Strategien


Organisation soll schneller werden

Daimler testet Design Thinking

Auf dem Campus des Standorts Möhringen steht für drei Monate ein gläserner Container. Hier lernen Mitarbeiter in Schnupperkursen die Innovationsmethode Design Thinking kennen.

Die aktuellen Diskussionen um bimodale IT und Two-Speed-Organisation führen etwas in die Irre. Klar schaffen viele Unternehmen gerade kleine agile Einheiten, die Lösungen vornehmlich am Frontend zum Kunden schnell umsetzen sollen. Gleichzeitig muss aber das Backend stabil und sicher laufen, da können agile Methoden den laufenden Betrieb empfindlich stören. Doch eine strikte Trennung zwischen schneller und langsamer IT führt zu Unzufriedenheit bei Mitarbeitern.

Von Ende Oktober bis Ende Dezember steht der Glascontainer auf dem Campus in Stuttgart-Möhringen. Dann wird er abgebaut und geht wieder mit dem Team der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) auf Reisen.
Von Ende Oktober bis Ende Dezember steht der Glascontainer auf dem Campus in Stuttgart-Möhringen. Dann wird er abgebaut und geht wieder mit dem Team der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft (DTM) auf Reisen.
Foto: Daimler AG

Die eigentliche Herausforderung für Unternehmen liegt denn auch nicht in Bimodal IT oder Two Speed, sondern darin, wie sie die Gesamtorganisation schneller machen. Idealerweise entwickeln alle Mitarbeiter nebenbei auch noch kreative und innovative Lösungen für ihre Arbeit und das Business. Um das zu erreichen, versprechen sich Firmen viel von der Innovationsmethode Design ThinkingDesign Thinking. "Das ist zwar kein Allheilmittel, aber wichtig, um schneller zu werden", sagt CIO Jan Brecht von DaimlerDaimler. In seiner kürzlich vorgestellten IT-Strategie für denAutokonzernAutokonzern steht denn auch "Speed" an erster Stelle. In allen Bereichen des Unternehmens müsse die Geschwindigkeit steigen, damit Daimler aufgrund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks nicht ins Hintertreffen gerate. Top-500-Firmenprofil für Daimler Alles zu Design Thinking auf CIO.de Top-Firmen der Branche Automobil

"Back to the Garage!"

Der "Empowered Employee" gehört ebenfalls zur Strategie. Dabei sollen Mitarbeiter in kleinen autarken Teams hierarchiefrei, schnell und selbstbestimmt arbeiten können. Dafür notwendige Führungsrollen legte Daimler im Programm "Leadership 2020" fest, in dem Führungskräfte explizit aufgefordert werden, Kreativität und neue Ideen zu fördern. "Back to the Garage!" heißt das Motto.

"Den Container haben wir gewählt, um Design Thinking sichtbarer, greifbarer und präsenter zu machen", erklärt CIO Helmut Schütt von Daimler Trucks, Buses and Vans.
"Den Container haben wir gewählt, um Design Thinking sichtbarer, greifbarer und präsenter zu machen", erklärt CIO Helmut Schütt von Daimler Trucks, Buses and Vans.
Foto: Daimler AG

Um mehr Speed aufzunehmen und wie ein Inkubator zarte Kreativpflänzchen aufzupäppeln, treiben Brecht und sein Kollege Helmut Schütt, CIO von Daimler Trucks, Buses and Vans, das Thema Design Thinking intensiv voran. Zwar sind sie in keine Garage gezogen, doch haben sie stattdessen einen Container aufgestellt.

Design Thinking sichtbar und greifbar machen

Seit Ende Oktober steht nun also ein gläserner, von außen sichtgeschützter Glascontainer auf dem Gelände des Werks Stuttgart Möhringen. Täglich kommen die Mitarbeiter aus den verschiedenen Verwaltungseinheiten wie Vertrieb und Marketing, Investor Relations, Recht sowie Corporate Audit und IT auf dem Campus daran vorbei. "Den Container haben wir gewählt, um Design Thinking sichtbarer, greifbarer und präsenter zu machen", begründet Schütt.

Etwa 1000 Mitarbeiter werden bis Ende Dezember im Projekt "Stella" Schnupperkursen und Tagesworkshops die Methode Design Thinking auf den zwei Etagen kennenlernen.
Etwa 1000 Mitarbeiter werden bis Ende Dezember im Projekt "Stella" Schnupperkursen und Tagesworkshops die Methode Design Thinking auf den zwei Etagen kennenlernen.
Foto: Daimler AG

Etwa 1000 Mitarbeiter werden bis Ende Dezember im Projekt "Stella" in 90-minütigen Schnupperkursen und Tagesworkshops die Methode Design Thinking auf den zwei Etagen kennenlernen. Üblicherweise erstrecken sich Design-Thinking-Workshops über zwei bis drei Tage. Doch der sogenannte Pop-up Space dient mehr als Show Case, in dem Mitarbeiter aus Fachabteilungen und IT die Arbeitsweise erst einmal "fühlen und schmecken" sollen. Umgekehrt wollen die Projektsponsoren Brecht und Schütt erste Erfahrungen sammeln und schauen, wie Mitarbeiter Design Thinking annehmen. "Der Container war ausgebucht, noch bevor er überhaupt eröffnet wurde", berichtet Brecht.

Daimler AG | Projekt Design Thinking

Zeitrahmen

Ende Oktober bis Ende Dezember 2016

Mitarbeiter

13 Coaches, rund 1000 Teilnehmer

Dienstleister

SAP für Schulung der Coaches

Einsatzort

zunächst Standort Stuttgart-Möhringen

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