Netze an der Grenze

Booz: Datenflatrate "ein historischer Fehler"

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Mobile Anwendungen bringen die Netze ihrer Belastungsgrenze nahe, warnt Booz. Die Berater schlagen als Alternative zu Flatrates differenzierte Preismodelle vor.
Die rote Linie in dieser Booz-Grafik zeigt die Entwicklung der Flatrate - für die Analysten ein "historischer Fehler".
Die rote Linie in dieser Booz-Grafik zeigt die Entwicklung der Flatrate - für die Analysten ein "historischer Fehler".
Foto: Booz & Company

Die Flatrate frisst ihre Kinder. Sachlicher ausgedrückt: Der Erfolg mobiler Internetanwendungen bringt die Infrastruktur immer häufiger an ihre Belastungsgrenze. Das erklärt Roman Friedrich, Partner und Telekommunikations-Experte bei Booz & Company, München.

Ohne massive zusätzliche Investitionen sei das Limit der bestehenden Netze in Westeuropa in zwei Jahren erreicht, sagt Friedrich. "Um das allein in Deutschland anstehende Investitionsvolumen von über 30 Milliarden Euro für den Ausbau der LTE- und Glasfasernetze aus dem Cashflow finanzieren zu können, muss es den Netzbetreibern schnellstmöglich gelingen, den zunehmenden Traffic in entsprechende Umsätze zu konvertieren", führt er aus.

Alternative: Differenzierte Preismodelle

Friedrich nennt die Erfindung der Datenflatrate einen "historischen Fehler" der Netzbetreiber. Der Consultant hat ausgerechnet, dass lediglich fünf Prozent der Datennutzer 75 Prozent des Datenvolumens eines Anbieters erzeugen. Die "Flatrate-Dominanz", so der Analyst, müsse differenzierten Preis- und Quality-of-Service-Modellen weichen.

Konkret: Wer ein schnelles und sicheres Netz will oder bei Engpässen bevorzugt behandelt werden möchte, soll dafür auch bezahlen. "Nur so können die Telkos wieder substanzielles Wachstum aus dem exponentiell wachsenden Datenaufkommen generieren und ihre Investitionen in die dafür notwendige Infrastruktur refinanzieren", sagt Friedrich.