Die wöchentliche CIO-Kolumne

Business Intelligence - Luftwort mit hartem Kern

03. Juni 2002
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Die Rechenleistung steigt stetig: IBM hat gerade seinen bisher teuersten Computer mit knapp 3000 Prozessoren an amerikanische Wetter-Forscher verkauft. Das Distributed-Computing-Projekt Seti, das seit 1984 das interstellare Funkrauschen nach Anzeichen extraterrestrischer Intelligenz durchsucht, hat bald eine Million CPU-Jahre abgeleistet. CIOs sollten sich aber nicht von der schieren Rechenpower blenden lassen. Wer in der Weite des technisch Machbaren Daten verstreut, muss sie später wieder einfangen, und sei es mit teuren Business-Intelligence-Programmen.
Horst Ellermann
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Gestern verkündete ein Geologe der Universität Berkeley, dass das Projekt Seti (Search for Extraterrestrial Intelligence) bald eine Million CPU-Jahre - also soviel wie ein Pentium-90-Prozessor in einer Million Jahren - für die Suche nach Außerirdischen gerechnet hat. Diese zusammengeschaltete Power hunderttausender privater PCs in aller Welt ermöglicht echtes Zahlenfressen: Selbst größte Daten-Müllhalden von Radiowellen aus dem All lassen sich so bearbeiten. Ob Seti dabei Anzeichen von Intelligenz im Weltraum findet, ist allerdings ebenso spannend wie bis auf weiteres sicher nutzlos für den Alltag. CIOs forschen eher nach Anzeichen von Intelligenz in der eigenen Firma - und die lässt sich schon schwierig genug finden. Business Intelligence (BI) kann dabei zwar helfen, allerdings erst, wenn die Begriffsverwirrung um das Buzz-Word aufgeklärt wird.

Bodo Cramer von der Meta Group Deutschland, macht sich gerade verdient um mehr Schärfe im IT-Vokabular: "BI bezeichnet die Transformation operativer Daten in entscheidungsrelevantes Wissen", erklärte der Senior Consultant auf der Auftaktveranstaltung einer Roadshow von IBMIBM und Microstrategy zum Thema. Unter diese Definition fallen zwar nahezu alle Anbieter von Software - jedenfalls würden sie dies für sich in Anspruch nehmen -, der Vorteil von Cramers Worten liegt aber in einer Rückbesinnung auf das Wesentliche. Es geht bei BI nicht darum, einer Boom-Branche mit voraussichtlich vier Milliarden Dollar Umsatz am Endes dieses Jahres noch mehr Geld für schicke Knowledge-Management-Werkzeuge in den Rachen zu schmeißen. Es geht um die simple Frage: Wie lege ich dem Vorstand möglichst schnell relevante und möglichst einheitlich aufbereitete Daten vor? Alles zu IBM auf CIO.de

Vielleicht reichen die bereits gekauften BI-Lizenzen dafür ja bereits aus. Immerhin 15 Prozent davon liegen noch ungenutzt in den Schubladen, schätzt Cramer. Voraussichtlich im Juli will er alle Ergebnisse seiner Umfrage unter 250 befragten BI-Spezialisten aus Deutschland öffentlich machen. Ein paar Ergebnisse verrät Cramer aber jetzt schon: "BI-Projekte sind besser als ihr Ruf: 59 Prozent davon bleiben im geplanten Budget-Rahmen, und 46 Prozent halten die vorgegebene Dauer ein." Das wäre erstaunlich. Schließlich sind gerade Knowledge-Management-Projekte, die laut Cramer zum Kern von BI gehören müssten, immer gerne über ihren Zeit- und Geldrahmen hinausgewachsen. Aber vielleicht ist den Befragten auch nicht klar geworden, dass die ehemals mit KM bezeichneten ProjekteProjekte jetzt auch unter der BI-Flagge segeln. Das alles könnte eine Folge der "Ba-BI-lonischen Sprachverwirrung" sein, wie Cramer es nennt. Über sie urteilt der promovierte Physiker, der trennscharfe Sprache gewohnt ist: "Besser, es hätte den Begriff BI nie gegeben." Alles zu Projekte auf CIO.de

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Themen: IBM und Projekte

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