Für Mail-Junkies, Manager und Vegetarier

Buchtipps zum Weihnachtsfest

13. Dezember 2013
Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Weihnachten steht vor der Tür, Zeit für Bücher, die Sie aus dem Alltag entführen und neue Ideen liefern.

Papa, dein Handy macht Aua

Hat ihre Tochter sich auch mit ähnlichen Worten beschwert, weil sie nebenbei ihre Mails lesen und dabei die Kleine auf der Schaukel zu fest geschubst haben? Vermutlich hat die Autorin Anitra Eggler das Beispiel gut erfunden. Die Lektüre ihres Ratgeber lohnt sich, weist sie doch Wege aus dem Hamsterrad ewiger Verfügbarkeit. Sie bringt ihre Botschaft auf den Punkt und gießt sie in zehn Regeln. „Ständig erreichbar sind nur Sklaven", dieser Satz sitzt.

Anitra Eggler
Anitra Eggler
Foto: Anitra Eggler

Auch sonst hält die selbst ernannte Digital Therapeutin kluge Pointen parat und liefert viele „Aha-Erlebnisse". Dass Eggler früher als Werbetexterin gearbeitet hat, tut dem Buch gut. Sie formuliert frech und klar, weiß, dass Check-Listen gut ankommen und führt mit nicht immer ernst gemeinten Tests und Tipps Online-Junkys vor Augen, was sie alles verpassen. Witzig auch der Link zur Entspannungs-Website (www.donothingfor2minutes.com) für die, die eine digitale Krücke brauchen. Ohne die pfiffigen Ideen der Grafikerin Inge Vorraber würden die 55 Tipps nur halb so viel Spaß machen. Auch für schlechte Power-Point-Vorträge und endlose Meetings liefert sie gute Ideen. Inzwischen ist die logische Fortsetzung „FacebookFacebook macht blöd, blind und erfolglos" erschienen. Alles zu Facebook auf CIO.de

Fazit: Der schnell lesbare und ansprechend gestaltete Ratgeber rettet Sie mit 55 Tipps vor der täglichen Mail-Flut und steigert ihre Produktivität - wenn Sie die Ratschläge auch befolgen.

Anitra Eggler: E-Mail macht dumm, krank und arm. Digitale Therapie für mehr Lebenszeit. Orell Füssli, 2012. 224 Seiten, 19,95 Euro. ISBN 978-3-280-05487-1.

Zusammenhänge verstehen

Heinrich August Winklers „Geschichte des Westens" ist kompliziert, aber fundiert recherchiert und gut lesbar. Der renommierte Historiker verknüpft die europäische und nordamerikanische Geschichte geschickt miteinander und zeigt wechselseitige Verflechtungen und Unterschiede auf. Gerade global agierenden Managern, die zwischen alter und neuer Welt pendeln, beschert die Lektüre weise Einsichten und viel Hintergrundwissen.Wie beide Kontinente das geworden sind, was sie im 21. Jahrhundert auszeichnet, erschließt sich im Laufe der Lektüre. Der Verlag C.H. Beck veröffentlicht zu seinem 250. Geburtstag dieses Geschichtsbuch in einer Sonderausgabe.

Fazit: Perfekte Ohrensessellektüre für eine entspannte Offline-Zeit, die neue Einsichten liefert, was Westeuropa und Nordamerika verbindet. NSA-freie Zone.

Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. C.H. Beck, München, 2013, 1343 Seiten, 24 Euro. ISBN 978-3-406-64437-5.

Die etwas andere Work-Life-Balance

Weshalb sollten Sie sich mit Dienstbotenregeln aus dem Jahr 1870 auseinandersetzen? In eine moderne Sprache übersetzt und an das Arbeitsumfeld des heutigen Angestellten angepasst, könnten sie als „Corporate Identity" oder „Unternehmensleitsätze" durchgehen, etwa der Hinweis „Du sollst leise auftreten und deine Arbeit so geräuschlos wie möglich verrichten". Die so genannten Werte von GoogleGoogle an seine Mitarbeiter klingen ähnlich: „Don´t be sissy: Be productive and result-oriented", also frei übersetzt: „Sei keine Memme, arbeite viel halte ansonsten die Klappe". Alles zu Google auf CIO.de

Filmemacherin Steffi Kammermeier durchforstete für ein Filmprojekt die Fotoalben, Kochbücher und Aufzeichnungen ihrer Vorfahren in Niederbayern, um mehr über eine längst vergangene Epoche zu lernen. Wie Großbauern ihr Leben organisierten, welche Rolle die Jahreszeiten und der Kirchenkalender spielten, was sie aßen und wie sie lebten, das liest sich im 21. Jahrhundert wie der Bericht einer längst vergangenen Zeit. Knechte und Mägde mit besonderen Fertigkeiten wurden schon damals auf den Gutshof gelockt. Heute heißen solche Programme Incentives und Mitarbeiterbindung. Da gutes Personal knapp war, galt es, das Personal gut zu behandeln, damit sie auch fleißig in Küche, Stall und auf dem Feld schufteten. Für Knechte und Mägde gab es Anfang Februar einen Bonus, der „Drangeld" hieß, wenn sie sich verpflichteten, auch im kommenden Jahr den Dienstherrn nicht zu wechseln. Lichtmess Anfang Februar war der Stichtag für alle Jobwechsler.

Fazit: Das schön gestaltete, mit vielen Fotos und Rezepten versehene Buch, inspiriert vielleicht moderne Manager und eignet sich als Geschenk für neugierige Großeltern.

Steffi Kammermeier: Was hamma gessn? Vom Landleben in alter Zeit. Mit 48 deftigen Rezepten – süß & salzig. Volk Verlag, München, 256 Seiten, 19,90 Euro. ISBN 978-3-86222-108-0.

Die eigene Widerstandskraft entdecken

Jährlich steigt die Zahl derjenigen, die aufgrund psychischer Erkrankungen vorübergehend oder dauerhaft aus dem Berufsleben ausscheiden. StressStress im Job kennt fast jeder, doch nicht immer wächst sich eine Überarbeitung zur Burn-out-Erkrankung aus. Manche scheinen selbst schwere Schicksalsschläge besser zu verkraften als andere. Experten sprechen deshalb von „Resilienz", das die Betroffenen vor dem Zusammenbruch schützt. Diese Selbstschutzmechanismen sind zwar bei jedem angelegt, doch bei einigen verkümmert. Die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt machte sich auf die Suche nach Studien, StrategienStrategien und schildert anhand von Beispielen, wie sich andere erfolgreich gegen die Last des Lebens stemmen. Leser können sich Ideen holen, damit ihnen weder Arbeit noch Privatleben über den Kopf wachsen. Alles zu Strategien auf CIO.de Alles zu Stress auf CIO.de

Fazit: Gut lesbar, mit Tipps und Beispielen versehener Ratgeber, mit dem sich verloren gegangenes Wissen über die eigene Widerstandskraft zu Tage fördern lässt.

Christina Berndt: Resilienz. Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2013. 278 Seiten, 14,90 Euro.