Führungskräfte bei Trivago

Chefs ohne Titel und Vorzimmerdame

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
50.000 Bewerbungen erhält das 2005 gegründete Unternehmen Trivago pro Jahr. Bei dem Hotelvergleichsportal arbeiten rund 1.000 Kollegen, die 60 Nationalitäten haben – aber keiner einen Titel. Gründer Rolf Schrömgens und HR-Chefin Anna Drüing setzen auf Kommunikation.
Das junge Unternehmen Trivago will so bunt sein wie das Firmenlogo.
Das junge Unternehmen Trivago will so bunt sein wie das Firmenlogo.
Foto: Trivago

"No, this is not typical for Germany", lacht der junge Mann und dreht sich zu seiner neuen asiatischen Kollegin um, "this is typical for Dusseldorf!" Die Kollegin lacht auch. An Damen, die bei 25 Grad mit echtem Pelzkragen zum Sommerkleid am Rhein entlang stöckeln, wird sie sich ebenso gewöhnen wie an das Düsseldorfer Alt.

Und wenn sie Fragen hat - sei es in modischen oder kulinarischen Belangen, sei es bezüglich der firmeneigenen CollaborationCollaboration Tools - kann sie sich jederzeit an ihren "Buddy" wenden. Die junge Frau hat gerade bei der Hotel-Metasuche Trivago angefangen. Die erste Woche ist "Onboarding Week", damit sich die Technical Account Managerin in die Firmenkultur einleben kann. Das "Buddy-System" ist Teil dieser Eingewöhnung. Alles zu Collaboration auf CIO.de

In der Düsseldorfer Firmenzentrale arbeiten 90 Prozent der mehr als 1.000 Angestellten. Diese verteilen sich auf mehr als 60 Nationalitäten. Unternehmenssprache ist daher Englisch. Wer für das Alltagsleben wie etwa den Gang zum Supermarkt einen Deutschlehrer braucht, bekommt ihn. Das Durchschnittsalter liegt bei 29, aber es gibt auch Kollegen von Ende 50. Wer nicht am Rhein arbeitet, sitzt in Leipzig, Amsterdam oder Palma de Mallorca. So bunt wie das Logo will Trivago denn auch die Unternehmenskultur verstanden wissen.

"Bei uns soll jeder Mitarbeiter seine Ideen einbringen können, denn wir glauben, dass alle Menschen gute Ideen haben, unabhängig von ihrer Aufgabe", sagt Anna Drüing. Sie verantwortet Human Ressources bei dem 2005 gegründeten Unternehmen. "Als Führungskraft muss man das natürlich vorleben", so Drüing weiter.

Weniger Hierarchie heißt mehr Sicherheit

Wobei man die Führungskräfte bei Trivago schon suchen muss. Sie lassen sich nicht von Vorzimmerdamen abschirmen, sondern sitzen mit den anderen im Teambüro. Haben sie etwas zu besprechen, schnappen sie sich ihren Laptop - Tower gibt es keine - und platzieren sich beim jeweiligen Projektteam. Titel haben sie auch nicht. "Es gibt bei uns keinen 'Head of' oder Ähnliches", berichtet Drüing, "und natürlich duzen wir uns.

Kommunikation soll barrierefrei sein." Sie erwähnt eine Studie einer asiatischen Fluglinie, wonach die Flugsicherheit höher sei, wenn Pilot und Co-Pilot auf Augenhöhe miteinander sprächen. Es ist nun einmal leichter, jemanden zu sagen "Ich glaube, Du machst da gerade einen Fehler" als "Entschuldigen Sie bitte, aber könnte es eventuell sein, dass da etwas nicht stimmt".

Drüing unterscheidet grundsätzlich zwischen Organisationsstruktur und Hierarchie. Organisationsstruktur heißt, dass jeder weiß, was er tut und warum. Mit einer klassischen Hierarchie habe das nichts zu tun.

Auf der technologischen Seite unterstützt Trivago die Vision der partnerschaftlichen PersonalführungPersonalführung mit Tools. Dazu zählen Skype for Business und Office 365 von Microsoft, Slack Instant Messenger ("Die E-Mail ist bei uns schon fast nicht mehr existent") oder Confluence und Jira von Atlassian. "Natürlich wäre es schön, wenn es ein Tool für alles gäbe", seufzt Drüing. Bei der Auswahl der Werkzeuge zählt vor allem eins: Nutzerfreundlichkeit. Name oder Größe des Anbieters interessieren am Wenigsten, sagt die Managerin. Kann keiner die gewünschte Lösung liefern, programmiert Trivago eben selbst. Alles zu Personalführung auf CIO.de

Ziel der Technologie ist immer, allen Angestellten möglichst viel Transparenz und Einsicht in die Arbeit des gesamten Unternehmens zu geben. Dass das Mitarbeiter überfordern kann, weiß Drüing. Sie nennt es "die Herausforderung, zwischen all den Informationen das rauszupicken, was man braucht". Ganz bewusst verzichtet Trivago auf Filter, denn "Filtern nimmt viel weg", gibt Drüing zu bedenken. Sie will, dass die Mitarbeiter aktiv mit den vielen Informationen umgehen und immer wieder lernen, das für sich relevante Wissen rauszusuchen.

Links zum Artikel

Kommentare zum Artikel

SaschaThattil

Spannend. Englisch scheint immer mehr zur Unternehmenssprache in Firmen in Deutschland zu werden. So kann man dann auch einfacher Global zusammenarbeiten. Deutsch ist ja oftmals auch der hindernde Faktor für qualifizierte Fachkräfte ihr Potenzial mit einzubringen.

Trviago scheint es auch sonst richtig zu machen.

comments powered by Disqus
Zur Startseite