Adobe-Manager Hardy Köhler

Creative Cloud - Was sich für Partner ändert

21. Mai 2013
Warum kappt Adobe das Lizenzgeschäft derart radikal? Wie bewerten Kunden und Vertriebspartner den Schritt, und was plant Adobe als nächstes? ChannelPartner hat nachgehakt.
Hardy Köhler, Director of Channel Sales EMEA bei Adobe Systems
Hardy Köhler, Director of Channel Sales EMEA bei Adobe Systems
Foto: Adobe

Künftig stehen die Adobe CreativeCloud und deren SMB-Variante TeamCloud nur noch als Mietlizenz zur Verfügung. Kunden und Channelvertreter betrachten diesen radikalen Schnitt mit gemischten Gefühlen. Hardy Köhler, Director of Channel Sales EMEA bei Adobe Systems, erläutert, was Adobe zu diesem Schritt bewogen hat, wie das Modell im Detail aussieht, und was Adobe weiter plant.

Was hat Adobe dazu veranlasst, die Creative-Software künftig nur noch per Abo-Modell zur Verfügung zu stellen?

Hardy Köhler: Uns ist sehr wichtig, dass wir unsere Entwicklungs-Ressourcen fokussieren können. Um Innovationen schneller zur Verfügung zu stellen, reicht ein Release alle 12 bis 24 Monate nicht aus - Innovationen müssen sofort zur Verfügung gestellt werden können. Und das geht nicht, wenn man eine Box oder einen Datenträger liefern muss. Alleine die doppelte und dreifache Lagerhaltung, gepaart mit den entsprechenden Management-Systemen dahinter, bindet Energie, die im besten Fall in die Innovationen und nicht die Verwaltung der Innovationen gesteckt werden sollte. Im Gegensatz zum klassischen Lizenzmodell lassen sich bei den Mietlizenzen jederzeit zusätzliche Funktionen einspielen.

Bislang waren Nutzer der Creative- und der Team Cloud nicht gezwungen, jede Funktionserweiterung zu übernehmen. Gilt das auch künftig?

Köhler: Ja, der Anwender hat auch künftig die Wahl.

Die Creative- und Team Cloud-Lizenzen waren bislang jederzeit auf weitere Nutzer des Unternehmens übertragbar. Wird das auch im Abo-Modell möglich sein?

Köhler: Ja, gerade diese Managementfunktion ist eines der wichtigen Unterscheidungsmerkmale und sie ist derzeit nur in der Teamversion enthalten.

Aktuell müssen die Applikationen nach wie vor auf einem Endgerät installiert werden. Insofern sind Creative- und TeamCloud keine Cloud-Lösung, sondern ein Abo-Modell, erweitert um einen Online-Speicherplatz. Gibt es Pläne, die Software in eine echte SaaS-Lösung umzuwandeln?

Köhler: Das stimmt - die Creative Cloud ist kein SaaS-Modell, sondern eine Subscription. Allerdings ist die Creative Cloud auch jetzt schon angereichert mit SaaS-Funktionen wie zum Beispiel unseren Font-Technologien. Wie sich die Creative Cloud weiter entwickeln wird, werden wir bekannt geben, sobald es hier etwas Neues gibt. Mehr können wir zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht sagen.

Wie lange wird die Creative Suite 6 (CS6) künftig noch als Box-Version verfügbar sein?

Köhler: Bis der derzeitige Vorrat aufgebraucht ist. Es werden keinerlei CS6-Boxen mehr nachproduziert werden. Lediglich die Consumer-Produkte der Elements-Familie (Photoshop Elements, Premiere Elements) und Lightroom wird es auch weiterhin als Box-Version geben.

Weshalb wurde beschlossen, die CS6 noch für eine Weile als Kauflizenz-Variante zu erhalten?

Köhler: Einige unserer Kunden sind noch nicht so weit, dass sie ihren Einkaufsprozess von Lizenzen auf das Mietmodell umstellen können. Daher bieten wir bis auf Weiteres die Produkte der Creative Suite 6 als elektronischen Download an (ESD) über Adobe.com oder über Fachhändler und Handelspartner an. Ein konkretes Abkündigungsdatum gibt es derzeit nicht. Allerdings werden alle Innovationen nur noch in der Creative Cloud stattfinden.

Welchen Anteil am Gesamtumsatz von 4,1 Milliarden US-Dollar hat das Abo-Geschäft aktuell?

Köhler: Seit ihrer Einführung im April 2012 hat Adobe mit der Creative Cloud mehr als 500.000 zahlende Mitglieder gewonnen und konnte mehr als 2 Millionen Testzugänge verzeichnen. Der Anteil des Creative Cloud Abo-Geschäfts an den Gesamteinnahmen lag im 1. Quartal 2013 bei 233 Millionen US-Dollar, das entspricht gegenüber dem Wert aus dem 4. Quartal 2012 (153 Millionen US-Dollar) einer Steigerung um etwa 34 Prozent.