfangen. Wer viel oder nur Radio im Fahrzeug hört, wird dieses Extra zu schätzen wissen. Gegenüber dem herkömmlichem UKW-Empfang bietet DAB (Digital Audio Broadcasting) den Vorteil einer besseren Klangqualität ähnlich zu CD. Der Aufpreis von 380 Euro ist nicht zu hoch.

Fazit

Dienstwagen sind einerseits Rückzugsort für stressgeplagte Manager, andererseits bieten sie so viele technische Möglichkeiten, dass das Fahren schon wieder Stress verursacht. Für den 5er bietet BMW eine lange Liste an Sonderausstattungen. Ganze 54 Extras im Wert von über 23150 Euro sind in unserem Testwagen verbaut. Der 535i Touring kommt so auf einen Gesamtpreis von 82860 Euro. Doch nicht jede Sonderausstattung ist sinnvoll wie zum Beispiel "Internet". Auch beim Motor empfiehlt sich eher ein starker Diesel. Ein 535d beispielsweise könnte mit dem Kombi müheloser umgehen als der Reihen-6-Zylinder Benzinmotor. Wer jedoch der aktuellen Diskussion um Diesel-Motoren aus dem Weg gehen will, nimmt den Benziner. Welcher Motor auch immer verbaut ist: Der BMW 5er Touring hat mit seinem dezenten Auftritt seinen festen Platz in der Business-Welt.

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