Elena Tecchiati

Bühnenreif präsentieren

01. Januar 2015
Wer Powerpoint-Folien abliest, macht sich unbeliebt – und unglaubwürdig. Die Sängerin Elena Tecchiati erklärt, wie Botschaften tatsächlich beim Publikum ankommen. Zehn Tipps vom Bühnenprofi.
Coach und Sängerin Elena Tecchiati bewies beim 10. Jubiläum des CIO-Magazins, dass sie ihre Zuhörer in den Bann ziehen kann.
Coach und Sängerin Elena Tecchiati bewies beim 10. Jubiläum des CIO-Magazins, dass sie ihre Zuhörer in den Bann ziehen kann.
Foto: Joachim Wendler

Einige Leser erinnern sich vielleicht an Elena Tecchiati: Bei der Zehn-Jahres-Feier des CIO-Magazins stand sie mit ihrer Band auf der Bühne. Doch die gebürtige Italienerin ist nicht nur Sängerin, sondern auch Coach. Hier erklärt sie in zehn Schritten, wie Präsentationen kurzweilig geraten:

1. Denken Sie an Ihre Zielgruppe und beantworten Sie kurz drei Fragen.

a. Was soll Ihr Publikum nach der Präsentation unbedingt wissen?

b. Was weiß es heute (Wissensstand checken)?

c. Welche Worte/Fachbegriffe dürfen Sie benutzen, und welche werden Sie erklären müssen?

Wenn Sie das geklärt haben, dann haben Sie schon die Essenz Ihrer Rede zusammengefasst. Diese drei Fragen helfen Ihnen, die wichtigsten Informationen präsent zu haben, um Ihre Ziele erreichen zu können (Thema und Target Group).

2. Fangen Sie mit einem Opener an. Zeigen Sie ein besonderes Foto oder ein Objekt, lesen Sie einen Artikel aus einer Zeitung vor oder zeigen ein Kurzvideo. Machen Sie die Leute auf etwas neugierig, das nicht offensichtlich mit Ihrer Rede zu tun hat. Kurz danach erklären Sie die Verbindung zu Ihrem Thema. Eine Kundin von mir, eine Innenarchitektin, zeigte ein Foto von einem Chamäleon in Schwarz-Weiß, als sie auf einer Möbelmesse ihre Dienstleistungen präsentierte. Sie endete mit demselben Foto, aber nun mit Farben, nachdem sie argumentiert hatte, wie Farben in einer Wohnung wirken könnten.

3. Nutzen Sie mehr Fotos und weniger (Stich-)Worte. Reden Sie frei. Wenn Sie doch viele Worte oder Daten zeigen, geben Sie dem Publikum einige Sekunden Zeit, die Folie zu verstehen. Eine Regel: Die Leute können entweder hören oder lesen, aber gleichzeitig geht das nicht. Allerdings kann Ihr Publikum ein Foto sehen und gleichzeitig zuhören. Bilder können mehr ausdrücken, als wir glauben, und sie sind eine tolle Abwechslung für lange Präsentationen, die viele Fakten und Zahlen beinhalten.

4. Machen Sie Pausen. Wenn wir vor einem Publikum sprechen, kommt uns die Zeit schnell vor (besser: kommt es uns vor, als verginge die Zeit schneller). Viele Redner tendieren dazu, schneller zu reden, empfinden die Pausen als endlos und wollen sie füllen. Pausen sind wie Musik, sie entscheiden, wie der Rhythmus sein soll, sie können Sätzen besondere Wirkungen verleihen. Wenn Sie eine Pause nach einem starken Satz einsetzen, wird dieser Satz auch als stark empfunden. Machen Sie sich keine Sorgen: Eine Pause ist erst dann zu lange, wenn die Leute gehen. Aber Vorsicht: Pausen machen heißt nicht, zu langsam zu reden.

