Abwehr

BND will verstärkt gegen Cyber-Attacken vorgehen

18. Mai 2014
Angriffe via Internet bedrohen wichtige Infrastruktur. Und der Wirtschaft entstehen Milliardenschäden. Der Bundesnachrichtendienst verspricht sich durch eine neue Strategie bessere Abwehrmöglichkeiten.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitet an einem Frühwarnsystem gegen Cyber-Attacken über das Internet. Bis zum Jahr 2020 sind dafür rund 300 Millionen Euro veranschlagt. Einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Neues Deutschland" (Samstag) bestätigten Sicherheitskreise am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Geplant ist nach dpa-Informationen der Aufbau eines Informationsringes mit internationalen Partnerdiensten des deutschen Auslandsnachrichtendienstes. So sollen Spionageangriffe über das Internet erkannt werden, bevor sie die Infrastruktur in Deutschland erreichen. Abwehrmechanismen könnten so rechtzeitig in Kraft gesetzt werden.

BND-Präsident Gerhard Schindler hatte die Cyber-Strategie kürzlich während einer Veranstaltung des Bundesamts für Verfassungsschutz umrissen. Dabei hatte er sich vor allem auf die Abwehr von Wirtschaftsspionage bezogen, die nach Schätzungen pro Jahr einen Schaden zwischen 20 und 50 Milliarden Euro in Deutschland verursacht. Bei den BND-Plänen geht es aber nicht nur um die Abwehr von Wirtschaftsspionage, sondern auch um Rezepte gegen Cyberattacken auf kritische Infrastruktur wie etwa die Elektrizitäts- oder Wasserversorgung.

Die Abwehr von Cyberangriffe im Rahmen der technischen Aufklärung des BND in weltweiten Datenströmen - der Datensalat wird damit nach bestimmten Kriterien gefiltert und elektronisch untersucht - wird unter dem Begriff SSCD geführt. Das Kürzel steht für "Sigint Support to Cyber Defense", auf deutsch etwa: technische Fernmeldeaufklärung zur Abwehr von Cyber-Bedrohungen. Wesentlich dabei ist laut Schindler, dass dies im internationalen Verbund stattfindet.

Der BND sucht dabei beispielsweise an Glasfaserkabeln im Ausland in den dort fließenden Datenströmen nach Schadsoftware. Das Besondere an der neuen Strategie: Durch enge internationale Zusammenarbeit vor allem mit europäischen Geheimdiensten, aber auch mit US-Partnern soll die Systematik einer Schadsoftware inklusive möglicher Tarnverfahren bereits erkannt werden, bevor sie Computer in Deutschland angegreift. Entscheidende Voraussetzung für den Erfolg dieser Strategie ist laut Schindler, dass man eine große Datenbasis über mögliche Angreifer, Angriffswege und technische Details hat.

Um das SSCD-System erfolgreich umsetzen zu können, setzt der BND auf eine Optimierung seiner Technik. "Nur mit modernster Hardware können wir den rasanten Entwicklungen im Cyber-Raum folgen", sagte Schindler bei dem Symposium. (dpa/rs)

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