Strategien


Apple Car keine Gefahr

CIO Lorenz und der "Porsche to go"

22. Januar 2016
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Das Apple Car wird nicht Porsche angreifen. Doch die digitale Transformation geht an den Stuttgartern nicht vorbei. CIO Sven Lorenz über den Rollenwandel.
Sven Lorenz ist seit 14 Jahren CIO bei Porsche.
Sven Lorenz ist seit 14 Jahren CIO bei Porsche.
Foto: Privat

"Den 'Porsche to go' wird's wohl nicht geben", grinst Sven LorenzSven Lorenz, CIO bei dem Stuttgarter Autobauer. Um sich gleich zu korrigieren: "Wobei - sie können einen Wagen bei uns mieten und zwei Tage lang durch den Schwarzwald fahren!" Und insofern entwickle sich Porsche, obwohl "eigentlich ein Hardwarehersteller", vielleicht doch zum Mobilitätsdienstleister. Über diesen Wandel und den der CIO-Rolle spricht Lorenz Ende Januar auf einer Tagung vom "Handelsblatt". Profil von Sven Lorenz im CIO-Netzwerk

Seit vierzehn Jahren arbeitet Lorenz als CIO bei Porsche. Vierzehn Jahre Reise von der damaligen "IT does not matter"-These bis zur aktuellen Diskussion rund um DigitalisierungDigitalisierung. Mit der wiederum habe er zunächst gar nichts anfangen können, so Lorenz. Schließlich sei einem Informatiker der Begriff Digitalisierung so geläufig wie dem Betriebswirt "Umsatz" oder "Ertrag". Inzwischen jedoch befürwortet er die Debatte. Weil sie Awareness schaffe. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

In seinem Unternehmen hieß das, zunächst einmal die Frage zu klären: Was verstehen wir unter Digitalisierung? Konkretisiert hat der Autobauer den sperrigen Begriff in drei Punkten:

Digital Dynamics: "Porschekunden sind zu rund 80 Prozent iPhone-Nutzer", weiß Lorenz. Sie interessieren sich für Themen wie Smart Home und sehen sich als First Mover in Bezug auf neue Technologien. Auf Unternehmensseite wiederum beobachtet man, wie Plattformen die eigene Handelsorganisation auf den Kopf stellen. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Vertrieb und Marketing.

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Digital Content: Dieser Punkt unterteilt sich in die Unterpunkte Produktion und Logistik - etwa die RFID-basierte Steuerung der Montage - sowie Kunde/Handel und Produkte/Services. Stichwort Kunde: Lorenz ist stolz auf sein CRM-System (Customer Relationship Management). SAP HANA ermögliche treffgenaue Angebote. "Wir wissen, wem wir wann einen Panamera anbieten sollten", so der CIO. Unter Produkte/Services laufen Projekte rund um das Connected CarConnected Car. Alles zu Connected Car auf CIO.de

Digital Mindset: Wie digital-ready ist das Unternehmen - diese Frage klärte Porsche mit Unterstützung der Hochschule St. Gallen. Lorenz will das Analyse-Werkzeug der Hochschule allerdings nicht im Sinne eines Benchmark verstanden wissen. Ihm ging es mehr darum, herauszufinden, wie er als CIO sowie die Fachabteilungen und die Geschäftsleitung zum Thema digitale Transformation stehen. "Da hat sich dann gezeigt, dass Marketing, Vertrieb und IT die Fähigkeiten überraschend gleich einschätzen", berichtet er.

Diese ganze Diskussion spiegele sich in der Porsche Strategie 2025, so Lorenz weiter. Diese richtet sich nach einem Fünf-Stufen-Modell: Ganz oben steht die Unternehmensstrategie, gefolgt von der Markenstrategie. Danach reichen sich die Produktstrategie und dann bereits die digitale Transformation ein - noch vor den individuellen Ressortstrategien.

Der CIO als Dirigent der Digitalisierung

Digitalisierung zieht sich bei den Stuttgartern also durch das komplette Unternehmen. Über seine eigene Rolle sagt Lorenz: "Der CIO führt die digitale Transformation an. Er agiert dabei wie ein Dirigent. Die operative Umsetzung erledigen die jeweiligen Fachabteilungen selbst." Wie stark Lorenz in dieser Führungsfunktion wahrgenommen wird, zeigt der Anstieg seiner Gespräche mit dem Vorstand. Diese Termine haben sich in den vergangenen sechs Jahren verfünffacht. Ein weiteres Ergebnis seiner engen Zusammenarbeit mit Fachabteilungen: "Ich mache mit einem großen Teil meines Budgets auch Produktentwicklung."

Eine der Fragen, die nun anstehen, ist der Umgang mit Kundendaten, etwa beim Austausch mit Connectivity-Partnern wie AppleApple Carplay. "Wir sind da konservativ", betont Lorenz. Er hat den Ehrgeiz, möglichst viele Funktionalitäten selbst herzustellen, um selten Daten weitergeben zu müssen. Lässt sich das nicht vermeiden, gilt das Gebot oberster Transparenz gegenüber dem Kunden. Alles zu Apple auf CIO.de

Nichts geht über einen "echten" Porsche

Stichwort Apple: Lorenz weiß, dass "die digitalen Herausforderer immer schneller sind". Er glaubt aber nicht, dass ein Apple Car eine Marke wie Porsche angreifen kann. Auch dürfte der Mythos Porsche der Digitalisierung Grenzen setzen: Natürlich gebe es gute Simulatoren, sagt der IT-Chef. Dennoch: die Erlebniscenter des Unternehmens seien voll von Leuten, die eben doch unbedingt einmal eine Runde in einem echten PorschePorsche drehen wollen. Top-500-Firmenprofil für Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

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