Milliardendeal

Charter formt mit Time Warner Cable neuen US-Kabelriesen

27. Mai 2015
Im zweiten Anlauf soll es klappen: Der US-Medienkonzern Charter Communications will mit der milliardenschweren Übernahme des größeren Rivalen Time Warner Cable (TWC) einen neuen Kabelriesen schmieden.

Dafür legt Charter nicht nur 55 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 50,5 Milliarden Euro) in bar und Aktien für TWC auf den Tisch, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Darüber hinaus kauft Charter noch den kleineren Kabelanbieter Bright House Networks für rund 10,4 Milliarden Dollar dazu. Der komplette Deal braucht noch den Segen der US-Aufsichtsbehörden.

Foto: Charter

Charter ist der viertgrößte Kabelanbieter in den USA, Time Warner Cable die Nummer zwei. Der Zusammenschluss dürfte aber kein Selbstläufer werden: Die Kartellwächter hatten bereits eine Übernahme von Time Warner Cable durch Comcast so kritisch gesehen, dass der US-Marktführer das Vorhaben im April abblies. Vor der Comcast-Offerte hatte auch Charter bereits einmal für TWC geboten, war aber abgeblitzt.

Über ein erneutes Kaufinteresse von Charter war schon seit einiger Zeit spekuliert worden. Zuletzt war Eile geboten, weil vergangene Woche auch der französisch-israelische Milliardär Patrick Drahi mit seinem luxemburgischen Kabelkonzern Altice ein Auge auf TWC geworfen haben soll. Das half wohl auch der Zahlungsbereitschaft von Charter auf die Beine: Comcast hatte bis zuletzt nur rund 45 Milliarden Dollar für TWC geboten. Einige Analysten werteten den nun gebotenen Preis demzufolge als hoch.

Größter Aktionär von Charter Communications ist mit gut einem Viertel der US-Kabelmilliardär John Malone, der auch bei der vor allem in Europa vertretenen Unitymedia-Mutter Liberty Global die Fäden zieht.

Der Kabelmilliardär John Malone zieht auch bei Charter die Strippen.
Der Kabelmilliardär John Malone zieht auch bei Charter die Strippen.

In den USA setzt Charter mit dem milliardenschweren Deal auf die künftige Nachfrage nach schnellen Datenverbindungen. Den Kabelmultis setzte zuletzt vor allem die Konkurrenz von Streaming-Videodiensten wie Netflix und AmazonAmazon zu - die Verbraucher müssen sich bei ihnen nicht an festgelegten Sendezeiten orientieren. Die sogenannten "Cordcutters" - also solche Verbraucher, die den Kabelvertrag kündigen und vorwiegend Online-Plattformen zum Fernsehen nutzen - sind zum geflügelten Begriff geworden. Auch TWC und andere Kabelkonzerne bieten mittlerweile Streaming an. Alles zu Amazon auf CIO.de

Der Kabelmarkt befindet sich derzeit nahezu weltweit im Übernahmefieber. Malone goss zuletzt mit Aussagen zu einem möglichen Zusammenschluss mit dem britischen Mobilfunker VodafoneVodafone neues Öl ins Feuer. In Europa kaufen sich vor allem die Telekomkonzerne wieder stärker Kabelnetze ein, um dem Umsatzschwund im Mobilfunk der vergangenen Jahre etwas entgegenzusetzen. So leistete sich Vodafone etwa jeweils für Milliardenbeträge Kabel Deutschland und den spanischen Anbieter Ono. Top-500-Firmenprofil für Vodafone

Mit Time Warner Cable würde Charter seine Kundenzahl rund vervierfachen. Zwölf Millionen neue Kundenverträge in begehrten Märkten wie unter anderem New York City, Dallas und Los Angeles kämen hinzu. Inklusive Bright House soll das Unternehmen dann knapp 24 Millionen Kunden in 41 US-Staaten haben. Das gibt den Kabelkonzernen in Vertragsgesprächen mit TV-Sendern und Fernsehstudios mehr Verhandlungsmacht. (dpa/tc)

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