5. Drücken Sie Emotionen in Ihrer Rede aus. Nutzen Sie öfter die "Wir"-Form, wenn Sie von Ihrer Firma und Ihrem Team sprechen, erzählen Sie eine persönliche Geschichte, die Sie sympathisch macht, zeigen Sie Fotos. Das bedeutet nicht, dass Sie keine Zahlen und Daten zeigen sollen, sondern dass Sie ein Gleichgewicht aus Fakten und Gefühlen anbieten. Ihre Rede wirkt persönlicher, interessanter und kurzweiliger.

6. Wiederholen Sie die Kernbotschaft(en) (siehe Punkt 1-a) mit verschiedenen Worten oder Ausdrücken, nutzen Sie Metaphern. Geben Sie Ihren Worten eine besondere Betonung (durch eine besondere Tonhöhe oder Lautstärke), und machen Sie ab und zu einen Schritt nach vorne, während Sie das tun. Das sorgt für bessere Verständlichkeit und Nachhaltigkeit.

7. Bleiben Sie in Dialog mit Ihrem Publikum.

a. Zeigen Sie eine offene, zugewandte Körpersprache.

b. Halten Sie wenig Abstand zum Publikum und vermeiden Sie, hinter einem Pult oder Tisch zu stehen: Das wirkt wie eine Barriere.

c. Stellen Sie Fragen. Falls das Publikum fragt, seien Sie ehrlich mit den Antworten. Wiederholen Sie die Frage, wenn Sie glauben, dass jemand im Publikum sie vielleicht nicht gehört hat, und vergewissern Sie sichdurch Nachfragen, dass Sie sie auch richtig beantwortet und nicht missverstanden haben, etwa: "Habe ichdamit Ihre Frage beantwortet?"

d. Halten Sie Blickkontakt und schauen Sie mindestens ein Mal jeden an (nicht Schulter oder Stirn: Augen!).

e. Referenzieren Sie auf vergangene Gespräche mit Leuten, die Sie im Publikum kennen ("Mit Frau Bauer habe ich öfter darüber diskutiert, ob …").

f. Erwähnen Sie jemanden, den Sie kennen ("Herr Schmidt, Sie meinten im letzten Meeting, dass …").

8. Bereiten Sie ein kurzes Hand-out für Ihre Gäste vor. Betonen Sie dort die Kernbotschaften Ihrer Präsentation. Fügen Sie die Fotos, die Sie gezeigt haben, und Ihre Kontaktdaten hinzu.

9. Öffnen und beenden Sie Ihre Präsentation nicht mit Plattitüden wie "Meine Damen und Herren, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit". Es wirkt langweilig. Seien Sie lieber ehrlich und vielleicht auch witzig: Was würden Sie nun am Ende wirklich sagen? "Liebes Team, schön, dass ich die Möglichkeit gehabt habe, Ihnen das neue, tolle Projekt zu zeigen, und nun weiß ich, dass Sie sich auf Kaffee und Kuchen freuen!"

10. Schließen Sie Ihre Präsentation mit einem Motto, einem Foto, einer Erfolgsstory, einem Video oder einem Song. Was ist Ihr Ziel? Motivieren? Es gibt viele tolle Rocksongs, die Power ausdrücken! Oder möchten Sie inspirieren? Sie haben sicherlich eine Erfolgsgeschichte und ein schönes Foto dazu an der Hand.

Zeigen Sie durch Ihre nächste Präsentation eine offene und kreative Seite Ihrer Persönlichkeit und bleiben Sie nicht an Ihrer PowerPoint-Vorlage hängen. Präsentieren heißt nicht vorlesen …

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und stehe gern für Fragen zur Verfügung.

Elena Tecchiati, www.cdc-leadership.com

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"Rhetorik 2.0" (Präsentieren mit dem iPad)

"So würde Hitchcock präsentieren" (Buchtipp)

"Ohne Angst auf Englisch präsentieren" (Ratgeber)

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