Langzeitarchivierung

CDs sind die dümmste Lösung

06. Mai 2008
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Speichertechnik veraltet immer schneller. Medien halten kaum mehr als zehn Jahre. Projekte aus Kultur und Wissenschaft versuchen, das Problem in den Griff zu kriegen.
Schriftgut des 16. Jahrhunderts, eingescant für die Bayerische Staatsbibliothek.
Schriftgut des 16. Jahrhunderts, eingescant für die Bayerische Staatsbibliothek.

Das Deutsche Musikarchiv hat bereits leidvoll erfahren, wie kurzlebig Speichermedien sein können: Dort sind 200 Musik-CDs unbrauchbar geworden, die zwischen 1983 und 1986 zur Archivierung eingegangen sind - in knapp 25 Jahren zerstört durch aggressive Lacke des Label-Aufdrucks. Doch auch ohne solche schädlichen Einflüsse halten Speichermedien nur sehr begrenzte Zeit. Selbst gebrannte CDs schaffen nur fünf bis zehn Jahre, Bänder verlieren ihre Magnetisierung nach 20 bis 30 Jahren. Und wie lange Festplatten halten, hängt extrem von ihren Einsatzbedingungen ab. Sicher ist: Bei keinem digitalen Speichermedium kann hundertprozentig gewährleistet werden, dass es nach mehr als zehn Jahren noch gelesen werden kann.

Neben der Haltbarkeit des Mediums ist das zweite große Problem die Formatfrage. Wer kann sicherstellen, dass es Formate wie .doc oder .xls in zehn oder 20 Jahren noch gibt? Was passiert, wenn PDF-Dokumente nicht mehr geöffnet werden können? Und es gibt noch ein weiteres, drittes Problem: Im Gegensatz zu Print-Produkten können elektronisch gespeicherte Informationen ohne ein geeignetes Lesegerät überhaupt nicht dargestellt werden. Neuere Rechner haben überhaupt kein Diskettenlaufwerk, in zehn Jahren gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit auch keine CD- und DVD-Laufwerke mehr. Dass die Lesegeräte über viele Jahre hinweg verfügbar sind, dafür gibt niemand eine Garantie. Das musste schon die NASA in den 90er-Jahren lernen, als sich auf Daten der Saturn-Mission der Raumsonde "Pioneer" nicht mehr zugreifen konnte. Trotz redundanter Speicherung auf verschiedenen Datenträgertypen waren keine entsprechenden Lesegeräte mehr vorhanden.

Unesco will digitales Erbe bewahren

Da digitale Daten inzwischen zentraler Bestandteil der kulturellen und wissenschaftlichen Überlieferung sind, haben Hochschulen, wissenschaftliche Rechenzentren, Museen und vor allem Bibliotheken als Träger des nationalen Kulturgutes ein besonderes Interesse am Thema Langzeitarchivierung. Die letzten Ignoranten hat die Unesco 2003 mit ihrer "Charta on the Preservation of the Digital Heritage" wach gerüttelt. Die Charta betont in Artikel 1 den dauerhaften Wert und die Bedeutung vieler digitaler Materialien als Teil des kulturellen Erbes, das für künftige Generationen geschützt und bewahrt werden muss. Zum digitalen Erbe gehören neben Texten, Fotografien, Musik, Filmen und Multimedia-Werken beispielsweise auch Web-Seiten und elektronisches Verwaltungsschriftgut.

Hoffnungsträger Nestor und Kopal

Mittlerweile gibt es verschiedene ProjekteProjekte und Initiativen, die sich in Europa und den USA damit befassen, wie sich digitale Daten als Quellen für Wissenschaft und Forschung langfristig verfügbar halten lassen. In Deutschland sind dies vor allem das "Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und Langzeitverfügbarkeit digitaler Ressourcen" - kurz: Nestor - sowie das Projekt kopal ("Kooperativer Aufbau eines Langzeitarchivs digitaler Informationen"). Kopal leistet Pionierarbeit, indem ein Langzeitarchiv für die zersplitterte deutsche Verlags- und Bibliothekslandschaft aufgebaut wird. Um eine einheitliche Archivierungsplattform für die verschiedenen, von den Verlagen eingesetzten Dokumententypen zur Verfügung zu stellen, hat Kopal eine offene Plattform entwickelt, die alle gängigen Formate einschließt. Alles zu Projekte auf CIO.de

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