Strategien


Studie von Harvey Nash und KPMG

CIOs so zufrieden wie nie

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
CIOs sind mit ihrem Job so zufrieden wie nie seit 17 Jahren. Bei der Digitalisierung behaupten sie sich immer besser gegenüber dem Marketing, so das Ergebnis des CIO Survey 2015 von Harvey Nash und KPMG.
Die Grafik zeigt, in welchen Bereichen sich der Fachkräftemangel im vergangenen Jahr verschärft und wo er sich entspannt hat.
Die Grafik zeigt, in welchen Bereichen sich der Fachkräftemangel im vergangenen Jahr verschärft und wo er sich entspannt hat.
Foto: Harvey Nash Group

CIOs haben verlorenes Terrain zurückerobert respektive neues Gelände gewonnen. Gemeint ist die "Ownership" der Digitalisierung in den Unternehmen. Bislang befand sich diese weithin im Beritt der Marketingabteilungen, doch in jüngster Zeit wanderte sie immer mehr in den Verantwortungsbereich der IT. Das geht aus der Studie "CIO Survey 2015" von Harvey Nash und KPMG hervor.

Demnach gehörte noch 2014 in zwei Fünftel der Firmen weltweit die Digitalisierung ausschließlich dem Marketing; der Anteil sank binnen eines Jahres um 16 Prozentpunkte auf 24 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Unternehmen mit IT-Ownership von 10 auf 18 Prozent. Immer häufiger ist die Digitalisierung auch eine gemeinsame Angelegenheit. Die sich bislang eher fremden Abteilungen für IT und Marketing lernen, als Partner auf Augenhöhe gemeinsam zu agieren.

"Frappierend ist das Tempo des Wandels"

Das ist eine der vielen Erkenntnisse, die die Studie liefert. Befragt wurden rund 3700 IT-Führungskräfte aus mehr als dreißig Ländern. Und die Ergebnisse der Befragung spiegeln einerseits durchaus Bedeutungsgewinne für den CIO wider, andererseits auch hochgradig dynamische Veränderungen, die mit Unsicherheit einhergehen. "Frappierend ist das Tempo des Wandels", kommentiert die Resultate Albert Ellis, CEO der Harvey Nash Group. "Seit 17 Jahren erheben wir unsere Studie - und noch nie hat eine neue Rolle so schnell an Gewicht gewonnen wie die des Chief Digital Officers."

Und noch nie habe der Bedarf an einem speziellen Skill-Profil so rasant zugelegt wie derzeit bei Big Data & Analytics. Manchmal führe das zu Reibungen, Unsicherheit und FachkräftemangelFachkräftemangel. "Aber für einen CIO mit Einfluss, Verbindungen und der technischen Fähigkeit, alles zusammenzuführen, sind das spannende Zeiten", so Ellis. Alles zu Fachkräftemangel auf CIO.de

Digitalisierung führt zu starken Veränderungen

Einige Schlaglichter dieser Entwicklung: Zwei Drittel der befragten IT-Chefs sagen, dass "digital disruption" auf signifikante Weise zu Veränderungen führe. Neue Geschäftsmodelle müssen schneller entwickelt werden, neue Produkte und Services fixer auf den Markt gebracht werden. Nur 17 Prozent der Großunternehmen glauben, bei der Bewältigung des Störfaktors Digitalisierung viel besser als ihre Wettbewerber zu agieren. Ausgeprägter ist die Zuversicht bei kleinen Firmen. 35 Prozent von ihnen denken, von Wettbewerbsvorteilen profitieren zu können.

Mehr CDOs als im Vorjahr

Einen Chief Digital Officer (CDO) gibt es laut Studie momentan in 17 Prozent der Unternehmen. Vor einem Jahr waren es lediglich 7 Prozent; 5 Prozent der Firmen wollen in den kommenden Monaten die CDO-Rolle neu einführen. Die volle Digitalisierungs-Leadership hat der CDO aber nur in 47 Prozent der Unternehmen, in denen es ihn gibt.

An dieser Stelle offenbart sich ein aufschlussreicher Zusammenhang: In Unternehmen ohne CDO gibt zu 34 Prozent der CMO die digitale Geschäftsstrategie aus, zu 26 Prozent der COO und zu 14 Prozent der CIO. In 35 Prozent der Firmen mit CDO aber ist der CIO der digitale Stratege, nur in 30 Prozent der CMO. Die Existenz der Rolle eines CDO scheint also die Hausmacht des CIOs tendenziell zu stärken - das Gegenteil also dessen, was oft angenommen wurde. Inwieweit sich das bei nachhaltiger Etablierung der CDO-Rolle ändert, bleibt naturgemäß ungewiss.

Digitalisierungsstrategie ausbaufähig

Eine unternehmensweite Digitalisierungsstrategie gibt es mittlerweile in ausbaufähigen 27 Prozent der Unternehmen. Weitere 26 Prozent haben in einzelnen Business Units eine derartige Strategie implementiert, 19 Prozent arbeiten daran. 9 Prozent sagen, dass sie sich mit diesem Thema nicht beschäftigen.

Vision und Geld fehlen

Die größten Herausforderungen in diesem Feld sind das Fehlen einer Vision und Geldmangel - von 34 beziehungsweise 30 Prozent genannt. Im Ranking folgen Unterschätzung der Wichtigkeit, Mangel an benötigten Skills und kulturelle Widerstände. Limitierte IT-Systeme stellen nur in 23 Prozent der Unternehmen das Problem dar. Harvey Nash folgert, dass es eher kulturelle als IT-technische Hürden zu überspringen gelte.

Großer Fachkräftemangel bei Big Data & Analytics

Der Fachkräftemangel hat sich insbesondere im Segment Big Data & Analytics verschärft - um fast 12 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Bei keinem anderen Skill-Profil gab es im vergangenen Jahr einen derartigen Nachfragesprung. 36 Prozent der Firmen klagen über einen Mangel an Big Data- und Analyse-Experten. Ähnlich rar gesät und von 34 Prozent der Unternehmen händeringend gesucht sind ansonsten nur Projektmanager. Dieser Skill-Mangel liegt aber schon seit Jahren auf hohem Niveau.

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