Austauschbare IT-Chefs

CIO doesn’t matter

03. November 2006
Von Andreas Schmitz
2003 schrieb Nicolas Carr „IT doesn’t matter“ – und er traf die CIO-Community ins Mark. Dass IT wichtig ist, ist heute geklärt. Jetzt muss der CIO selbst um seine Sonderrolle kämpfen, meinen Walter Brenner und Christoph Witte.

Der CIO ist ein Mensch wie jeder andere: Weshalb sollte er sich verändern wollen, wenn es doch kaum jemand gerne tut? Doch jetzt muss er sich entscheiden und zwangsläufig verändern. Ob er künftig primär im Business mitmischen oder der Herr über die Technik sein will, so die Kernthese des Buches. Dass ein CIO auch im Business mitmischen soll, ist nicht neu, aber dass er sich klar entscheiden soll, schon. Denn bisher entstand doch sehr der Eindruck, dass der Spagat zwischen den beiden Polen erwünscht, wenn nicht gar gefordert wird.

Folgt man der Argumentation des Buches, so gibt es dazwischen künftig nichts mehr. Keinen Moderator zwischen den Fronten, wie sich etwa die ehemalige CIO von Panalpina Monika Ribar einmal verstand, die jetzt als CEO die Geschicke des Schweizer Logistikkonzerns leitet. Auch Alexander Röder, CIO vom Mobilfunkspezialist O2, hat inzwischen Neues im Sinn und den Bereich Technologie-Management übernommen. Damit kommt seine Funktion eher der eines CTOs nahe, er nennt sich allerdings noch CIO. Wie lange noch?

Kernfrage: Business oder Technik?

Klar sei, dass es den klassischen CIO in Doppelrolle künftig nicht mehr geben wird. „Obwohl die IT immer mehr Bereiche und Prozesse durchdringt, wird sie ihre Sonderrolle in den Unternehmen verlieren“, schreiben die Autoren und schließen die vorsichtige Vermutung an, dass „ihre Verortung in der IT einen Bedeutungsverlust ihrer Rolle innerhalb des Unternehmens mit sich bringen wird“.

Dabei muss gar nichts vermutet oder vorsichtig hervorgebracht werden. Denn im späteren Verlauf des Buches, das unter anderem die Rollenevolution des CIOs in die Zukunft entwickelt, wird glasklar: Es wird den obersten IT-Verantwortlichen in Form eines Geschäftsführers eines Shared Service Centers noch geben, einer Position, die Andreas Resch als Chef der Bayer Business Services bereits innehat, oder in Form des Geschäftsführers eines IT-Service-Providers. Man denke an Lothar Pauly von der Deutschen Telekom, langjähriger Kopf des Dienstleisters T-Systems, der zudem die Telekom bedient.

Als dritte Variante offerieren die Autoren den „CIO als Mitgestalter von Geschäftsmodellen“: Genau genommen ist das kein CIO mehr, sondern ein ganz gewöhnlicher Manager oder Top-Manager, den IT-Themen interessieren und der versteht, wofür IT gut ist. Wo also bleibt der CIO?