Die wöchentliche CIO-Kolumne

Breuer und die Bankfabrik

02. Dezember 2002
Heinrich Seeger arbeitet als IT-Fachjournalist und Medienberater in Hamburg. Er hat über 25 Jahre IT-journalistische Erfahrung, unter anderem als Gründungs-Chefredakteur des CIO Magazins. Er entwickelt und moderiert neben seiner journalistischen Arbeit Programme für Konferenzen und Kongresse in den Themenbereichen Enterprise IT und Mobile Development, darunter IT-Strategietage, Open Source Meets Business, droidcon und VDZ Tech Summit. Zudem gehört er als beratendes Mitglied dem IT Executive Club an, einer Community von IT-Entscheidern in der Metropolregion Hamburg.
Bankenverbands-Chef Rolf E. Breuer übt als "Elder Statesman" nun verstärkten Druck in Richtung auf eine Modernisierung des deutschen Banken- und Sparkassenwesens aus. Just erneuerte er die langlebige, in der Umsetzung jedoch offenbar extrem zähe Forderung nach einem gemeinsamen Backoffice der deutschen Geldinstitute, das neben Giro-Transaktionen auch den Wertpapierhandel und einfache Kreditgeschäfte abwickeln könnte.
Heinrich Seeger, Chefredakteur CIO
Heinrich Seeger, Chefredakteur CIO

Die seit Jahren hin- und herwogende Diskussion legt einen Schluss besonders nahe: Offenbar ist eine gemeinsame Transaktionsbank der deutschen Großbanken beziehungsweise eine zentrale Backoffice-Struktur, in der auch Wertpapiere gehandelt und einfache Standard-Kredite abgewickelt werden können, ein echtes Ja-Aber-Thema.

Ja: Die BankenBanken brauchen diesen Zusammenschluss, weil die Abwicklung von Giro- und Wertpapiertransaktionen sowie von Standard-Kreditgeschäften mit geringem Individualisierungsgrad ihnen nicht dabei hilft, sich von den Wettbewerbern zu unterscheiden. Das wiederum macht es betriebswirtschaftlich zwingend, diesen nicht strategischen Geschäftsprozess so kostengünstig wie möglich zu betreiben, sei es gar im OutsourcingOutsourcing und gemeinsam mit der Konkurrenz. Alles zu Outsourcing auf CIO.de Top-Firmen der Branche Banken

Aber: Können die Banken das Risiko eingehen, wichtige Teile ihrer Kundendaten in einem IT-Umfeld zu bearbeiten, das auch von anderen Finanzunternehmen genutzt wird? Und vor allem: Können die sehr stark vom Marken-Image lebenden Geldinstitute es sich leisten, allzu offensichtlich mit der Konkurrenz zu kooperieren? Am Ende klappt es wirklich noch ganz gut, und dann wird es schwierig mit den Argumenten, weshalb nicht schon vorher die eigene Transaktionsfabrik geschlossen wurde, um Überweisungen und Daueraufträge woanders billiger zu erledigen.

Ein Dilemma. Deshalb haben sich die deutschen Banken speziell mit dem Thema Transaktionsbank bislang auch eher halbherzig bis ablehnend befasst. Wobei die Deutsche Bank immerhin einen Schritt gemacht und mit der Europäischen Transaktionsbank eine Giro-Spezialfabrik gegründet hat, verbunden mit der Einladung an die Branche, diese zu nutzen. Gefolgt sind jedoch nur einige kleine Institute, nicht aber die unter ihrer Kostenlast schwankenden Riesen Hypovereinsbank, Commerzbank und Dresdner Bank. Letztere hat übrigens gerade ihren Vorstand "umstrukturiert"; CIO Klaus-Michael Geiger, noch kein Jahr im Amt, übt dieses "aus persönlichen Gründen" nun nicht mehr aus. Ohne Zusammenhang, nur der Vollständigkeit halber: Er hatte sich im Mai 2002 gegenüber CIO zwar gegen eine gemeinsame Transaktionsbank mit Commerzbank und Deutsche Bank ausgesprochen. Eine gemeinsame Zahlungsabwicklung sei jedoch "eventuell machbar".

Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf E. Breuer, der nicht nur dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank, sondern auch dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) vorsitzt, äußerte nun im Gespräch mit dem "Handelsblatt", er erwarte einen Durchbruch "im Bereich Transaction-Banking" noch vor der Mitte des kommenden Jahres. Was ihn so optimistisch macht, dass es ausgerechnet 2003 endlich klappen soll, verriet Breuer jedoch nicht.

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