Office System 2007 als Infrastrukturplattform

Business-Zutritt mit Office

31. August 2006
Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Die Business-Suite „Dynamics“ kommt bei Großkunden nicht an. Deshalb schickt Microsoft nun Office 2007 ins ERP Rennen – als Front-End für SAP und Oracle oder als komplette Business-Lösung.

Aus Sicht von MicrosoftMicrosoft stellt sich der Markt für Unternehmenssoftware wie eine Festung dar, gegen die man beharrlich, aber nicht wirklich erfolgreich anrennt. Auch mit dem „Dynamics“ genannten bunten ERP-Portfolio ist vom großen Schlag gegen SAP und OracleOracle nichts zu spüren. Das wundert den Experton-Analysten Rüdiger Spies nicht: „Microsoft ging von der falschen Annahme aus, man müsse nur ein paar ERPHersteller übernehmen und alles modularisiert auf die .NET-Plattform übertragen, den Rest würde der Markt schon richten.“ Während diese Strategie bei kleinen und mittleren Unternehmen durchaus funktioniert, zeigten Großunternehmen bisher wenig Interesse an den Microsoft-Angeboten. Statt weiter alles auf die Dynamics-Karte zu setzen, versuchen es die Redmonder nun mit einer Erweiterung ihrer wohlbekannten Bürosoftware, die voraussichtlich Ende 2006 unter dem Namen „Office System 2007“ Premiere feiern soll. Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Oracle auf CIO.de

Tatsächlich hat die Desktop-Cashcow eine umfassende Überarbeitung erfahren: Neben einer neu gestalteten Benutzeroberfläche erweitern Server- und Schnittstellen das einstige Bürowerkzeug zu einer Infrastrukturplattform, mit der Geschäftsanwendungen integriert und neue Branchenlösungen entwickelt werden sollen. In Richtung Backend bildet dabei der erweiterte Sharepoint-Server 2007 die große Klammer – mit den Schwerpunkten Content Management, Workflow- und Prozessmanagement, Business IntelligenceBusiness Intelligence und Suche. Am Arbeitsplatz finden die Anwender zwar weiterhin Word, Excel, Outlook und Powerpoint vor, doch stellen diese Anwendungen nun auch einen Baukasten für Programmierer dar. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

SAP und Oracle hinken hinterher

In der Kombination aus XML-Datenformaten sowie einer frei programmier- und konfigurierbaren Benutzeroberfläche ermöglicht Office 2007 individuelle Entwicklungen. Als neuen Terminus führt Microsoft dazu „Office Business Applikationen“ (OBA) ein. Als Hauptvorteil gegenüber der Konkurrenz preist Microsoft die vertraute und leicht zu bedienende Oberfläche. Office soll deshalb in Unternehmen auch als neue Benutzeroberfläche für Geschäftsanwendungen zum Einsatz kommen und Front-Ends wie Portale ablösen. Spiess bestätigt diese Stärke Microsofts: „SAPSAP hat deren Ease-of-Use noch nicht erreicht, und Oracle ist weit weg davon.“ Alles zu SAP auf CIO.de

Kernstück der Office Business Applikationen ist der Business Data Catalog (BDC), ein Bestandteil des Sharepoint-Servers. Laut Forrester-Analyst John Rymer handelt es sich bei BDC um eine konsequente Fortsetzung des altbekannten EAI-Konzepts (Enterprise Application Integration), die im Kontext Service-orientierter Architekturen (SOA) zu einer weiteren Vereinfachung der Anwendungsintegration führen wird: „Das Problem von EAI ist, dass es mit sehr komplexer Programmierarbeit verbunden ist“, erläutert Rymer. „BDC hingegen bietet die Möglichkeit, Daten in Form allgemeingültiger Geschäftsbegriffe wie Rechnung, Bestellung oder Kunde zu definieren und in einer ERP-Umgebung den Benutzern und Programmierern zu Verfügung zu stellen.“

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