Hamburger IT-Strategietage


IT-Strategietage

Commerzbank-CIO: 5 Lektionen aus der Fusion

11. Februar 2012
Von Kolja Kröger
Commerzbank-CIO und CIO des Jahres Peter Leukert erzählte auf den IT-Strategietagen, wie seine Mannschaft die grüne Dresdner Bank in die gelbe Commerzbank migriert hat. Und dabei überraschende Erkenntnisse gewann.

Die nächste Finanzkrise rollte auf die Commerzbank zu, nachdem sie schon nach der Lehmann-Pleite in Schieflage geraten war. Und so wirkt CIO Peter Leukert der Kraftakt, den er und eine IT-Mannschaft von rund 4500 Leuten bis Ostern 2011 gestemmt haben, fast schon historisch: Die Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank, nachdem die gelbe Bank die grüne übernommen hatte. „Wir erzählen uns schon Heldengeschichten“, erzählte Leukert auf den Hamburger IT-Strategietagen, für deren Abschluss der CIO des Jahres 2011 als Keynote-Speaker eingeladen war.

Commerzbank-CIO und CIO des Jahres Peter Leukert auf den Hamburger IT-Strategietagen 2012.
Commerzbank-CIO und CIO des Jahres Peter Leukert auf den Hamburger IT-Strategietagen 2012.
Foto: Joachim Wendler

Und es sind beeindruckende Geschichten, die er erzählt. Wie am letzten Wochenende, Ostern 2011, gemeinsam in einer riesigen Halle eine 300-köpfige Mannschaft den größten Datenberg aus der grünen in die gelbe IT geschossen hat. Ein Kommandostand mit Führungskräften aus allen Bereichen hielt alles zusammen. „Sie können sich gar nicht vorstellen“, sagte Leukert, „was für eine Energie und Intensität in diesem Raum war, wie gut die Kommunikationskanäle waren, wenn man weiß, welcher Kollege wofür zuständig ist.“

2,5 Milliarden Euro an Kostensynergien habe der Commerzbank die Integration gebracht, für die sie einmalig 2,4 Milliarden ausgegeben hatte. 4500 Mitarbeitern aus 60 Ländern, extern und intern, bewegten Milliarden von Daten. Erst bereitete man die Systeme der Commerzbank auf die neuen Daten vor, zum Beispiel auf die Beibehaltung der grünen Kontonummern – damit die Kunden nicht zu anderen Geldinstituten rennen. Sie programmierten eine Migrationsmaschine mit acht Regalmetern Spezifikationen, und bauten die Maschine in Cobol. Nicht Java. „Es gibt für so große Datenmengen nicht, was so schnell ist wie GCCs auf einem großen Cobol“, sagte Leukert.

Fünf Lektionen lernte Leukert in diesem Projekt, manche erfreulich, manche schmerzhaft. Outsourcing-Verträge zurückdrehen stellte sich als schmerzhaft heraus. Und Leukert lernte: Die menschliche Architektur ist unendlich wichtiger als die Systemarchitektur. Das Vertrauen der „grünen“ IT-Mitarbeitern zu gewinnen, die von der Dresdner Bank kommen, und ihnen zu sagen, dass ihre Systeme größtenteils abgeschafft werden, war ebenfalls eine Herausforderung.